Von Gabeln zum (Aus-)Löffeln

Mit einer Gabel Suppe essen und die gebündelte Kraft dann nutzen, den besten Fleckenentferner zu entwickeln.

Frustriert und hoffnungslos – so habe ich mich letztes Jahr gefühlt, als ich gesehen habe, wie gering der Stellenwert der Prävention in der Arbeit der DDG zu sein scheint. Ich verfasste im Zuge meines Reisestipendiums einen Blogbeitrag, der einen (zugegebenermaßen schlechten) Vergleich der Inzidenz von Diabetes mellitus mit einer sehr schönen Stadt Westdeutschlands zog. Ich wollte so meine Enttäuschung in Wort fassen.

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Diagnose Diabetes – „Ist doch nichts dabei!“

„Diabetes und Depression – immer noch eine unheilvolle Kombination“ – unter diesem Titel wurden die diesjährigen Beiträge zum Thema Depression als eine sehr häufig vorkommende Komorbidität des Diabetes vorgestellt. Herr Dr. Bernhard Kulzer formulierte in meinen Augen sehr treffend, dass betroffene Patienten häufig medizinisch eingestellt und im Anschluss mit ihrer Diagnose auf sich allein gestellt in den Alltag entlassen werden. Was hierbei leider immer noch zu sehr in den Hintergrund rückt, jedoch sehr präsent ist, sind die psychosozialen Belastungen rund um die Diagnose Diabetes, die viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen.

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Adipositas als Gehirnerkrankung?

Die für mich wohl prägnanteste Aussage der Paul-Langerhans-Vorlesung war: „Adipositas als Gehirnerkrankung“. Hierbei war oft von einer Insulinresistenz im Gehirn der adipösen Menschen die Rede. Dies ist ein Zusammenhang, der mir als Medizinstudent im klinischen Abschnitt vorher nicht geläufig war. Anscheinend ist die Lehre an den Universitäten noch nicht an diesen Punkt gelangt.

Die Preisträger des diesjährigen DDG-Kongresses Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp (Paul-Langerhans-Medaille) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preis) referierten über ihre jeweiligen aktuellen Forschungsergebnisse.
Neben guter Rhetorik und spannenden Aussichten auf zukünftige Forschung bleibt dabei vor allem eines hängen: Adipositas scheint unter anderem eine Erkrankung des Gehirnes zu sein und hieraus ergeben sich neue potenzielle Möglichkeiten der Therapie. Ob man damit die sogenannte „Adipositasepidemie“ eindämmen kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Weiterhin stelle ich mir nun die Frage, ob zukünftig die Diabetologen in enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und Psychiatrie an diesen Themen arbeiten.

Mit Sicherheit kann ich aber aus meiner Sicht behaupten, dass die beiden prämierten Forscher an diesem Freitag zeigten, warum sie die Auszeichnungen der DDG verdient haben. Abschließend kann man also sagen, dass die Preisverleihung/Paul-Langerhans-Vorlesung ein definitives Highlight des DDG-Kongresses 2019 darstellt und einen Ausblick gibt auf kommende Forschung und damit auch Lehre.

Maximilian Hopf

Einbahnstraße Typ-2-Diabetes?

Symposium: Curing diabetes – dream or reality

Weltweit ist die Prävalenz von Typ-2-Diabetes stark zunehmend, ebenso sein größter Risikofaktor: Fettleibigkeit. Gewichtsabnahme gilt daher als wichtiges Mittel, der Erkrankung vorzubeugen und ein Fortschreiten zu verhindern. Die Effekte gehen wohl aber noch darüber hinaus, wie kürzlich veröffentlichte und auf dem DDG-Kongress vorgestellte Daten zeigen:

Unter der Federführung von Prof. Roy Taylor und Prof. Michael Lean konnte im Rahmen der „Direct“-Studie bei 149 übergewichtigen Patienten (BMI 27-45 kg/m2) mit Typ-2-Diabetes gezeigt werden, dass sich über eine radikale Gewichtsabnahme von 10 kg Körpergewicht bei knapp jedem zweiten Patienten eine Remission erreichen lässt. Beträgt der Gewichtsverlust 15 kg, tritt sogar in 89% der Fälle eine Remission ein (Lean et al., Lancet 2018 Feb; 391:541-551). Unter Remission wird dabei eine Senkung des HbA1C unter 6,5% verstanden, dies ohne jede pharmakologische Diabetesmedikation. Bei den kürzlich veröffentlichen 2-Jahres-Daten war jeder dritte Patient weiterhin in Remission (Lean et al., Lancet Diabetes Endocrinol. 2019 May; 7(5):344-355) , was die Bedeutung einer Lebensstiländerung für die Therapie des Typ-2-Diabetes unterstreicht. Je früher nach Erstdiagnose dabei das Gewicht gesenkt werden kann, desto eher ist die harte Arbeit von Erfolg gekrönt. Ein „zu spät“ gibt es dabei jedoch nicht. Auch viele Jahre nach Diagnose ist eine Remission noch erreichbar.

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CGM ab Erstmanifestation – oder: “Je früher, desto besser?“

Aufgrund der Vielzahl spannender Themen auf dem Kongress war es gar nicht so einfach, sich für ein Thema für den Blog zu entscheiden. Daher habe ich mich entschieden über eine Behandlungsstrategie zu bloggen, die ich persönlich seit ungefähr 1,5 Jahren nutze: die kontinuierliche Glukosemessung (rt- und iscCGM). Zum Zeitpunkt meiner Diagnose vor ungefähr 20 Jahren war daran noch gar nicht zu denken. Doch die CGM gewinnt zunehmend an Stellenwert in der Behandlung (vorrangig) des Diabetes Typ 1 (T1D). Dies wirft die Frage auf: Ab welchem Zeitpunkt sollte dieses System in der Therapie eingesetzt werden?

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Impfung gegen Typ-1-Diabetes in Sicht?

Am Nachwuchstag wurde die Frage nach Voraussetzungen für eine Diabetesimpfung gestellt. Impfungen sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und haben schon erfolgreich die Prävention verschiedener Krankheiten vorangetrieben. Warum also nicht auch gegen eine chronische Erkrankung wie den Diabetes impfen?

Frau Dr. Carolin Daniel vom Helmholtz Zentrum München stellte die gestörte Immuntoleranz bei Menschen mit Typ-1-Diabetes in den Vordergrund, da bei diesen die Autoimmunität überwiegt. Normalerweise sorgen regulatorische T-Zellen, sog. Tregs, in den verschiedensten Bereichen für die Unterscheidung von körpereigenen und körperfremden Antigenen und somit für eine Immuntoleranz. Bei der Entstehung von Autoantikörpern, wie z.B. beim Diabetes Typ 1, entsteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Autoimmunität ohne dass es zunächst zu klinischen Symptomen kommt.

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5,5 km lange Diabetesprävention

Auf dem diesjährigen DDG-Kongress haben mich besonders die Vorträge zu neuen Ansätzen bei der Prävention von Typ-2-Diabetes Mellitus interessiert. Dominik Pesta hat die Session, moderiert von Alexandra Chadt und Annette Schürmann, mit seiner Präsentation zu der Frage von Responder/Non-Responder eröffnet. Diese wurde durch einen ansprechenden Vortrag von Christina Weigert über die Rolle der Leber bei Diabetesprävention durch Sport ergänzt.

Sie ist zunächst auf die möglichen systemischen Funktionen von Hepatokinen sowie Succinat eingegangen, die durch physische Belastung induziert werden. Neben der Tatsache, dass die Leber bei sportlicher Aktivität transkriptionelle Veränderungen aufweist, reguliert sie die Kompensation von energieüberschüssiger Ernährung bei Personen, die an Typ- 2-Diabetes Mellitus erkrankt sind. Dies basiert auf einer gesteigerten mitochondrialen Respiration, die als O2-Flux in isolierten Mitochondrien der Leber bestimmt wurde. Da die Entnahme von Leberbiopsien für groß angelegte Studie keine Option darstellt, wurden diese Erkenntnisse aus Mausstudien bspw. mittels ipGTT-, Körpergewicht-, Leber-Triglyceridspiegel- und Insulinlevel-Bestimmung gewonnen. Außerdem spielt der dabei einhergehende Anstieg an Succinat eine Schlüsselrolle.

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Praxisdialog Ernährung – rund ums Thema Alkohol, n-3-Fettsäuren und Hafertage

Für Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 ist Ernährung ein wichtiger Grundfeiler in der Therapie. Im Praxisdialog „Ernährung“ ging es um Empfehlungen zum Alkoholkonsum, zu n-3 Supplementen und die Wirksamkeit von Hafertagen.

Wer trinkt nicht gerne mal ein Glas Wein oder Bier? Der durchschnittliche Verzehr der Männer liegt dabei sogar bei 12l Bier/Person/Woche – und liegt damit deutlich über den Empfehlungen von 20g Alkohol/d (Frauen 10g/d). Wie sieht das ganze bei Menschen mit Diabetes mellitus aus? Ein moderater Alkoholkonsum scheint keinen Bezug zum nachfolgenden Blutzucker zu haben. Und bei Hypoglykämien? Der Abbau von Alkohol hemmt die Gluconeogenese (hierfür benötigtes NAD+ – Umwandlung von Malat zu Oxalacetat – wird für den Alkoholabbau in der Leber benötigt). Wird der Alkohol zur Mahlzeit zu sich genommen, muss sich anscheinend keine Sorgen um ein Hyporisiko gemacht werden – bei Nüchternheit hingegen erhöht sich Risiko gering. Glucagon hilft hier nicht! Studien zeigen auch, dass ein moderater Alkoholkonsum (10g Männer; 5g Frauen) positive Effekte auf das Diabetesrisiko hat.

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Diabetes mellitus: Depression und Diabetes Distress

Depression ist eine häufige Komorbidität des Diabetes mellitus: Sie geht mit einer schlechteren Lebensqualität, höheren Gesundheitskosten, einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von diabetesbezogenen Komplikationen und erhöhten Mortalitätsraten einher. Der Vortrag hatte das Motto „Depression und Diabetes – Immer noch eine unheilvolle Kombination“.

Inzidenz einer Depression bei Diabetes Mellitus
Die Heinz-Nixdorf-Recall Studie untersuchte das 10-Jahres-Risiko bei Menschen mit Diabetes (diagnostiziert und nicht diagnostiziert) eine Depression zu entwickeln – verglichen mit Menschen ohne Diabetes. Erklärungsansätze für Komorbidität und longitudinale Studien sind selten, oft mit widersprüchlichen Ergebnissen. Die Ergebnisse der Studie liegen zwar mittlerweile vor, müssen aber noch weiter diskutiert werden. Es scheint allerdings keine erhöhte Inzidenz gegenüber Menschen ohne Diabetes bei baseline zu geben – interessant: dieser Effekt ist bei Männern möglicherweise ausgeprägter.

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Rund um Typ-2-Diabetes

Die 2. Tageshälfte des gestrigen Nachwuchstages befasste sich mit dem Diabetes mellitus Typ 2. Zunächst wurde die Epidemiologie des Diabetes mellitus in Deutschland und Global – insbesondere dessen Inzidenz bis zum Jahr 2040 betrachtet. Erschreckend: Prognosen des Jahres 2003 zufolge sind 2025 333 Mio. Menschen an Diabetes erkrankt. Diese Zahl wurde bereits 2011 mit 366 Mio. Erkrankten deutlich überschritten. Auch wenn ein weiterer Anstieg schwer zu verhindern ist, so kann doch mit der Primärprävention (u.a. durch Hochrisikointervention und Populationsweite Intervention) großer Einfluss auf die Inzidenzrate genommen werden.

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