Mit angezogener Handbremse fahren – autoimmunen Typ-1-Diabetes ausbremsen

Im Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse vom Immunsystem zerstört. Die Immunpathogenese kennzeichnet eine hohe Infiltration von T-Zellen, insbesondere cytotoxische T Lymphozyten (CTL). Diese CTLs sind antigenspezifisch von antigen-präsentierenden Zellen aktiviert worden. Für gewöhnlich gewährleisten tolerogene Prozesse des Immunsystems, dass T Zellen nicht durch Autoantigene von aktiviert werden. Teil dieser immunregulatorischen Vorgänge sind regulatorische T-Zellen (Tregs). Auch sie sind antigenspezifisch, inhibieren jedoch lokal das Immunsystem.

In ihrem interessanten Beitrag nahm Dr. Carolin Daniel vom Helmholtz Zentrum München diesen Mechanismus in den Fokus. Sie beschrieb, dass eine hohe Frequenz an insulinspezifischen Tregs in den Langerhans-Inseln mit einem langsameren Voranschreiten der Krankheit assoziiert ist. Folglich ist der Ansatz, solche Tregs als immunmodulatorische Therapie zu generieren. Dazu eignen sich naive T-Zellen am besten, denen unter nicht-inflammatorischen Bedingungen Insulin präsentiert wird.

Für die translationale Forschung nutzt ihre Gruppe ein humanisiertes Mausmodell, das heißt Mäuse, dessen zuvor abgetötetes Knochenmark durch menschliche Zellen rekonstituiert wurden. Im Experiment konnten vermehrt insulinspezifische Tregs in vivo nachgewiesen werden.

Als wichtigen intrazellulären Marker für Tregs führte sie den Vortrag zum Transkriptionsfaktor Forkhead-Box-Protein P3 (FoxP3). Die FoxP3-Expression wird unter anderem durch die Methylierung der Genregion „conserved non-coding sequence 2“ (CNS2) des FoxP3-Gens reguliert. Als weitere Option zur Regulation der FoxP3-Expression, und damit der Stabilität von Tregs, führte die Referentin micro-RNA auf. Sie hat mehrere Beispiele gezeigt, die die FoxP3-Expression auf post-transkriptioneller Ebene verstärkt haben, indem entsprechende micro-RNAs gezielt gehemmt wurden.

Insgesamt hat Dr. Daniel in ihrem Vortrag auf spannende Weise gezeigt, dass es für manche Erkrankungen sinnvoll sein kann, Immunreaktionen zu hemmen. In der Klinik wird das längst angewandt, allerdings auf systemischer Ebene. Das kann negative Auswirkungen auf den Schutz vor Infektionen oder gar Krebs haben. Mit diesem gezielten Therapieansatz würde man nicht mehr mit Kanonen auf Spatzen schießen. Für meine eigene Forschung als naturwissenschaftlicher Doktorand ist das besonders relevant, denn ich arbeite daran, die initialen Prozesse der Immunpathogenese vom Typ-1-Diabetes zu verstehen. Gerade hier spielt die Generierung von Tregs in der Peripherie eine entscheidende Rolle.

Martin Borgmann

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