Spaghetti Bolognese heute oder doch lieber morgen?

Wer kennt es nicht? Man kommt abends nach Hause, hat Hunger… schnell Nudelwasser aufsetzen, Bolognese aus dem Glas und dann ENDLICH ESSEN. Doch wie war das nochmal mit der kohlenhydratreichen Nahrung am Abend? Dann vielleicht doch Spaghetti lieber morgen und jetzt etwas anderes? Die Antwort auf diese oft gestellte Frage beantwortete PD Dr. Olga Pivovarova-Ramich in ihrem Vortrag „Wann soll ich essen?“ im Rahmen des Symposiums „Circadian clocks, sleep & metabolism“ beim virtuellen Diabetes Kongress 2021.

Die Voraussetzung für einen gesunden Stoffwechsel ist die Synchronisation zwischen zentraler Uhr im Hypothalamus und den peripheren Uhren in den übrigen Organen. Während unsere zentrale Uhr durch Licht beeinflusst wird, ist es für unsere peripheren Uhren wichtig, was und wann wir essen. Denn die aufgenommen Nährstoffe und die Konzentrationsveränderungen postprandialer Hormone – allen voran Insulin – beeinflussen die molekularen Signalwege und damit die zirkadiane Rhythmik. 

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Insulininjektionen in tierischen wie auch in humanen Adipozyten die zirkadiane Rhythmik verändern. Eine weitere Studie mit Verschiebung der Essenszeiten um fünf Stunden, wie sie am Wochenende oder im Urlaub oftmals vorkommt, bestätigte dieses Phänomen auch in vivo.

Bei Probanden, die nachts Nahrung zu sich nahmen, d.h. unter einer Desynchronisierung der inneren Uhr, sanken in Folge Glukosetoleranz und Insulinsensitivität. Ferner war eine größere Gewichtsreduktion bei denjenigen Übergewichtigen zu beobachten, die die Mahlzeit mit der größten Kalorienmenge zu einer früheren Tageszeit zu sich genommen haben. Dies wurde auf einen geringeren Energieverbrauch in Ruhe, auf eine geringere postprandiale Thermogenese sowie auf eine geringere Glukosetolerenz am Abend zurückgeführt.

Aber jetzt nochmal zu der Eingangsfrage: Reagiert der Stoffwechsel auf die gleiche Mahlzeit morgens und abends unterschiedlich? Bei Probandinnen und Probanden mit einer gestörten Glukosetoleranz war die Glukosekonzentration nach einer abendlichen kohlenhydratreichen Mahlzeit signifikant höher als bei einer gleichen Mahlzeit am Morgen. Bei gesunden Probanden war dies allerdings nicht der Fall. Da weiterhin gezeigt werden konnte, dass die Insulinsekretion und – wie oben bereits erwähnt – die Insulinsensitivität und die Glukosetoleranz im Tagesverlauf abnehmen, wird Patientinnen und Patienten mit einer gestörten Glukosetoleranz empfohlen, die abendliche Portion Spaghetti Bolognese zu vermeiden. 

Für mich als gesunde Medizinstudentin bedeutet dies also, dass ich mich nach einem stressigen Tag durchaus auf eine Portion Spaghetti freuen darf. Für meinen späteren Beruf als Ärztin, in dem ich Patienten mit gestörter Glukosetoleranz behandeln werde, werde ich mir die spannenden Inhalte des Vortrags im Rahmen des Diabetes Kongress 2021 hoffentlich lange merken.

Susann-Kristin Kieslich

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