30 Jahre Forschung erbringen spannende Erkenntnisse zur Entstehung des Typ-1-Diabetes

Die Forschungsergebnisse der deutschen BABYDIAB (prospektive Geburtskohorte, >1600 Kinder von Eltern mit Typ-1-Diabetes (T1D)) sowie der internationalen TEDDY-Studie (Kinder mit genetischer Prädisposition oder mit einem Verwandten mit T1D, >8000 Teilnehmer) haben maßgeblich zu unserem Verständnis der T1D-Entstehung beigetragen. Einige dieser zentralen Erkenntnisse wurden durch Frau Prof. Ziegler (Helmholtz Zentrum München) vorgestellt:

Bei der Entstehung des T1D spielt die genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle. Autoantikörper, die zu einer Zerstörung der ß-Zellen führen, entstehen bereits in den ersten Lebensjahren. Insbesondere Antikörper gegen Insulin treten gehäuft auf und gipfeln im frühen Kindesalter mit ca. 2 Jahren.
Neu ist das Landmark-Modell, welches das kumulative Risiko, Antikörper zu entwickeln, in Abhängigkeit vom Alter zeigt. Hier ein Beispiel: wenn ein Kind mit 3 Jahren noch keine Inselautoimmunität entwickelt hat, so halbiert sich das Risiko ca. alle 3,5 Jahre um 50%. Für die Gesprächsführung mit Betroffenen oder bei bekannter Prädisposition ein absoluter Gewinn!

1. Take-home-message: Das Alter bestimmt das Risiko einen T1D zu entwickeln.

Je nach HLA-Genotyp und dem genetischen Risiko für T1D ist auch das Risiko für andere Autoimmunerkrankungen wie die Autoimmunthyreoditis oder Zöliakie erhöht. Dies gilt nicht nur für Betroffene, sondern auch für Familienangehörige von Menschen mit T1D. Zöliakie-Autoantikörper gipfeln im Alter von 2-3 Jahren, Schilddrüsen-Autoantikörper mit 14 Jahren.

2. Take-home-message: Der HLA-Genotyp bestimmt die Art der Immunität. Auch Familienangehörige sollten auf Autoimmunerkrankungen getestet werden, je nach Autoimmunerkrankung zu unterschiedlichem Alter.

Doch nicht allein die genetische Prädisposition ist ausreichend für die Entstehung eines T1D. Wir wissen, dass andere Umweltfaktoren eine Rolle spielen müssen, wie bspw. rezidivierende virale Atemwegsinfektion in den ersten 6 Lebensmonaten. Ein Zusammenhang konnte mit dem Coxsackie-Virus nachgewiesen werden. Kann eine Impfung die Entwicklung von T1D verhindern? Ein Forschungsprojekt ist in Sicht!

3. Take-home-Message: Virusinfektionen im frühen Kindesalter prädisponieren für Insulinautoimmunität und T1D und beschleunigen möglicherweise die Immunreifung.

All diese Ergebnisse helfen, dem eigentlichen Ziel, nämlich der Prävention von T1D, einen Schritt näher zu kommen. Dabei sind die Forschergruppen auf die Bereitschaft von Eltern angewiesen, mit ihren Kindern an Interventionsstudien, wie z.B. POInT oder PINIT teilzunehmen – denn nur durch klinische Forschung können wir gemeinsam eine Welt ohne T1D erreichen!

Thekla von dem Berge

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