Diabetes und Schwangerschaft – nach wie vor ein kompliziertes Paar

Diabetische Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie und diabetischer Fuß – dies sind die klassischen, allseits bekannten Komplikationen eines schlecht eingestellten Diabetes. Aber wie sieht das Ganze in der Schwangerschaft aus?

Diabetesassoziierte Komplikationen in der Schwangerschaft können im Extremfall bis zum intrauterinen Fruchttod führen. Einen Einblick in diese spannende und aktuelle Thematik konnte uns PD Dr. med. Tanja Groten am Freitag beim DDG-Kongress 2019 geben.

Anfangs ein paar Zahlen: Laut der WHO beträgt die perinatale Sterblichkeit in Entwicklungsländern ganze 3%, in Industrienationen ca. 0,3%. Diese Rechnung wurde jedoch ohne den Diabetes gemacht: bei Patientinnen mit einem Typ-1-Diabetes liegt die perinatale Todesrate für das Kind bei weltweit 1-2%, also fast 10-mal so hoch! Woran liegt das? Hat vielleicht die Plazenta etwas damit zu tun?

Tatsächlich konnten in Plazenten von Patientinnen mit Diabetes (Sowohl Typ 1, 2 als auch GDM) eine vermehrte Angiogenese, Inflammation und oxidativer Stress nachgewiesen werden. Außerdem war die Sauerstoffsättigung im Nabelschnurblut bei gleichem pH im Vergleich zu gesunden Schwangeren erniedrigt, Glucose und Lactat waren erhöht.

Aber ist das schon alles? Welche Mechanismen führen bei prä- und perinatalen Komplikationen letztendlich zum Tod des Kindes?

Maßgeblich beteiligt sind eine Hypoxie durch die plazentare Vaskulopathie sowie eine mütterliche Ketoazidose, welche beim Feten ebenfalls zu einer Azidose führt. Hier ist es wichtig zu wissen, dass 1/3 der diabetischen Ketoazidosen in der Schwangerschaft euglykämisch verlaufen, also nicht mit einer Hyperglykämie einhergehen. Letale Folgen beim Kind werden dann meist durch Elektrolytverschiebungen durch obige Vorgänge und letztendlich Herzrhythmusstörungen verursacht.

Um einen solchen dramatischen Ausgang zu verhindern, gilt es bei Risikopatientinnen besonders auf eine gute Blutzuckereinstellung zu achten und bei den Leitsymptomen Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen in der Schwangerschaft auch immer an eine Ketoazidose zu denken und entsprechende Diagnostik und Therapie einzuleiten. Nur so können zukünftig Kinder schwangerer Diabetikerinnen auch in einer komplizierten Stoffwechselsituation gesund und sicher das Licht der Welt erblicken.

Dorine Hamann

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