„Ich leide nie und habe eigentlich nie als Behandler gelitten“ – So kann der Umgang mit scheiternden Patientinnen und Patienten gelingen

Alexander Risse aus Berlin hielt einen fesselnden Vortrag zum Umgang mit Patienten, die sich nicht an die Therapieempfehlungen halten, am Beispiel des diabetischen Fußsyndroms in der Klinik. Dies tat er von zu Hause aus, denn durch einen unfallbedingten Beckenbruch bezeichnete er sich als „nicht transportfähig“.

Zunächst wies er auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf Selbstbeschädigung des Patienten hin. Denn wenn sich der Behandler über die Bindungswirkung des Patientenwillens hinwegsetzen würde, wäre das Körperverletzung. Mit einem Auszug aus dem Buch „Was Therapeuten falsch machen – 50 Wege Ihre Klienten zu vergraulen“ von B. Schwartz und J. V. Flowers betonte er, dass direktives Verhalten gegenüber resistenten Patienten das Problem verschlimmere. Fotos von blutigen Fußspuren in Patientenzimmern direkt nach der OP unterstützten sehr eindrücklich das Zitat von G. Engels „Was belastet werden kann, wird belastet“. Dann sprach er das Prinzip der Gegenübertragung des Scheiterns auf die Therapeuten an, welches in Ratlosigkeit, Entsetzen, Zynismus „Dick, doof, Diabetes“ oder Aggression münden könne. Zum Schluss gab er Ratschläge wie Behandelnde auf medizinischer und menschlicher Ebene am besten Patienten mit Diabetischen Fußsyndrom betreuen sollten. Medizinisch verwies er klar auf die Leitlinien und gab ein paar Faustregeln mit. Vor allem müssten die Bretter am Fußende der Patientenbetten entfernt werden, um das Entstehen von Ischämiezonen durch Druck zu vermeiden. Menschlich wäre es besonders wichtig, keine Ausdrücke der Militärmedizin, wie „Der Patient verweigert“ zu verwenden.

Zusammenfassend erklärte Alexander Risse man solle sich nicht an dem Patienten verkämpfen oder verzweifeln und sich nicht seinen eigenen Fantasien hingeben, Patienten würden sich normgerecht verhalten. Anstatt sich „kursiv“ gegenüber dem Patienten zu verhalten, solle man sich lieber zurücklehnen. Dafür erntete er lautstarken Applaus.

Josefine Schmüdderich

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