Schlaf und Stoffwechsel

Für mich war dies innerhalb des Stipendiatenprogramms, sowie für wahrscheinlich auch die meisten anderen Teilnehmer, meine erste Teilnahme an einem medizinischen Kongress in rein digitaler Form.  Aus bis zu 12 parallel geschalteten Kanälen konnte ein indivudelles Programm aus breiten Themen der Diabetologie zusammengestellt werden und in einer Mediathek zeitgleich verpasste Blöcke nachträglich aufgerufen werden. Dies ermöglichte durch die einfache Zugänglichkeit die Teilnahme an in Summe mehr Vorträgen und war so im Gesamten ein gelungenes Online-Debut. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließen für mich die Beiträge aus dem ansonsten in meiner Ausbildung bisher recht unterrepräsentierten Themenkreis der Chronobiologie und Schlafforschung. 

Die Auswirkung einer erniedrigten Schlafdauer auf Insulinausschüttung und folglich einer erniedrigten Insulinsensitivität und vermehrter Aktivierung gegenregulatorischer Mechanismen wurden gut anschaulich nähergebracht. Im Mausmodell trug eine geregelte Lichtexposition über Einfluss auf die periphere Uhr zur Stabilisierung des Körpergewichts der Tiere bei.  Unterstrichen wurde durch Professor Uhlenhaut, dass der circadiane Rhythmus nicht nur über die endokrinen Achsen abläuft, sondern jedes Gewebe, mit Fokus auf dem Muskelgewebe seinen inneren Rhythmus hat. Das wurde noch einmal anhand von einzelnen untersuchten Zusammenhängen und Auswirkungen auf Protein-, Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel in vorgestellten Studien veranschaulicht.

Neben der wissenschaftlichen beziehungsweise pathophysiologisch bereichernden Inhalte sind auch praktische Überlegungen einfach abzuleiten. Die positiven metabolischen Effekte eines geregelten Tag- Nachtrhythmus sollten in der Patientenversorgung nicht vergessen werden und eine Optimierung womöglich versucht werden. Die besprochenen metabolischen Veränderungen werde ich die nächsten Male, wenn ich entscheide, ob bei meinen stationären Patientinnen und Patienten ein Blutzuckernachtprofil notwendig ist oder ob ein Tagesprofil ausreicht, im Hinterkopf behalten – und das Belohnungscroissant nach dem Nachtdienst vielleicht eher verschieben 🙂

Miriam Deri

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