Catch me if you can – GDM und wie eine zuverlässige Nachsorge aussehen könnte

Von der Diagnose des Gestationsdiabetes (GDM) über die Risikosenkung durch das Stillen und den Transgenerationenzyklus. Das waren die Schlagwörter im Rahmen des Symposiums zum Thema „Diabetesprävention nach GDM“ der 55. Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2021, welches mich nachhaltig beeindruckt hat.

Die Themen des Symposiums machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Frauen mit GDM eine sorgfältige Nachsorge bekommen, um mögliche Spätfolgen und Risiken einzudämmen. In dem Vortrag von Dr. med. Heinke Adamczewksi wurde deutlich gemacht, dass ein 7-fach erhöhtes Diabetesrisiko in den Jahren nach GDM besteht (Song et al., 2018). Damit einhergehend verdoppelt sich das Risiko für Koronarkalk (Gunderson et al., 2021), wie eine Studie aus den USA gezeigt hat.

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Reden wir mal über Endokrine Disruptoren

Wir wissen alle nur zu gut, dass sich die Prävalenz für Typ-2-Diabetes (T2D) in den letzten Jahrzehnten verzehnfacht hat und dass unsere Ernährungsweise und das dauerhafte Rumgesitze nicht gerade von Vorteil sind. Worüber aber kaum gesprochen wird, sind die vielen weiteren Faktoren in unserem alltäglichen Leben, die kumulativ doch eine ziemlich große Rolle spielen können. Im Jahr 2015 wurde das erste Mal notiert, dass die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt und zwei Drittel der Menschen mit Typ-2-Diabetes in städtischen Regionen wohnhaft sind. Eine Ansammlung von Menschen hat nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt, sondern andersrum genauso.

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Ernährungsmedizin als Wendepunkt im Kampf gegen Diabetes mellitus und den Klimawandel?

Ernährungsmedizin und die Forschung in diesem Feld gewinnen zunehmend an Bedeutung und stellen einen neuen Ansatzpunkt in der modernen Medizin dar, da laut der Global Burden of Disease Study der Lebensstil für den weltweiten Inzidenzanstieg der sogenannten „Noncommunicable Diseases“ (NCDs), wozu Diabetes mellitus Typ 2 zählt, verantwortlich ist. Als bisher umfassendste weltweite epidemiologische Beobachtungsstudie kommt ihr im Kampf gegen die NCDs eine Schlüsselrolle zu (Global Burden of Disease Study 2020).

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Alle Jahre wieder…

Was beim Impfen von Menschen mit Diabetes nicht vergessen werden darf

Pflichtbeitrag im Rahmen des Reisestpendiums der DDG zur Herbsttagung 2019 in Leipzig, verfasst von Konrad Didt

Alle Jahre wieder ist auch auf der Nordhalbkugel Grippe-Saison. Der hoch ansteckenden und teils lebensbedrohlichen Viruserkrankung sei bis heute nur mit einer ausreichenden Impfung der Bevölkerung beizukommen, so Prof. Dr. Wolfgang Pfister, Facharzt für Mikrobiologie in Jena. Zur Vortragsreihe „Diabetes und Hygiene“ während der Herbsttagung der DDG stellte er anhand von mehreren aktuellen Beispielerkrankungen dar, dass Menschen mit Diabetes eine besondere Sorgfalt beim Impfen zukommen muss. So falle diese Patientengruppe laut den Empfehlungen der STIKO in die Kategorie der zu Impfenden mit Stoffwechselstörungen und dies habe für die Einhaltung des Impfkalenders teils erhebliche Unterschiede zur Folge, die Beachtung finden müssten. Als konkretes Beispiel lieferte Pfister bei der Indikationsimpfung gegen Herpes Zoster die Vorverschiebung des Impfalters von 60 auf 50 bei bestehendem Diabetes mellitus. Gemessen an der Prävalenz sowohl des Diabetes als auch der Gürtelrose ist dieser kleine Fakt bereits von ungeheuerer Relevanz wegen der schieren Anzahl an vermeidbaren Krankheitsfällen und Spätkomplikationen wie der Post-Zoster-Neuralgie. Diese und weitere wichtige Informationen aus dem Vortrag wären bestimmt auch für andere interessant gewesen, jedoch hatte die Vortragsreihe das schwere Los gezogen, am Ende der Herbsttagung zu stehen, so dass nur wenige ihr beiwohnen konnten. Ich wünsche mir daher, dass auch bei künftigen Veranstaltungen der DDG das Thema Hygiene präsent ist!

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Grünes Licht für gesunde Ernährung?!

Es ist allseits bekannt, dass die Flut an Diabetes größten Teils dem ständigen Überangebot an Nahrung geschuldet ist. Die Wahrnehmung hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert, doch noch immer gibt es keine eindeutige Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel und das erlaubt weiterhin viele Schlupflöcher für Zuckerfallen. Barbara Bitzer gab auf dem Deutschen Diabetes Kongress einen erschreckend interessanten Einblick in die aktuelle Ernährungspolitik. Um gezielt gesunde Ernährung umzusetzen, werden in vielen Ländern Nährwertkennzeichnungen eingeführt, wie z.B. der Nutri-Score.

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Ein Herz für die Diabetologie – Vielfalt (Er)leben

Präzisionsmedizin und individualisierte Medizin werden heute großgeschrieben. Klar bleibt jedoch, dass individualisierte Medizin nur dann existieren kann, wenn hierfür interdisziplinär Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu gehört nicht nur das Eingeständnis, dass man andere Fachdisziplinen braucht, sondern auch ein ständiger Realitätscheck: Medizin fließt, ist keine Einbahnstraße und zwischen ihr und der Wissenschaft stehen manchmal unsere eigene Biases. All diese Punkte waren beim diesjährigen Diabetes-Kongress der DDG präsent: Die Devise “Diabetologie ist ein jung gebliebenes und vielfältiges altes Fach” zog sich durch die gesamte Veranstaltung.

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Eine neue Dimension der Diabetes-Forschung

In Zeiten der künstlichen Intelligenz (KI), dem Internet of Things und Big Data verschmilzt auch die Medizin immer mehr mit der Digitalisierung. Im Rahmen des Symposiums „Innovative Diabetesforschung und zukunftsfähige Versorgung – Diabetologie 4.0?!“ wurde versucht dieser Entwicklung mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Durch riesige Datenbanken in Kombination mit Algorithmen wäre es besser möglich einen sogenannten „pre-disease state“ bei Diabetes mellitus molekular zu identifizieren und genau hier zu intervenieren; ein unglaublicher Benefit sowohl für PatientInnen, als auch das Gesundheitssystem, welches aufgrund der stark steigenden Inzidenz dieser Erkrankung vor immer mehr Herausforderungen gestellt wird.

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Antidiabetika in der kardiovaskulären Prävention

Im Rahmen der Session „Neue Superheldinnen und Superhelden in der kardiovaskulären Prävention?“ beleuchtete Herr Professor Marx (Uniklinik RWTH Aachen) die Evidenz für die medikamentöse Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 hinsichtlich dessen Nutzen für die kardiovaskuläre Prävention.

Zunächst wurden einige ältere Outcome-Studien zur intensivierten gegenüber konventioneller Glukose-senkenden Therapie angeführt, welche die Basis für die für jeden Patienten individualisierte Therapie des Diabetes legten.  Die damaligen Empfehlungen der American Diabetes Association von 2015 zeigten vom kardiologischen Standpunkt aus noch keine Präferenz für eine bestimmte Medikamentenklasse. Nun wurden die von der FDA geforderten kardiovaskulären Sicherheitsstudien besprochen, beispielhaft zu den DDP-IV Inhibitoren, welche auch bei Hochrisikopatienten mit Diabetes keine negativen (aber auch keine positiven) Auswirkungen auf harte kardiovaskuläre Endpunkte (Major Adverse Cardiac Events) gezeigt haben.

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Diabetes in der Schwangerschaft – eine komplizierte Situation!

AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG

Die richtige und evidenzbasierte Behandlung von Diabetes in der Schwangerschaft wurde auf dem Diabetes Kongress 2019 sehr effektiv diskutiert und vorgestellt.Sehr wichtige Fragen, wie „Insulinpumpe oder ICT in der Schwangerschaft?“ (Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf) wurden beantwortet. Themen, die häufig mit der klinischen Routine zu tun haben, wie z.B. Sonderformen des Diabetes mellitus und das erhöhte Risiko eines intrauterinen Tods bei Schwangeren mit Diabetes, wurden ausführlich und gleichzeitig verständnisvoll erklärt. Eine Insulinpumpentherapie kann von großem Vorteil für eine Schwangere mit Diabetes sein. Dieses Therapie-Konzept und eine mögliche, problemlose Umstellung von einer anderen Therapie wurden mit Patientenfällen detailliert beschrieben. Auf der anderen Seite sollte man die Tatsache nicht übersehen, dass eine ICT-Therapie mit enger Betreuung der Patientin genauso gute Ergebnisse haben kann, wie einer Insulinpumpentherapie. Daher werden beide Therapiestrategien seitens der Experten empfohlen.   Sehr interessant war ebenfalls der Vortrag „MODY & Sonderformen in der Schwangerschaft: Wie diagnostizieren, wie behandeln?“ (PD Dr. Robert Wagner). Leider sind hier viele ÄrztInnen nicht ausreichend sensibilisiert, was das Erkennen dieser Diabetesformen, die nicht dem Typ 1 oder 2 gehören, betrifft. Allerdings ist es von großer Bedeutung solche Diabetesformen in der Schwangerschaft früh zu erkennen und entsprechend zu behandeln. „Intrauteriner Fruchttod bei Diabetes und Schwangerschaft – Ein immer noch aktuelles Thema“ (PD Dr. Tanja Groten):Frauen die Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für intrauteriner Tod, verglichen mit gesunden Schwangeren. Eine enge Kooperation zwischen Gynäkologen, Diabetologen und der Patientin sollte auf jeden Fall ab Beginn der Schwangerschaft bestehen. Richtige Ernährung, Vermeiden einer exzessiven Gewichtsabnahme, oGTT in der 24-26ste SWW und regelmäßige Kontrolle der Vitalzeichen des Fetus können das Risiko für einen intrauterinen Tod deutlich minimieren. „Welche Frau mit Diabetes sollte nicht schwanger werden?“ (PD Dr. Martin Füchtenbusch)Frauen sollten darauf achten, dass ein nicht gut eingestellter Diabetes mellitus, eine absolute Kontraindikation für eine Schwangerschaft ist. Deutlich erhöhte HbA1c-Werte, erhöhter Blutzuckerspiegel oder eine schwere Adipositas kombiniert mit einem nicht effektiv therapierten Diabetes mellitus sind katastrophale Bedingungen für die optimale Entwicklung einer Schwangerschaft. Deswegen sollten unbedingt Gesundheitsprobleme, wie ein bestehender Diabetes mellitus oder bestehende arterielle Hypertonie sehr gut eingestellt sein, bevor die Entscheidung für eine Schwangerschaft getroffen wird.   Efstratios Kardalas

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Diabetes und KHK: Fallstricke in der kardiovaskulären Risikoreduktion bei Diabetes mellitus

Dass der kardiovaskulären Risikoreduktion bei Patienten mit Diabetes mellitus ein zentraler Stellenwert zukommt, ist wissenschaftlich unangefochten. Noch immer stellen kardiovaskuläre Ereignisse die Haupttodesursache unter Diabetikern dar. In der klinischen Praxis wird die Prävention solcher Ereignisse jedoch oftmals vernachlässigt bzw. schlichtweg nicht adäquat durchgeführt. Und dies liegt nicht etwa an einem Mangel an wissenschaftlich fundierten Leitlinien (denn diese existieren sehr wohl), sondern vor allem in der oftmals verharmlosenden Handhabung kardiovaskulärer Risikofaktoren durch die Behandler. Was diese bagatellisierende Haltung für die Compliance und Therapieadhärenz der Patienten bedeutet, kann sich ein jeder leicht ausmalen…

Im Rahmen des Symposiums „Herzinsuffizienz und Diabetes: Neue Mechanismen und klinische Bedeutung“ wiederholte Prof. Dr. med. Nikolaus Marx von der RWTH Aachen während seines Vortrages „Praxisempfehlungen der DDG zu Diabetes und KHK“ mantraartig die Kernaussage dieser Sitzung: „Diabetiker haben per se ein hohes bzw. sehr hohes kardiovaskuläres Risiko!“. Der kardiovaskulären Risikoreduktion kommt in der Diabetologie somit immer eine zentrale Bedeutung zu.

Die Ansatzpunkte zur Modifikation der Risikofaktoren sind vielfältig – und viel wichtiger: therapeutische Möglichkeiten hierfür sind vorhanden. Deshalb sollten sie auch zum Einsatz kommen! Die Senkung des LDL-Cholesterins durch Statine als Eckpfeiler der Risiko-Modifikation oder die Trombozyten-Aggregations-Hemmung durch ASS sind als zentrale Elemente zu nennen. Von Letzterer profitieren die Patienten aber nur in der Sekundärprävention. In der Primärprävention soll ASS aufgrund einer signifikant erhöhten Blutungsrate nicht eingesetzt werden. Ein weiterer Fallstrick, der zum Verhängnis werden kann (und dies oft auch wird) und den wir als Behandler möglichst umgehen sollten.

Dass für an Diabetes mellitus erkrankte Menschen andere Grenzwerte in der Therapie der arteriellen Hypertonie heranzuziehen sind, als für Stoffwechselgesunde, lernt jeder angehende Mediziner bereits im Studium. Dass diese zudem strenger sind, ebenfalls. Dieses für eine angemessene kardiovaskuläre Risikoreduktion bei Diabetikern essenzielle Wissen scheint bis zur Approbation als Arzt jedoch häufig nicht zu überdauern und schlichtweg wieder in Vergessenheit zu geraten. Diese Erfahrung schien auch für Prof. Dr. med. Roland Schmieder aus Erlangen Anlass zu sein, in seinem Vortrag zur antihypertensiven Therapie bei Diabetes mellitus den strengeren RR-Zielbereich nochmals mit Nachdruck in Erinnerung zu rufen. Zudem betonte er, dass bei neudiagnostizierten Hypertonie-Patienten – entgegen weit verbreiteter klinischer Praxis – von Anfang an immer eine Kombinations-Therapie durchgeführt werden sollte.

Auch die Anwendung von SGLT2-Inhibitoren, die in den vergangenen Jahren aufgrund Ihrer nachweislich kardioprotektiven Wirkung hohe Erwartungen weckten, wurde während des Symposiums thematisiert. Kernaussage hier: Patienten mit Diabetes mellitus profitieren bei manifester ASCVD vom Einsatz von SGLT2-Inhibitoren, nicht aber beim bloßen Vorhandensein multipler kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Wir sehen: es gibt vielfältige Möglichkeiten das kardiovaskuläre Risiko unserer Diabetes-Patienten (positiv!) zu beeinflussen und somit zu reduzieren. Grundlegend hierfür ist jedoch sich dieses generell erhöhten Risikos bewusst zu sein und dieses auch ernst zu nehmen. Nur wenn es uns gelingt unseren Patienten die enorme Wichtigkeit dieser präventiven Maßnahmen vor Augen zu führen, können wir Akzeptanz hierfür erzeugen und eine intrinsische Motivation erwecken beeinflussbare kardiovaskuläre Risikofaktoren nachhaltig zu optimieren – zum Wohle unserer Patienten.

Julian Cron