Impfung gegen Typ-1-Diabetes in Sicht?

Am Nachwuchstag wurde die Frage nach Voraussetzungen für eine Diabetesimpfung gestellt. Impfungen sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und haben schon erfolgreich die Prävention verschiedener Krankheiten vorangetrieben. Warum also nicht auch gegen eine chronische Erkrankung wie den Diabetes impfen?

Frau Dr. Carolin Daniel vom Helmholtz Zentrum München stellte die gestörte Immuntoleranz bei Menschen mit Typ-1-Diabetes in den Vordergrund, da bei diesen die Autoimmunität überwiegt. Normalerweise sorgen regulatorische T-Zellen, sog. Tregs, in den verschiedensten Bereichen für die Unterscheidung von körpereigenen und körperfremden Antigenen und somit für eine Immuntoleranz. Bei der Entstehung von Autoantikörpern, wie z.B. beim Diabetes Typ 1, entsteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Autoimmunität ohne dass es zunächst zu klinischen Symptomen kommt.

Was wäre, wenn dieses Gleichgewicht durch eine Impfung wiederhergestellt werden könnte?

Die Idee: naive T-Helferzellen mit einem Insulin-Antigen gezielt prägen und somit eine starke Population insulinspezifischer Tregs induzieren. Es konnte gezeigt werden, dass zum Zeitpunkt der Entwicklung von Inselzellautoantikörpern nur wenige Tregs vorhanden sind. Bei sogenannter „slow progression“ sind Jahre später noch keine Symptome vorhanden und man entdeckte hier vermehrt Tregs, wie man auf der Abbildung sehen kann (Serr I et al., Nat Comm 2016). Daraus lässt sich ableiten, dass das vermehrte Vorkommen von insulinspezifischen Tregs mit einer langsameren Progression zur klinischen Manifestation verbunden ist. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es durch eine Impfung gelingt, im Menschen spezifische und ausreichende Tregs zu induzieren und somit das Voranschreiten zum klinischen Typ-1-Diabetes hinauszuzögern.

Zum Abschluss darf sich jeder gerne die Frage stellen, was eine Verzögerung der klinischen Manifestation um möglicherweise mehrere Jahre für Kinder, Jugendliche und vor allem die Spätfolgen dieser chronischen Erkrankung bedeuten würde.

Ein herzlicher Dank geht an Frau Dr. Carolin Daniel, die mir Teile ihrer Präsentation, u.a. die Abbildung, zur Verfügung stellte.

Carolin Hoffmann

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