Adipositas – „Bitte Bewegungs- und Ernährungstherapie optimieren“

Das Thema Adipositas betrifft durch die hohe Prävalenz (ca. 25% aller Deutschen BMI >30 kg/m²) und erhöhte Morbidität und Mortalität fachübergreifend fast jeden Arzt oder Ärztin. Hierbei wird die Adipositas häufig als Lifestyle-Problem abgestempelt und im Arztbrief heißt es, man solle „sich bitte gesund ernähren und mehr Sport treiben“. Hiermit werden Betroffene oft alleine gelassen, obwohl es sich bei der Adipositas um eine chronische Erkrankung handelt, die strukturierte Behandlungsansätze erfordert. Seit 2020 ist die Adipositas erfreulicherweise auch vom Deutschen Bundestag als Erkrankung offiziell anerkannt und es wird aktuell an einem „Disease-Management-Programm“ (DMP) gearbeitet.

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Schlank und fit?

Schöne Menschen umgeben uns, wohin auch immer wir uns wenden. Sie sind schlank, makellos und äußerlich perfekt, sie lächeln uns von den Titelseiten der Boulevard-Blätter an, sprechen im Fernsehen zu uns und wecken ein Verlangen in uns. Der Traum von der guten Figur ist oft auch verknüpft mit dem Gedanken, an ein gesünderes Leben.

Adipositas ist eine Krankheit. Weltweit leiden mittlerweile mehr Menschen an den Folgen von Übergewicht als an Hunger. Und zu all den gesundheitlichen Einschränkungen kommt der gesellschaftliche Druck hinzu, der oftmals schwer auf den Menschen lastet. Sie werden stigmatisiert, vorverurteilt und ausgegrenzt. Auch unbewusst fallen wir alle in dieselben Denkmuster und müssen jeden Tag daran arbeiten, einander nach dem zu beurteilen was in uns steckt und nicht nach dem, was man uns von außen ansieht. Die Session „Stigmatisierung bei Adipositas und assoziierten Erkrankungen“ (moderiert von C. Luck-Sukorski und S. Clever) zeigte uns in beispielhafterweise, worauf Ärztinnen und Ärzte in ihrer täglichen Arbeit mit von Stigmatisierung betroffenen Patientinnen und Patienten achten sollten.

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Präzisionstherapie am Beispiel Binge-Eating-Störung und Adipositas

„Präzisionsmedizin – eine Reise in die Zukunft der Diabetologie“ lautete das Motto des diesjährigen und erstmals rein digitalen Diabetes Kongresses der DDG. Im Kongressangebot wurde vielfältig aufgezeigt, wie Präzisionsmedizin Einzug in die Diabetologie erhält. Als Psychologin stellte sich mir die Frage, welche Überträge auf die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung denkbar sind. Die Antwort lieferte der spannende Vortrag „Binge-Eating-Störung und Adipositas“ von Professor Dr. Anja Hilbert (Leipzig).

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Wissenswertes zu zirkadianer Rhythmik und Typ-2-Diabetes

Mediale Aufmerksamkeit wird häufig durch Schlagzeilen wie „Am Abend Kohlenhydrate vermeiden, um Gewicht zu verlieren“ generiert. Doch was steckt aus wissenschaftlicher Sicht hinter dieser Aussage?

In einem Beitrag auf dem diesjährigen Diabetes Kongress wurde der Einfluss der zirkadianen Rhythmik auf die Entwicklung und Manifestation des Typ-2-Diabetes vorgestellt. Die Referierenden zeigten einen differenzierten Überblick von aktuellen Forschungsergebnissen der zirkadianen Rhythmik in Bezug auf die Schlafdauer, die Nahrungsaufnahme, die Muskelkomposition, die zentrale Uhr aber auch die peripheren Uhren im menschlichen Körper.

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Reden wir mal über Endokrine Disruptoren

Wir wissen alle nur zu gut, dass sich die Prävalenz für Typ-2-Diabetes (T2D) in den letzten Jahrzehnten verzehnfacht hat und dass unsere Ernährungsweise und das dauerhafte Rumgesitze nicht gerade von Vorteil sind. Worüber aber kaum gesprochen wird, sind die vielen weiteren Faktoren in unserem alltäglichen Leben, die kumulativ doch eine ziemlich große Rolle spielen können. Im Jahr 2015 wurde das erste Mal notiert, dass die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt und zwei Drittel der Menschen mit Typ-2-Diabetes in städtischen Regionen wohnhaft sind. Eine Ansammlung von Menschen hat nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt, sondern andersrum genauso.

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Prädiabetes mit Darmbakterien behandeln?

Unsere Ernährung spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Adipositas und Typ-2-Diabetes als mögliche Folgeerkrankung. Beide Erkrankungen gehen mit einer chronischen, niedrigschwelligen Entzündung einher. Doch welchen Einfluss haben unsere Darmbakterien auf diesen pathologischen Prozess?

Diese interessante Frage adressierte Prof Dr. Laudes vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in seinem Vortrag „Microbiota als Determinanten von Inflammation und kardiometabolischem Risiko“ und berichtete von seinen eindrucksvollen Studienergebnissen.

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Gewichtsreduktion bei Adipositas durch einen Wirkstoff aus traditioneller chinesischer Arzneipflanze

Zum Thema „Adipositas“, als einer der Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes mellitus, gab es viele Beiträge und Diskussionen auf dem Diabetes-Kongress in Berlin.

In der Session „Neue Mechanismen für die Prävention und Therapie des Diabetes“ sprach Dr. Paul Pfluger über die Rolle des Sättigungshormons Leptin und Leptin-Sensitizer in der Adipositas-Therapie.

Nach einer kurzen Einführung über die Funktion von Leptin in der Regulation der Nahrungsaufnahme erläuterte er den Begriff der Leptinresistenz. Diesen definierte er als Funktionsmangel von exogen zugeführtem Leptin, da die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen kontrovers und noch nicht eindeutig geklärt sind.

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Werden Medikamente gegen Übergewicht bald Realität?

Eine Empfehlung für jeden Kongressbesucher: die Langerhans-Vorlesung im Rahmen der Preisverleihung der Paul-Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes Gesellschaft – in diesem Jahr verliehen an Matthias Tschöp.

Prof. Tschöp – seit 2018 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums Münchens – erforscht unter anderem Poly-Agonisten als potenzielle Medikamente für Typ-2-Diabetes und so auch der Titel seiner Vorlesung: „Poly-Agonisten für Typ-2-Diabetes: Entdeckung, Mechanismen und klinische Wirksamkeit“.

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Wundermittel gegen Adipositas und Diabetes Typ 2?

„Kinderleicht 20 Kilogramm in nur 8 Wochen abnehmen“, „DAS Mittel, mit dem die Pfunde nur so purzeln“. Mit diesen und ähnliche Versprechungen der Werbeindustrie werden wir beinahe tagtäglich in den Medien konfrontiert und zum Kauf von teuren Pulvern und Kapseln verleitet. Doch gibt es das wirklich, ein Zaubermittel gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2? Die Lösung für eines der zentralen Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft, für zwei Erkrankungen die sich gegenseitig befeuern und die für etliche Folgeerkrankungen verantwortlich ist? Die Antwort darauf – das mag wohl kaum jemanden überraschen – lautet kurz und knapp: (Noch) nicht. Ein wichtiger Vermerk dazu lautet jedoch: Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp und sein Team sind auf einem vielversprechenden Weg in diese Richtung! Daher wurde der Leiter des Helmholtz-Institutes in München absolut zu Recht auf dem diesjährigen DDG-Kongress geehrt und für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Rolle von Poly-Agonisten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 mit der Paul-Langerhans-Medaillie 2019 ausgezeichnet. Die Entschlüsselung der Hormonwirkung von Ghrelin, Glucagon, Leptin etc., die in Magen-Darm-Trakt und ZNS für die Regulierung unserer Nahrungsaufnahme und den Blutzuckerspiegel zuständig sind stellten dabei den ersten wichtigen Schritt dar.
Dem Neuroendokrinologen Tschöp gelang die molekularbiologische Imitation dieser einzelnen Botenstoffe, um sie dann in einem „Supermolekül“ dem sogenannten Poly-Agnoisten zu verknüpfen. Sie vereinen und potenzieren somit die erwünschten Wirkungen dieser Hormone mit dem Ergebnis von Verlust an Köpermasse und einem verbesserten Blutglukosespiegel. Prof. Tschöp, ein absolut würdiger Preisträger und ein ein Name, den man sich für die nächsten Jahre merken sollte…

Johannes Albertus Hofer