Was gibt es Neues unter der Sonne?

Intraperitoneale Insulinapplikation

In der Therapie vom Typ-1-Diabetes spielt Insulin die Hauptrolle und kann in verschiedenen Formen appliziert werden, z.B. s.c. und i.v. Dass Insulin auch intraperitoneal appliziert werden kann, war für mich eine neue Information. Mit dem aktuellen Stand der Therapie vom Typ-1-Diabetes hat sich das Symposium „Was gib es Neues unter der Sonne?“ geleitet vom Prof. Dr. Lutz Heinemann und Dr. Michael E. Trautmann beschäftigt.

In einem der Vorträge wurde vom Herrn Dr. Bernhard Gehr aus Bad Heilbrunn eine der längst probierten aber kaum bekannten Applikationsformen des Insulins dargestellt, nämlich die intraperitoneale Insulinapplikation.  Der erste case report mit diesem Applikationsform erschien im Jahr 1971[1]. Die Idee stammte von den Nephrologen, die im Rahmen der peritoneal Dialyse Insulin verabreicht haben und daraus entwickelte sich letztendlich die Continuous intraperitoneal Insulin Infusion (CIPII) bzw. Roche Accu-Chek DiaPort. Diese Applikationsform bereitet eine zuverlässige und schnelle Insulinwirkung (ähnlich i.v.) und funktioniert gemäß der physiologischen Insulinanflutung: das Insulin erreicht zuerst die Leber dann die Peripherie. Ein weiterer Vorteil ist das Vermeiden vom subkutanen Insulindepot mit seiner retardierten Absorption und höher inter- und intraindividuellen Variabilität. Somit wird eine normnahe Blutzuckerregulation bei weitgehender Vermeidung von Hypoglykämien ermöglicht. Diese Methode ist bei echte subkutane Insulinresistenz sowie bei schweren Hypoglykämien und extremer Glukosefluktuation trotz aller konventionellen Methoden indiziert. Trotz all dieser Indikationen werden mit der intraperitonealen Applikation weltweit nur 100 Patienten und Patientinnen behandelt, in Deutschland sind es 69.

Weiterlesen

Basalinsulin – Nur noch einmal pro Woche?

Basalinsuline sind aus der heutigen Diabetestherapie nicht mehr wegzudenken. Sowohl ein 9-jähriger Junge mit Typ-1-Diabetikes, als auch eine 85-Jährige mit fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes sind auf Basalinsuline angewiesen. Daher werden kontinuierlich neue Insulinanaloga mit immer längerem Wirkungsprofil entwickelt. Doch welchen Vorteil hat die immer längere Wirkung der Insuline? Und wie schafft man es, ein basales Insulin über eine ganze Woche wirken zu lassen?

Dr. Andreas Liebl (Fachklinik Bad Heilbrunn) stellte die Benefits der verlängerten Insulinwirkung dar. Tatsächlich wurde in einer kürzlich publizierten Metaanalyse von Rebecca S. Holmes [1] herausgefunden, dass die längere Wirkung neuerer Basalinsuline wie Degludec oder Detemir im Vergleich zu Glargin U100 zwar keine signifikante Verbesserung bei Einstellung des Blutzuckers oder des HbA1c zur Folge hat, allerdings die Patienten bei den neueren Insulinen weniger Hypoglykämien erlitten.

Weiterlesen

Vollkorntage statt Insulinspritze

In Deutschland steigt die Anzahl der an Diabetes erkrankten Personen jedes Jahr drastisch an. Steigender Zuckerkonsum und wenig sportliche Tätigkeit der Bevölkerung tragen ihren Teil dazu bei. So sind in Deutschland derzeit ca. 6,5 Millionen Personen an Diabetes mellitus erkrankt. Neueste Studien zeigen, dass Vollkorntage eine effektive Therapie für Diabetiker darstellen und nachhaltig den Blutzucker senken können. Einen Einblick in diese spannenden neuen Erkenntnisse konnte uns am Donnerstag, den 30. Mai 2019 Frau A. Tornbek beim DDG-Kongress in Berlin geben.

Eine aktuelle Studie beobachtete ein Patientenkollektiv mit Diabetes mellitus, welches in ihrem Klinikaufenthalt 2 Tage nur Vollkornflocken als Nahrung erhielt. Pro Mahlzeit wurden 75g Vollkornflocken mit 50g Beeren und 50g Lauch oder alternativ mit 20g gehobelten Mandeln, sowie Kräutern, Zitronensaft, Süßstoff und Zimt zubereitet. Dabei wurden die Haferflocken nicht mit Milchprodukten, sondern nur mit Wasser oder Gemüsebrühe aufgekocht. Die Mahlzeit betrugen je 276 kcal und 3g Beta-Glukan. Ein voller Hafertag beinhaltete 10g Beta-Glucan und 22,5g Ballaststoffe. An einem eindrücklichen Beispiel beschrieb Frau Tornbek, dass Vollkorntage sogar den völligen Verzicht von Insulintherapie bedeuten können: z.B. wurde eine Patientin bei Krankenhausaufnahme mit Levemir abends 240 IE, einem Humalog mix 25 morgens 240 IE und zusätzlich dreimal täglich je 120 IE zu den Mahlzeiten therapiert. Das stellt eine tägliche Insulinmenge von 840 IE dar. Durch Einführung der Hafertage konnte man nach einer bestimmten Zeit bei der Patientin komplett auf die Insulintherapie verzichten. Hierbei war es wichtig, dass Vollkornflocken und nicht Light-Haferflocken verwendet wurden. Insgesamt konnte in der Studie gezeigt werden, dass Hafer den HbA1c-Wert reduziert, sowie den Nüchtern Blutzucker, den Pulsdruck sowie Cholesterin und LDL senkt.
Außerdem steht fest, dass min. 40g Vollkornprodukte pro Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck deutlich reduzieren (Lillioja et al. 2013). Dabei scheint Hafer das wirksamste Vollkornprodukt zur Cholesterinspiegelsenkung zu sein. Ergebnisse von 2 Harvard-Studien mit über 100.000 Teilnehmern zeigten, dass ein höherer Verzehr von Vollkornprodukten mit einer niedrigen Sterblichkeit und geringeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht (Wu et al. 2015). Der langfristige Haferproduktverzehr führt zudem zu einer Absenkung des Cholesterinspiegels (Thies et al. 2015). In Zukunft sollte man deshalb in Betracht ziehen, öfter Vollkorntage bei Patienten mit Diabetes mellitus einzuführen und die Insulindosis so gering wie möglich zu halten.

Annabel Hildebrandt

Neues vom Diabetes Kongress: „Closed Loop“-System bald auch in Deutschland verfügbar

Tägliches Blutzuckermessen und Insulinspritzen – das soll bald ein Ende haben, denn voraussichtlich im Jahr 2018 werden „Closed Loop“-Systeme in Deutschland verfügbar sein. Ein „Closed Loop“-System („geschlossener Kreis“) vernetzt eine Insulinpumpe mit einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. Alle Geräte kommunizieren drahtlos miteinander. Weiterlesen

Schwangerschaftsdiabetes: Vorbeugen statt Therapieren!

Laut Statistik ist jede zweite Frau in Deutschland übergewichtig. Dies betrifft nicht nur ältere Damen, sondern auch eine wachsende Anzahl an jungen Frauen, die unter Umständen gerade dabei sind, ihre Familienplanung in die Tat umzusetzen. Im Jahr 2014 hatte die durchschnittliche werdende Mutter einen Body Mass Index von 28, 5 Prozent. Vier Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 27,8. Das Übergewicht der Mutter verdoppelt das Fehlbildungsrisiko beim Nachwuchs und die erhöht die Gefahr aus einen Schwangerschaftsdiabetes: Dieser kann zu Komplikationen in der Schwangerschaft und bei Geburt führen, steigert das Risiko für Schwangerschaftshochdruck und fördert das übermäßige Wachstum des ungeborenen Kindes. Außerdem erhöht Gestationsdiabetes das Risiko, dass Mutter und Kind später an einem Typ-2-Diabetes erkranken.

Die Mutterschaftsrichtlinien schreiben zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche eine venöse Blutentnahme auf Schwangerschaftsdiabetes vor, den sogenannten Gestationdiabetes mellitus (GDM). Bei dem Screening trinkt die Schwangere zunächst im nicht-nüchternen Zustand 200 Milliliter Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, bevor eine Stunde später der Blutzucker im Venenblut bestimmt wird. Ist das Screening auffällig, muss zeitnah ein 75-Gramm-Diagnosetest über zwei Stunden im nicht-nüchternen Zustand folgen. Auf diese Weise wird ein möglicher GDM zwar frühzeitig erkannt, aber leider nicht immer richtig behandelt. So zeigen Untersuchungen, dass deutsche Ärzte im internationalen Vergleich wesentlich häufiger eine Insulintherapie verordnen. Eine Lebensstilintervention mit Ernährungsumstellung und Bewegungsförderung könnte hier jedoch wesentlich ertragreicher sein.

CGMS geht unter die Haut – Neuigkeiten von Roche

Auf der Industrieausstellung am Stand von Roche wird fast stündlich von einer neuen Innovation berichtet: dem Senseonics implantierbarem CGM System, welches ich im Folgenden kurz vorstellen möchte.

Das System besteht aus 3 Komponenten: dem Sensor, dem Transmitter und einer Mobilen App. Das Neuartige an diesem System ist, dass am Oberarm ein ca. 5 Millimeter großer Sensor für 90 Tage implantiert wird. Dies geschieht beim Diabetologen unter lokaler Betäubung. Der Transmitter dient zur Übertragung des gemessenen Gewebezuckers via Bluetooth auf eine App eines Smartphones (Apple oder Android). Der Transmitter ist ca. 4×4 Zentimeter groß und ca. 1,5 Zentimeter hoch und muss per Pflaster ständig über der Sensorstelle auf der Haut getragen werden, nur dann werden die Daten übertragen. Der Transmitter kann zum Duschen etc. angenommen werden, in dieser Zeit werden jedoch keine Daten übertragen. Alle 12 Stunden muss der Sensor mittels einer blutigen Zuckermessung kalibriert werden. Weiterlesen

Senkrecht oder schräg, je nach Geschmack!

Wie kommt eigentlich das Insulin der Insulinpumpe in das Unterhautfettgewebe? Diese Frage beschäftigte mich zu Anfang meines neuen Lebens mit Insulinpumpe. Zunächst besaß ich eine Kanüle, die senkrecht durch die Haut stach. Sie hatte eine praktische rosa Stechhilfe am Katheter, sodass sich die Nadel recht schmerzfrei einführen ließ. Dennoch hatte ich mit der senkrechten Einstich-Variante meine Probleme.

Meine Zuckerwerte schossen plötzlich in diese Höhe  – sogar im Ketonbereich! Ketone kommen frei, wenn der Körper Fettgewebe abbaut um die Energieversorgung zu sichern. Im Ernstfall können sie das Blut übersäuern und ein lebensgefährliches diabetisches Koma auslösen. Es war, als würde das Insulin gar nicht in meinem Körper ankommen. Der Gedanke machte mir Angst. Mein Vertrauen in die Insulinpumpe war dahin. obwohl ich verschiedene Nadel-Längen ausprobierte, kam ich bei allen zum gleichen Ergebnis.

Völlig verzweifelt habe ich bei meinem Diabetologen einen Termin vereinbart. Hier traf ich eine sehr nette Diabetesberaterin, die mir einen anderen Typ Nadel empfahl. So probierte ich zum ersten Mal die schräge Nadel aus. Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass es da keine Stechhilfe gab. Aber mittlerweile komme ich auch ohne gut zurecht. Meine Werte normalisierten sich.

Seitdem bin ich also für schräg.

Erfolg im Maus-Modell: ist Typ-1-Diabetes bald heilbar?

Typ-1-Diabetes ist bis heute nicht heilbar. Eine Autoimmunerkrankung zerstört die insulinproduzierenden Betazellen de Betroffenen, so dass sie ihr Leben lang Insulin spritzen müssen. Eine mögliche Behandlung bietet die Transplantation einer gesunden Pankreas oder einzelner Inselzellen, wie sie bereits in den USA und auch in Deutschland bei ausgewählten Patienten zum Einsatz kommt.

Zwei Mäuse

Fotolia/Emilia Stasiak

Weiterlesen

Fliegen mit der Insulinpumpe

Von Silke Wunderlich

Ein neues Abenteuer mit meiner Insulinpumpe war der erste Flug in den Urlaub. Damit ich Pumpe, Insulin und Zubehör durch die Sicherheitskontrollen zu bekam, hatte mein Diabetologe mir eine Bescheinigung ausgestellt. Nachdem ich meine Pumpe zuletzt mit in den MRT getragen hatte, befürchtete ich, dass es bei den Security Checks am Flughafen wieder Probleme geben könnte.

Girl at the airport window

Fotolia/Happy Alex

Weiterlesen

Der Gesundheitsbericht Diabetes 2016 ist da

Cover des GesundheitsberichtsKurz vor Jahresende haben diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und die DDG erneut den jährlichen Gesundheitsbericht Diabetes veröffentlicht. Ein Blick in den Bericht lohnt sich. Auf knapp 250 Seiten haben Diabetes-Experten die neusten Zahlen und Entwicklungen zu einer der Top-5-Volkskrankheiten zusammengetragen. Weiterlesen