Glukagon nasal oder als Minidosis – der neue Begleiter für alle Lebenslagen von Typ-1-Diabetikern?

Neben den verschiedenen technischen Geräten, die ein Typ-1-Diabetiker ständig bei sich führt, gibt es einen weiteren treuen Begleiter: den Traubenzucker. Er stellt das Mittel der Wahl dar, um Hypoglykämien frühzeitig und schnell entgegenzuwirken. Sollte es sich um eine sehr schwere Hypoglykämie handeln, ist die präklinische intramuskuläre Injektion von Glukagon von Bedeutung. Prof. Meissner (Universitätsklinik Düsseldorf) stellte Studien zu vielversprechenden Alternativen zur Behandlung der Hypoglykämien vor.

Zunächst widmete er sich der nasalen statt intramuskulären Glucagongabe: Die Studie „Glucagon Nasal Powder: A Promising Alternative To Intramuscular Glucagon In Youth With Type 1 Diabetes“ (Sherr et al.) zeigte, dass auch die nasale Anwendung von 2-3 mg Glukagon nach 30min bei allen Probanden die Hypoglykämie beseitigen konnte. Als Nebenwirkungen traten besonders nasale Schmerzen, tränende Augen und Kopfschmerz auf. Aber bereits nach einer Stunde hatten sich 60% dieser Beschwerden zurückgebildet.

Das Paper „Faster Use and Fewer Failures with Needle-Free Nasal Glucagon Versus Injectable Glucagon in Severe Hypoglycemia Rescue: A Simulation Study“ (Yale et al.) beleuchtete die Anwenderfreundlichkeit von nasalem Glukagon für Betreuungspersonen und Angehörige von Typ-1-Diabetikern. Bei Hypoglykämien griffen in dieser Studie bei 31 Vorfällen nur 11 Hilfspersonen zur Glukagonspritze, von diesen 11 Gaben wurden nur zwei korrekt durchgeführt. Das nasale Glukagon schien eine geringere Hemmschwelle zu haben. Alle nutzten es und in 29 von 31 Fällen erfolgte diese Nutzung auch korrekt. Die große Mehrheit der Betreuungspersonen und Angehörigen gab an, das nasale Glukagon zu bevorzugen. Nasales Glukagon scheint, so Prof. Meissner, also eine interessante Alternative zur intramuskulären Injektion darzustellen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, die in der Schule meist von wenig medizinisch ausgebildetem und dadurch unsicherem und ängstlichem Personal umgeben sind.

Anschließend widmete Prof. Meissner sich der Frage, ob eine Mini-Dosis Glukagon bei leichten Hypos anstelle von schnell wirksamen Kohlenhydraten sinnvoll sein könnte.

In “Efficacy and Safety of Mini-Dose Glucagon for Treatment of Nonsevere Hypoglycemia in Adults With Type 1 Diabetes” (Haymond et al.) wurde dies im Crossover-Design an 20 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes getestet. Bei Hypoglykämien zwischen 50-69 mg/dl nahmen sie entweder Traubenzucker zu sich oder injizierten 150µg Glukagon. In beiden Gruppen konnten die Hypoglykämien gleich schnell und erfolgreich behandelt werden. Die Glukagoninjektion war mit Injektionsschmerz verbunden, weshalb vier Probanden diese Methode in Zukunft nicht nutzen würden. Nach drei Wochen entschlossen sich aber dennoch 40% der Probanden dafür, dass diese Methode für sie das Mittel der Wahl wäre, besonders deshalb, weil sie keine zusätzlichen Kohlenhydrate zu sich nehmen müssten.

Auch für Sportler könnte die Mini-Dosis Glukagon relevant sein. „Mini-Dose Glucagon as a Novel Approach to Prevent Exercise-Induced Hypoglycemia in Type 1 Diabetes” (Rickels et al.) verglich verschiedene Möglichkeiten, Hypoglykämien beim Sport zu verhindern. Die Mini-Dosis Glukagon erhöhte dabei moderat den Blutzucker, ohne aber Hyperglykämien zu verursachen. Fraglich bleibt dabei aber die praktische Umsetzbarkeit von Injektionen während des Sports.

Die nasale Applikation von Glukagon oder aber die Injektion einer Mini-Dosis scheinen also interessante theoretische Ansätze zu sein, deren Zielgruppen und Alltagsanwendbarkeit noch zu definieren sind. Auch sollte bedacht werden, dass es bislang keine Daten zu einer möglichen Antikörperbildung bei häufiger Nutzung von Glukagon gibt

Mia Jördening

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.