Auf die Plätze, fertig, los – Diabetes reduzieren durch Sport!

Im Rahmen des Diabetes mellitus wird Patienten empfohlen sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Bereits länger ist bekannt, dass die Glukoseaufnahme in die Muskulatur Insulin abhängig erfolgt. Die Bindung an seinen entsprechenden Rezeptor bewirkt die Translokation des Transporters Glut4 in die Skelettmuskelmembran. Dieser Mechanismus stellt den Hauptanteil der postprandialen Blutzuckersenkung dar.
Im Rahmen des Diabetes mellitus Typ 2 wird jedoch infolge der Insulinresistenz weniger Glut4 in die Muskelmembran eingebaut. Wie könnte das verändert werden?
In dem Symposium „Neue Ansätze bei der Prävention durch Sport“ zeigte Herr Dr. Maximilian Kleinert aus München, dass durch körperliche Aktivität eine insulinunabhängige Translokaktion von Glut4 in die Skelettmuskulatur erfolgt – nicht nur bei gesunden Probanden, sondern auch im Rahmen des Diabetes mellitus Typ 2. Nach einer Sporteinheit von ca. 1 Stunde hält dieser Effekt ungefähr 1-2 Tage lang an.
Welche Signalwege diese Translokaktion ermöglichen, ob die Wirkung dosisabhängig mit der sportlichen Aktivität steigt und auch ob andere Gewebe auf ähnliche Weise von diesem Mechanismus profitieren sind spannende Ausblicke auf die weitere Forschung.

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Curing Diabetes – dream or reality?

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, geht es Ihnen wahrscheinlich ähnlich wie mir. Als ich den Titel bzw. diese Frage im Programm fand, war ich sofort interessiert. Wie weit sind wir eigentlich in der Heilung eines Diabetes? Ist eine Heilung überhaupt möglich? Da ich spontan keine Antworten auf diese Fragen fand, beschloss ich, die Session zu besuchen und mir die vier Vorträge der internationalen Experten zu diesem Thema anzuhören.

Zunächst ist es unerlässlich den Begriff „Curing Diabetes“ zu definieren. Laut Statement der American Diabetes Association spricht man von einer Heilung, wenn eine komplette Remission des Diabetes mit normoglykämischen Werten und ohne pharmakologische Therapie über mindestens 5 Jahre vorliegt.

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Insulinpumpe oder ICT in der Schwangerschaft?

Die Schwangerschaft einer Typ-1-Diabetikerin birgt Risiken für die Mutter und das ungeborene Kind. Um Komplikationen wie kongenitaler Fehlbildungen und perinataler Mortalität vorzubeugen, ist die präkonzeptionelle Stoffwechselstabilisierung (HbA1c <6.5%) einer Typ-1-Diabetikerin sowie ein stabiler Glukosestoffwechsel der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft essenziell. Dabei stellt sich die Frage, ob auf technische Innovationen wie Insulinpumpen gesetzt werden sollte.

Insbesondere die Industrie wirbt dabei mit Vorteilen, wie einer stabileren Stoffwechseleinstellung, verbesserten Nüchtern-Glukosewerten, verminderten Hypoglykämien sowie einer höheren Flexibilität im Alltag für eine sorglose Schwangerschaft. Aus der Literatur geht hingegen kein Vorteil der Insulinpumpe gegenüber einer intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) bzgl. der Optimierung der Glukosekontrolle und dem neonatalen Outcome hervor. Im Gegenteil: Die Literatur zeigt eine höhere LGA-rate der Neugeborenen von Müttern, die eine Insulinpumpe nutzen. Ursache hierfür ist eine höhere Gewichtszunahme in der Schwangerschaft bei Typ-1-Diabetikerinnen, die über eine Insulinpumpe eingestellt sind.

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Closed-loop-Systeme: nur mit hohem Schulungsaufwand und das ist auch gut so!

Als junge Assistenzärztin in einer Kinderklinik mit einer Diabetesstation in Nordrhein-Westfalen interessierte mich das Symposium „Von CGM und SUP zum closed loop“. Ich sehe, wie viele Kinder aus unserer Klinik von den Continuous Glucose Monitoring (CGM)-Systemen und den Insulinpumpen profitieren. Der großen Frage „Wann kommt die künstliche Bauchspeicheldrüse?“ ist Dr. T. Danne aus Hannover nachgegangen.

Zu Beginn des Symposiums stellte Dr. R. Holl die Studie HypoDe vor. In dieser konnte gezeigt werden, dass die Nutzung von CGM Hypoglykämien um ca. 2/3 reduziert. Er zeigte auch, dass der Anteil der Patienten mit Pumpentherapie in den letzten Jahren rasant gestiegen ist, gerade in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Der Anteil der Patienten mit Insulinpumpe bei Kinder <5 Jahren liegt aktuell bei ca. 90%. Auch der Anteil der Patienten mit CGM liegt zwischen 50-70% in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen.

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Diagnose Diabetes – „Ist doch nichts dabei!“

„Diabetes und Depression – immer noch eine unheilvolle Kombination“ – unter diesem Titel wurden die diesjährigen Beiträge zum Thema Depression als eine sehr häufig vorkommende Komorbidität des Diabetes vorgestellt. Herr Dr. Bernhard Kulzer formulierte in meinen Augen sehr treffend, dass betroffene Patienten häufig medizinisch eingestellt und im Anschluss mit ihrer Diagnose auf sich allein gestellt in den Alltag entlassen werden. Was hierbei leider immer noch zu sehr in den Hintergrund rückt, jedoch sehr präsent ist, sind die psychosozialen Belastungen rund um die Diagnose Diabetes, die viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen.

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Adipositas als Gehirnerkrankung?

Die für mich wohl prägnanteste Aussage der Paul-Langerhans-Vorlesung war: „Adipositas als Gehirnerkrankung“. Hierbei war oft von einer Insulinresistenz im Gehirn der adipösen Menschen die Rede. Dies ist ein Zusammenhang, der mir als Medizinstudent im klinischen Abschnitt vorher nicht geläufig war. Anscheinend ist die Lehre an den Universitäten noch nicht an diesen Punkt gelangt.

Die Preisträger des diesjährigen DDG-Kongresses Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp (Paul-Langerhans-Medaille) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preis) referierten über ihre jeweiligen aktuellen Forschungsergebnisse.
Neben guter Rhetorik und spannenden Aussichten auf zukünftige Forschung bleibt dabei vor allem eines hängen: Adipositas scheint unter anderem eine Erkrankung des Gehirnes zu sein und hieraus ergeben sich neue potenzielle Möglichkeiten der Therapie. Ob man damit die sogenannte „Adipositasepidemie“ eindämmen kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Weiterhin stelle ich mir nun die Frage, ob zukünftig die Diabetologen in enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und Psychiatrie an diesen Themen arbeiten.

Mit Sicherheit kann ich aber aus meiner Sicht behaupten, dass die beiden prämierten Forscher an diesem Freitag zeigten, warum sie die Auszeichnungen der DDG verdient haben. Abschließend kann man also sagen, dass die Preisverleihung/Paul-Langerhans-Vorlesung ein definitives Highlight des DDG-Kongresses 2019 darstellt und einen Ausblick gibt auf kommende Forschung und damit auch Lehre.

Maximilian Hopf

Alltag im Ausnahmezustand – Auswirkungen des Typ-1-Diabetes auf Familien und Perspektiven in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus

In unserer modernen, von Wissenschaft und vornehmlich rationalen Entscheidungen geprägten Welt ist es Standard, nichts mehr dem Zufall zu überlassen. In vielen Kreisen ist es en vogue vor der Schwangerschaft durch einen der vielen online Anbieter mittels Speichelprobe eine Genomanalyse durchzuführen. Diese versprechen mögliche Erbkrankheiten oder genetische Prämutationen, die den Nachwuchs betreffen könnten, aufzudecken. Junge Eltern wähnen sich so in trügerischer Sicherheit, wenn die Erkrankungsrisiken von Trisomie 21 oder Mukoviszidose in beruhigend niedrigen Wahrscheinlichkeiten auf Papier gebannt sind.

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Einbahnstraße Typ-2-Diabetes?

Symposium: Curing diabetes – dream or reality

Weltweit ist die Prävalenz von Typ-2-Diabetes stark zunehmend, ebenso sein größter Risikofaktor: Fettleibigkeit. Gewichtsabnahme gilt daher als wichtiges Mittel, der Erkrankung vorzubeugen und ein Fortschreiten zu verhindern. Die Effekte gehen wohl aber noch darüber hinaus, wie kürzlich veröffentlichte und auf dem DDG-Kongress vorgestellte Daten zeigen:

Unter der Federführung von Prof. Roy Taylor und Prof. Michael Lean konnte im Rahmen der „Direct“-Studie bei 149 übergewichtigen Patienten (BMI 27-45 kg/m2) mit Typ-2-Diabetes gezeigt werden, dass sich über eine radikale Gewichtsabnahme von 10 kg Körpergewicht bei knapp jedem zweiten Patienten eine Remission erreichen lässt. Beträgt der Gewichtsverlust 15 kg, tritt sogar in 89% der Fälle eine Remission ein (Lean et al., Lancet 2018 Feb; 391:541-551). Unter Remission wird dabei eine Senkung des HbA1C unter 6,5% verstanden, dies ohne jede pharmakologische Diabetesmedikation. Bei den kürzlich veröffentlichen 2-Jahres-Daten war jeder dritte Patient weiterhin in Remission (Lean et al., Lancet Diabetes Endocrinol. 2019 May; 7(5):344-355) , was die Bedeutung einer Lebensstiländerung für die Therapie des Typ-2-Diabetes unterstreicht. Je früher nach Erstdiagnose dabei das Gewicht gesenkt werden kann, desto eher ist die harte Arbeit von Erfolg gekrönt. Ein „zu spät“ gibt es dabei jedoch nicht. Auch viele Jahre nach Diagnose ist eine Remission noch erreichbar.

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CGM ab Erstmanifestation – oder: “Je früher, desto besser?“

Aufgrund der Vielzahl spannender Themen auf dem Kongress war es gar nicht so einfach, sich für ein Thema für den Blog zu entscheiden. Daher habe ich mich entschieden über eine Behandlungsstrategie zu bloggen, die ich persönlich seit ungefähr 1,5 Jahren nutze: die kontinuierliche Glukosemessung (rt- und iscCGM). Zum Zeitpunkt meiner Diagnose vor ungefähr 20 Jahren war daran noch gar nicht zu denken. Doch die CGM gewinnt zunehmend an Stellenwert in der Behandlung (vorrangig) des Diabetes Typ 1 (T1D). Dies wirft die Frage auf: Ab welchem Zeitpunkt sollte dieses System in der Therapie eingesetzt werden?

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1921 bis 2019 – bleibt Insulin die einzig sinnvolle Therapie des Typ-1-Diabetes? Eine Diskussion über SGLT2-Inhibitoren als Therapieerweiterung

1921 entdeckten Frederik Banting und Charles Best das Hormon, um das sich heute so viel dreht: das Insulin. Wie vielfältig die Wirkung und der Einfluss auf unseren Stoffwechsel sind, war da noch nicht klar. Dennoch ist es ein Durchbruch in der Diabetesforschung und die erste ‚echte Therapie‘ für tausende Diabetiker. Bis heute. 

Wie kann es sein, dass innerhalb von fast 100 Jahren Insulin die einzige Therapie für Typ-1-Diabetes bleibt? Oder ist es vielleicht gar nicht so aussichtlos, wie es klingen mag? 

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