Von Gabeln zum (Aus-)Löffeln

Mit einer Gabel Suppe essen und die gebündelte Kraft dann nutzen, den besten Fleckenentferner zu entwickeln.

Frustriert und hoffnungslos – so habe ich mich letztes Jahr gefühlt, als ich gesehen habe, wie gering der Stellenwert der Prävention in der Arbeit der DDG zu sein scheint. Ich verfasste im Zuge meines Reisestipendiums einen Blogbeitrag, der einen (zugegebenermaßen schlechten) Vergleich der Inzidenz von Diabetes mellitus mit einer sehr schönen Stadt Westdeutschlands zog. Ich wollte so meine Enttäuschung in Wort fassen.

Wer sich über Zustände beklagt, sollte versuchen diese zu ändern. So machte ich mich dieses Jahr auf, das Treffen der Arbeitsgemeinschaft „Prävention“ zu besuchen. Ich wurde äußerst freundlich von den zwei Anwesenden begrüßt, entschloss mich zunächst zu beobachten, auf alle präventionsbegeisterten Mitglieder der Diabetologen Deutschlands zu warten und zuzuhören. Nach 30 Minuten angeregter Diskussion über die aktuellen Zustände sah ich, dass es doch Menschen gibt, denen das Verhindern von einer der wichtigsten Krankheiten in der westlichen Gesellschaft am Herzen liegt. Wir waren – in einem Raum für ca. 60 Menschen – zu fünft. In einer Gesellschaft mit fast 10.000 Mitgliedern finde ich das sehr entsetzend und beschämend.

Nichtsdestotrotz habe ich meinen kleinen Funken, der mal in mir brannte, wiedergefunden. Ich beteiligte mich mehr und mehr in der regen Diskussion unter anderem über die Chance der Digitalisierung und der ersten zertifizierten und von Krankenkassen unterstützten Diabetes-Präventions-App namens „Videa bewegt“. Genauso heiß wurde das Positionspapier diskutiert. Ich finde gerade als AG „Prävention“ ist hier ein Schulterschluss mit den Kräften hinter der Nationalen Reduktionsstrategie wichtig. Ebenso wie hart formulierte Aussagen, die die Ziele der AG widerspiegeln. Diese Idee wurde aufgegriffen: In den nächsten Wochen werden diese Thesen formuliert und dem Positionspapier angefügt.

Fünf Teilnehmer sind viel zu wenig und das frustriert. Es scheint aber auch eine Chance zu sein, sich einzubringen und mitzugestalten. Ich bin zwar immer noch frustriert, nun aber hoffnungsvoller. Ich hoffe, dass sich weitere Menschen finden, die mit uns gemeinsam nicht nur Flecken entfernen, sondern auch mal versuchen die Suppe auslöffeln.

Jonas Laaser

Antwort der DDG

Es freut uns sehr, dass Sie so für das Thema Prävention „brennen“ – denn so geht es uns in der DDG auch. Deshalb haben wir die „Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten“ (DANK) maßgeblich mitbegründet, einen Zusammenschluss von 22 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, die zu dem Thema Ernährung und Bewegung arbeiten. Sprecherin ist die DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer. Über die DANK, aber auch mit der DDG direkt, versuchen wir, politische Maßnahmen durchzusetzen, die es der Bevölkerung erleichtern, sich gesund zu ernähren – etwa eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung mit dem Nutri-Score, höhere Steuersätze für ungesunde Produkte und ein Werbeverbot für Kinder. Dazu stoßen wir gesellschaftliche Debatten an, verbreiten Forschungsergebnisse und informieren Journalisten. Wir bauen aber auch direkt gesellschaftlichen Druck auf, etwa mit einem Offenen Brief von 2000 Ärzten an die Bundeskanzlerin, über den sogar in der Tagesschau berichtet wurde. Zu diesen Aktivitäten haben wir auf dem Kongress auch ein Symposium angeboten, das sehr gut besucht war. Wir nehmen Ihren Beitrag aber als Hinweis, diesen Ansatz noch besser mit jenem der AG „Prävention“ zu vernetzen – denn wir brauchen alle Engagierten, um Diabetes vor seiner Entstehung zu verhindern. In dem Sinne hoffen wir, dass wir auch weiterhin auf Ihre Unterstützung und kritische Mitarbeit zählen können.

DDG

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