Der multimorbide Patient – Diabetologie und Kardiologie Hand in Hand

Vormals ausschließlich der Diabetologin und dem Diabetologen zur Verfügung stehende Medikamente nehmen zunehmend Einzug in die medikamentöse Therapie kardiologischer Patientinnen und Patienten, auch unabhängig einer diabetologischen Vorerkrankung. Wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Austausch zwischen beiden Fachdisziplinen und womöglich sogar die Etablierung einer neuen Fachrichtung, des „kardio-metabolischen Diabetologen“ ist, wurde anschaulich von Frau Professor K. Schütt sowie Herrn Professor S. Jacob aufgezeigt. 

Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko und dessen Pathogenese im Rahmen eines Diabetes mellitus sind schon lange und hinreichend bekannt. Dabei wird zunächst an makrovaskuläre Folgeerkrankungen, wie die KHK gedacht. Daneben haben Menschen mit Diabetes aber auch ein 2,5-fach erhöhtes Risiko eine Herzinsuffizienz zu entwickeln im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes. Das bedeutet, dass circa drei von zehn Patienten im Laufe ihrer Diabetes-Karriere eine Herzinsuffizienz entwickeln werden.

Umso wichtiger erscheinen die Erkenntnisse der DAPA-HF und EMPEROR-reduced Studien, dass die SGLT-2-Inhibitoren Dapagliflozin und Empagliflozin nicht nur zu einer verbesserten glykämischen Kontrolle beitragen, sondern auch signifikant das Risiko eines kardiovaskulären Todes und der Hospitalisierungsrate von Patienten mit Herzinsuffizienz bieten. Dabei ist es interessant, dass auch unabhängig von einem zugrunde liegenden Diabetes mellitus eine Risikoreduktion erreicht werden kann, sodass SGLT-2-Inhibitoren mittlerweile sogar für die Therapie der Herzinsuffizienz unabhängig von einem zugrunde liegenden Diabetes mellitus zugelassen wurden. Dies zeigt wiederum, dass die Prognoseverbesserung der Herzinsuffizienz nicht nur auf einer verbesserten glykämischen Kontrolle beruht. Eine reine HbA1c-Kosmetik zu betreiben ist deshalb laut Professor Dr. S. Jacob obsolet, vielmehr sollte eine ganzheitliche Sicht auf die metabolische Gesamtsituation des Patienten erfolgen. Anschaulich wurde dies an einem Patientenbeispiel aufgezeigt, welches wir so täglich sehen. Dabei wurde klar, dass eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Diabetologen und Kardiologinnen und Kardiologen unumgänglich ist. Möglicherweise sogar in Form eines in beiden Gebieten ausgebildeten kardio-metabolischen Diabetologen als Zukunft der fächerübergreifenden Kooperation.  

Alina Seiler

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