Screening auf Typ 1 Diabetes

ein Vortrag von Professor Ziegler auf dem DDG Kongress 2021

Besonders wertvoll war der Vortrag von Professor Anette-Gabriele Ziegler über die Fr1da Studie zum Screening auf Typ 1 Diabetes. Das Modell sieht vor, das Kinderärztinnen und -ärzte im Rahmen der U-Untersuchungen zu zwei Zeitpunkten zwischen dem Alter von 18 Monaten bis zehn Jahren Kapillarblut abnehmen, woraus die Autoantikörper GAD, IA-A2 und ZnT8 per Elisa bestimmt werden. Bei Positivität des Screenings erfolgt eine weitere Abklärung, eine Schulung und Aufklärung der Eltern und ein engmaschiges Monitoring des oGTT.

30 Prozent der Kinder, die im Screening aufgefallen sind, haben bisher einen T1D entwickelt. Die Rate der Ketoazidosen bei Erstmanifestation konnte massiv reduziert werden und die psychosoziale Belastung der betroffenen Familien war deutlich verbessert. Das allein sind großartige Ergebnisse, die eine Durchführung des Screenings auf nationaler Ebene und durch Krankenkassen finanziert befürworten.

In Zukunft könnte ein solches Screening vielleicht noch erweitert werden um etwa eine engmaschigere Überwachung von Kindern, die Risikogene tragen oder eine positive Familienanamnese auf Typ-1-Diabetes haben.

Gerade in Anbetracht der beträchtlichen Fortschritte, die die Immuntherapie bei Typ 1 Diabetes momentan macht, ist ein Screening besonders wertvoll. Die Zulassung von Teplizumab im Stadium 2 des Diabetes, wenn also eine leicht gestörte Glukosetoleranz vorliegt, wird grade diskutiert. Doch eine Immuntherapie, die bereits in Stadium 1, also bei Vorliegen erster Autoantikörper, begonnen wird, wäre sehr viel wirksamer als eine Immuntherapie, die erst in Stadium 2 begonnen wird, wenn ein Großteil der Betazellen bereits ihre Funktion verloren haben.

Eine solche Immuntherapie dürfte aber natürlich auch bei langzeitiger Anwendung keinerlei Nebenwirkungen haben. Sonst wäre eine Therapie bei positivem Screening-Ergebnis wohl kaum zu rechtfertigen, denn 70 Prozent der hier im Screening positiven Kinder haben keinen T1D entwickelt.

Teplizumab ist sicher ein Meilenstein in der Immuntherapie des Typ-1-Diabetes, konnte aber leider bisher die Diabetesdiagnose „nur“ um drei Jahre verschieben und soll erst ab acht Jahren zugelassen werden. Eine weitere Entwicklung des Arzneimittels oder eine Kombination mit anderen Medikamenten, die eine langfristige Prävention von T1D versprechen, ohne viele Nebenwirkungen zu haben, wäre ein weiterer Durchbruch in der Diabetesprävention.

Dr. Susanne Pfeiffer

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