Mehr als nur Blutzuckersenkung!

Als internistische Assistenzärztin, die in Zukunft als Endokrinologin arbeiten möchte, ist die Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus für mich eine besondere Herausforderung. Dieses Jahr durfte ich als Stipendiatin an der DDG Herbsttagung teilnehmen, dabei war der Vortrag von Dr. Grundner zum Thema „Individuelle Therapie“ für mich besonders informativ.

Ein sehr eindrücklicher Aspekt von Diabetes mellitus, ist die Verkürzung der Lebenszeit, die die Erkrankung zur Folge haben kann. So muss man bei Betroffenen von Diabetes mellitus von einer Verkürzung der Lebenszeit mit bis zu sechs Jahren rechnen. Wenn neben dem Diabetes noch andere Komorbiditäten auftreten, kann dies die Lebenszeit sogar um bis zu zwölf Jahren verkürzen.

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„Nehme ich etwas, was den Pinguinen die Nahrungsgrundlage wegnimmt?“

Auf der diesjährigen DDG-HT besuchte ich ein Symposium der Firma Amarin bezüglich ihres neuen Medikaments Vascepa zur kardiovaskulären Risikoreduktion in einem Hochrisiko-Patientenkollektiv.
Während des Vortrags von Michael Lehrke aus Aachen kam die Frage auf, ob man nicht mit einem Fischöl-Präparat „per Rezeptblock Anweisung gebe, dass wieder ein Stück Meer leer gefischt wird“. Ob es denn nicht möglich sei, in dieser Synthese einen Schritt früher einzusteigen, das Öl direkt aus den Algen zu gewinnen?  

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Stigmatisierung: Eine ernstzunehmende Belastung

“Thoughts about people you didn‘t know you had”, so beginnt Susan Clever, Psychologin in einer Schwerpunktpraxis für Diabetologie in Hamburg, ihren augenöffnenden Vortrag über die Stigmatisierung bei einem Symposium der Diabetes Herbsttagung im November 2021 in Wiesbaden. Zunächst wurden von der Referentin generelle Aspekte der Stigmatisierung beleuchtet, bevor im Verlauf von weiteren Rednerinnen und Rednern der Fokus auf die spezifischen Erkrankungen Diabetes und Adipositas gelenkt wurde.

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Mit ‚dick und dünn‘ auch durch (hormonelle) Hochs und Tiefs

Interdisziplinarität wird in der Diabetologie großgeschrieben – demnach passend referierte in der Sitzung ‚Hormone und Diabetestherapie‘ die Endokrinologin und Diabetologin Professor Petra-Maria Schumm-Draeger aus München zum Thema Hyper- und Hypothyreose. Einleitend stellte sie anhand großer epidemiologischer Studien dar, dass Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, weit über den Bevölkerungsdurchschnitt hinaus, auch an den ohnehin schon häufigen Schilddrüsenüber-/ und-unterfunktionen leiden.

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Diabetes-Technologie auf dem Vormarsch – Ein wenig Skepsis ist angebracht

Die Diabetes-Technologie, insbesondere die neuerliche Verfügbarkeit von neuen AID-Systemen, war ein großes Thema auf der diesjährigen Herbsttagung der DDG. So wurden die Eigenschaften und angeblichen Vorzüge der neuen AID-Systeme in mehreren Vorträgen vorgestellt. Da diese nun die Basalrate und Abgabe von Korrekturboli automatisch steuern, ist dies sicherlich als ein Meilenstein zur „künstlichen Bauchspeicheldrüse“ anzusehen. Meiner Meinung nach sollte hier jedoch etwas Skepsis an den Tag gelegt werden.

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Wie effektive Prävention durch Bewegung gelingen kann – für alle

Im Ton rheinisch-locker, in der Botschaft ernsthaft und bestimmt: Im Symposium „Diabetes – Adipositas – Migration“ hielt Professor Joisten einen lebhaften Vortrag über die Gesundheitsrelevanz von Bewegung und Sport und über die Besonderheiten, die für Erwachsene und Kinder mit Migrationshintergrund im Alltag bedeutsam sind. Sie benannte die Hürden, die es zu überwinden gilt, damit Sport als Prävention und als Mittel gegen Adipositas gelingen kann.

Zunächst ging Professor Joisten auf den Wert von Sport in Bezug auf Gesundheit ein: „Bewegung ist Medizin“, so der Titel einer Publikation, die dies untermauert und die die Vielzahl der Erkrankungen benannte, bei denen Bewegung heilsam ist. Sie selbst hob jedoch besonders die Bedeutung des Sports für die soziale Teilhabe und die Integration hervor und schlug damit den Bogen zu ihrem eigenen Forschungsfeld, „Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen“. Denn rein zur Gewichtsreduktion sei Sport gar nicht so geeignet, wie man denken würde. Dass es für das Wohlbefinden dennoch von immenser Bedeutung ist, sei eben durch andere Faktoren erklärbar, wie auch durch die hormonelle Aktivität des Organs Muskel.

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SGLT2-Inhibitor vs. GLP1-Rezeptoragonist – ein Überblick

„Entweder … oder …? SGLT2-Inhibitoren oder GLP1-Rezeptoragonisten? – Überlegungen zur modernen Kombinationstherapie bei Typ-2-Diabetes!“ Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Industriesymposium, organisiert von Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co.KG in Allianz mit Lilly Deutschland.

Angefangen mit dem Wirkstoffmechanismus, verbessern SGLT2-Inhibitoren den Glucosestoffwechsel, indem sie das System mittels Glucosurie entlasten sowie eine verbesserte Insulinsensitivität bewirken. Auch GLP1-Rezeptoragonisten verbessern die Insulinsensitivität und modulieren dabei auch endogene Glucosestoffwechselvorgänge auf verschiedenen Ebenen.

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Metabolische Auswirkungen von SARS-CoV-2: Fettgewebe im Fokus der Forschung

Adipositas und Diabetes mellitus sind zwei der wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines schweren Verlaufs bei COVID-19. Nicht verwunderlich war es daher, dass auf der diesjährigen Herbsttagung auch ein inhaltlicher Fokus auf dem Zusammenhang zwischen COVID-19 und Diabetes mellitus sowie Adipositas lag. Aktuell mehren sich die Hinweise darauf, dass Hyperglykämien bei schweren Krankheitsverläufen nicht nur Begleiterscheinung bei bestehenden Komorbiditäten sind, sondern vielmehr direkt mit der Infektion mit SARS-CoV-2 und der Schwere des Krankheitsverlaufs assoziiert sind. Aktuell werden ein Funktionsverlust der β-Zellen der Bauchspeicheldrüse sowie eine Insulinresistenz des Fettgewebes in Folge direkter Virusinfektion als mögliche Ursachen diskutiert.

Erste Hinweise auf einen möglichen Funktionsverlust der β-Zellen lieferten Mitte 2020 erste Fallberichte von Erkrankten, bei denen sich ein Autoantikörper-negativer insulinabhängigen Diabetes mellitus nach SARS-CoV-2 Infektion manifestierte. Anhand des Gewebes der Bauchspeicheldrüse von verstorbenen COVID-19-Patienten konnte nachvollzogen werden, dass SARS-CoV-2 in der Lage ist, die Inselzellen zu infizieren. Darüber hinaus konnte in humanen Explantaten der Bauchspeicheldrüse aktive Virusreplikation in den β-Zellen nachgewiesen werden. Inwiefern sich dieser Infektionsprozess langfristig klinisch manifestiert und ob sich die die β-Zellen nach der Akutphase der Infektion wieder regenerieren, ist bisher noch nicht abschließend geklärt.

In einer aktuellen Studie aus New York konnten nun die beobachteten Hyperglykämien bei schweren COVID-19 Verläufen in einen Zusammenhang mit einer infektionsbedingten Insulinresistenz des Fettgewebes gebracht werden. Bei einer Kohorte von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten zeigten sich erniedrigte Adiponektin-Level sowie eine deutliche Erniedrigung des Verhältnisses von Adiponektin zu Leptin im Serum, was auf eine Dysfunktion der Adipozyten schließen lässt. Gleichzeitig zeigten sich erhöhte C-Peptid-Werte im Serum der COVID-19-Patienten, was auf eine funktionelle, endogene Insulinproduktion in den β-Zellen rückschließen lässt. Diese Beobachtung konnte auch bei Translation ins Tiermodell bestätigt werden. Darüber hinaus konnte in vitro gezeigt werden, dass SARS-CoV-2 in der Lage ist, primäre humane Adipozyten zu infizieren. Der genaue Pathomechanismus hinter der infektionsbedingten Dysfunktion der Adipozyten lässt sich aktuell jedoch noch nicht eindeutig bestimmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass COVID-19 deutliche Auswirkung auf den Metabolismus hat und pathologische Interaktionen mit Adipositas und Diabetes mellitus bestehen. In welchem Umfang sich diese Interaktionen klinisch auch langfristig manifestieren, wird sich noch zeigen. Die Entwicklung zielgerichteter Therapien sowohl im akuten Krankheitsverlauf von COVID-19 als auch für mögliche langfristige Infektionsfolgen wird weiterhin Forschungsfokus bleiben, um Patientinnen und Patienten mit Adipositas oder Diabetes mellitus effektiver behandeln zu können.

Fabian Stoll

Quellen:

  1. Hollstein T et al. Nat Metab 2020; 2: 1021-1024
  2. Wu CT et al. Cell Metab 2021; 33: 1565-1576
  3. Tang X et al. Cell Metab 2021; 33: 1577-1591
  4. Reiterer M et al. Cell Metab 2021; 33: 2174-2188

Insulin – Mehr als nur ein Hormon zur Blutzuckerregulation

Insulin ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Hormone des menschlichen Körpers. Im Rahmen des Medizinstudiums wird ausführlich auf die außerordentlich wichtige Rolle des Hormons bei der Blutzuckerregulation eingegangen. Weitere Funktionen des Insulins, wie zum Beispiel die Wirkung im Gehirn, kommen dabei jedoch häufig zu kurz. Umso interessanter fand ich daher die Einblicke beim Symposium „Brain & Metabolism“ auf der diesjährigen DDG Herbsttagung 2021. Auf einige neue Aspekte, die ich während des spannenden Symposiums über Insulin lernen durfte, möchte ich hier genauer eingehen. 

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Self-Empowerment der Patientinnen und Patienten

Im Rahmen der diesjährigen DDG Herbsttagung in Wiesbaden, wurde ein Aspekt hervorgehoben, der die Diabetes-Behandlung der Zukunft maßgeblich prägen wird: Im Zuge der Digitalisierung werden mehr und mehr Patientinnen und Patienten von sich aus digitale Anwendungen benutzen und damit ihre eigenen (Gesundheits-)Daten tracken. Die Gründe dafür sind vielfältig und teils übereinstimmend mit dem gesamtgesellschaftlichen Wandel: Viele sind es aus dem Alltag gewohnt, Daten auf ihrem Smartphone zu speichern, damit sie schnell zur Hand sind. Das kann von der alltäglichen Einkaufsliste bis hin zu medizinischen Daten (Arzttermine, Medikamentenlisten, Zyklustracking etc.) reichen. Gerade bei der jungen Bevölkerung ist die Benutzung von Smartphones in den letzten Jahren ein prägendes Element geworden und nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Diese werden damit mit die ersten Nutzergruppen von digitalen Gesundheitsanwendungen sein und folglich ihre digital erfassten oder organisierten Daten mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin austauschen wollen. Damit ist es für den medizinischen Behandelnden wichtig, sich mit den Grundzügen solcher eHealth-Anwendungen zu beschäftigten. Macht er/sie es nicht, könnte eine Unzufriedenheit bei den Patientinnen und Patienten entstehen. Unter Umständen würde in diesem Fall dann ein Patient auch einen anderen medizinischen Ansprechpartner bevorzugen. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird daher zukünftig vor allem auch von den Patientinnen und Patienten selbst ausgehen. Wichtige Kernelemente sind:

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