Kann ich den Schlaf nicht am Wochenende nachholen?

Beim Erforschen der Bedeutung des Schlafs könnte man wahrscheinlich viele Nächte schlaflos im Labor verbringen. Genau das haben Professor Dr. Sebastian Schmid und sein Team am UKSH getan. In seinem Vortrag „Metabolic consequences of sleep loss?“ im Rahmen des Symposiums „Circadian clocks, sleep & metabolism“ beim virtuellen Diabetes Kongress 2021 berichtet er über die Zusammenhänge von Zuckerstoffwechsel und schlechten oder zu kurzen Schlafphasen.

In verschiedenen Studien entzog man gesunden Probandinnen und Probanden den Schlaf komplett oder reduzierte ihn. Bei der basalen Aktivität des Inselorgans stellte man eine deutliche Aktivitätsreduktion in den α- und β-Zellen fest. Zudem sah man schon bei partieller Schlafreduktion eine erhöhte Auslenkung des Glukosespiegels und eine verminderte Insulinsensitivität als Antwort auf das Frühstück. In Korrelation sah man in einer weiteren Studie deutlich erhöhte Nüchtern-Konzentrationen der freien Fettsäuren und stellte eine Erhöhung der Adipogenese fest. Bei der Schlafqualität beobachtete man einen ebenso bedeutenden Einfluss auf diese Parameter.

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Adipositas: Ein treuer Begleiter ein Leben lang?

Die Adipositas-Prävalenz steigt – nicht nur im Erwachsenalter, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen. Im Jahr 2018 waren laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig und 5,9 Prozent adipös. Weitere Studien zeigen zudem, dass nicht nur die Prävalenz steigt, sondern auch das Ausmaß der Adipositas immer weiter zunimmt. Doch welche Faktoren tragen dazu bei, dass Kinder Übergewicht oder gar Adipositas entwickeln? Und wie können wir gegen diese Entwicklung und den damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken im Verlauf des Lebens angehen?

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Herzinsuffizienz: FrĂĽh entdecken und erkennen

Im Vortrag von Frau PD Schütt vom UK Aachen wurde der Blick auf die Herzinsuffizienz bei Typ II Diabetikern geschärft, denn das Risiko einer Herzinsuffizienz ist bei Patienten mit Diabetes melitus gegenüber Nicht-Typ II Diabetikern um das 2,5-fache erhöht. Drei von zehn Diabetespatienten haben eine Herzinsuffizienz, damit ist klar, dass ein besonderes Augenmerk auf diese Patientengruppe gerichtet werden muss und eine frühe Diagnose eine zeitnahe und adäquate Einleitung einer Herzinsuffizienztherapie zur Folge haben muss. Frau PD Schütt geht dabei auf die aktuelle EMPEROR-reduced Studie ein, welche zeigt, dass Herzinsuffizienzpatienten mit DM eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für ein cardiovaskulären Tod oder einer Hospitalisierung aufgrund der HI haben als Nicht-Diabetiker.

Aber wie kommt man zur Diagnose Herzinsuffizienz?

Im ersten Schritt ist eine ausführliche Anamnese unabdingbar, hier müssen kardiovaskuläre Vorerkrankungen, eine mögl. art. Hyptertonie, mögliche kardiotoxische Medikamente, ggf. eine vorausgegangene Bestrahlung sowie Orthopnoe oder nächtliche Dyspnoe abgeklärt werden. Im zweiten Schritt ist bei der körperlichen Untersuchung auf pulmonale Rasselgeräusche, Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz oder Herzgeräusche zu achten. Als drittes muss auf ein abnormales EKG geachtet werden. Falls in diesen Punkten auch nur einer auffällig ist, sollte ein Screening mittels NT-proBNP erfolgen. Ist dieser erhöht, sollte im nächsten Schritt eine Echokardiographie erfolgen.

Wie kann die Herzinsuffizienz eingeteilt werden?

Es gibt drei Einteilungen je nach der echokardiographisch ermittelten linksventrikulären Ejektionsfraktion(EF). Bei einer EF von größer gleich 50% spricht man von einer Herzinsuffizienz mit einer erhaltenen linksventrikulären Pumpfunktion (HFpEF), bei einer EF zwischen 40 und 49% spricht man von einer Herzinsuffizienz mit einer mid-range linksventrikulären Pumpfunktion (HFmEF) und bei einer EF kleiner 40% von einer Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (HFrEF).

Wie werden Patienten mit einer HFrEF behandelt?

Zunächst sollte ein ACE-Hemmer/ Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB) zusammen mit einem Betablocker bis zur maximal tolerierbaren Dosis gestartet werden, bei fortbestehenden Symptomen erfolgt die zusätzliche Gabe eines Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA, z.B. Spironolacton, Eplerenon). Falls die Symptome weiterbestehen, kann man als Ersatz für den ACE-Hemmer einen Angiotensin-Rezeptor-/Neprilysin-Inhibitor (ARNI, z.B. Valsartan/Sacubitril) der Medikation hinzufügen. Im Endeffekt handelt es sich um die bekannte 4er-Kombi der Herzinsuffizienzbehandlung.

Was gibt es neues?

Seit Kurzem gibt es einen neuen Wirkstoff, die Gruppe der SGLT2-Inhibitoren, man spricht von den „Fantastic Four“ bestehend aus ARNI, MRA, Betablocker und SGLT2-Inhibitor.

In den beiden Studien DAPA-HF und EMPEROR-reduced wurden Patienten mit einer Herzinsuffizienz mit und ohne Diabetes melitus verglichen. In beiden Studien war der primäre Endpunkt eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod und eine Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz. Ein SGLT2 Inhibitor konnte in beiden Studien eine signifikante Reduktion des kombinierten Endpunktes sowohl für Patienten mit, aber auch ohne Diabtetes melitus erreichen.

Daher ist seit November 2020 Dapaglifozin zur Behandlung der symtomatischen chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF), sowohl bei Patienten mit als auch ohne

Diabetes zugelassen. Ein klinischer Nutzen ist bereits sehr frĂĽh eingetreten. Die Patienten profitierten bereits nach 28 Tagen.

In der DAPA-HF Studie konnte außerdem bei der genauen Betrachtung der Nicht-Diabetiker Subgruppe gezeigt werden, dass dieser positive Effekt sowohl bei euglykämischen Patienten, aber auch Patienten mit Prädiabetes auftrat.

Vorteilhaft zeigte sich auch, dass SGLT2 Inhibitoren den Blutdruck nur wenig bis gar nicht senken, im Gegensatz zu den anderen Wirkstoffen der Herzinsuffizienztherapie. Bei einem systolischen Blutdruck von ĂĽber 130 mmHg konnte eine Reduktion von ca. 5-8 mmHg beobachtet werden, unter 110 mmHg jedoch kein Effekt.

Bei der häufig mit der Herzinsuffizienz einhergehenden Niereninsuffizienz konnten die SGLT2 Inhibitoren einen protektiven Effekt zeigen. In der EMPEROR Studie zeigte sich zunächst ein signifikanter Abfall der eGFR, welcher sich aber im Verlauf stabilisierte, ohne dass es zu einer gehäuften Anzahl von akutem Nierenversagen kam.

Wichtig ist es hier zu erwähnen , dass bei der Therapie einer HFrEF SGLT2 Inhibitoren bereits ab einer GFR von 30 ml/min begonnen werden dürfen.

Als Nebenwirkung müssen Patienten über eine mögliche genitale Infektion aufgeklärt werden

Zusammenfassend ist mit den SGLT2-Inhibitoren ein neuer Wirkstoff mit viel Potential zur Therapie der HFrEF hinzugekommen, wobei das Ziel ein frĂĽhzeitiger Beginn der Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren sein muss.

Walter Ballot

Insulin, weit mehr als ein peripherer Blutzuckersenker!

Genau 100 Jahre ist es nun her, dass das Hormon Insulin entdeckt und isoliert wurde und fast genauso lange wird Insulin auch schon zur erfolgreichen Behandlung von Diabetes eingesetzt. Doch Insulin kann weit mehr als nur den Blutzucker in der Peripherie senken, denn auch das Gehirn besitzt Insulinrezeptoren und das obwohl die Glukoseaufnahme im Gehirn weitestgehend Insulin-unabhängig stattfindet.

Die Untersuchung der Insulinwirkung im menschlichen Gehirn stellt sich dabei aber als schwieriger heraus und auch die Erkenntnisse aus dem Tiermodell sind nicht uneingeschränkt auf den Menschen übertragbar. Mittlerweile gibt es allerdings einige Arbeitsgruppen, die Insulin intranasal- also mittels Nasenspray- in unterschiedlichsten Studien verabreicht haben. In diesen Studien konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass das Insulin im Gehirn einen reduzierenden Effekt auf das Hungergefühl, die Essenaufnahme, das Körpergewicht aber auch die Glukoneogenese in der Leber hat, während die Gedächtnisleistung, aber auch die periphere Insulinsensitivität verbessert werden.

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Präzisionstherapie am Beispiel Binge-Eating-Störung und Adipositas

„Präzisionsmedizin – eine Reise in die Zukunft der Diabetologie“ lautete das Motto des diesjährigen und erstmals rein digitalen Diabetes Kongresses der DDG. Im Kongressangebot wurde vielfältig aufgezeigt, wie Präzisionsmedizin Einzug in die Diabetologie erhält. Als Psychologin stellte sich mir die Frage, welche Überträge auf die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung denkbar sind. Die Antwort lieferte der spannende Vortrag „Binge-Eating-Störung und Adipositas“ von Professor Dr. Anja Hilbert (Leipzig).

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Widerstands- und Intervalltraining bei Typ-1-Diabetes

Viele Menschen mit Diabetes betreiben, aufgrund vieler verschiedener Gründe, nicht regelmäßig Sport. Sie haben beispielsweise Angst in eine Hypoglykämie zu fallen oder ihnen fehlt einfach der nötige innere Antrieb. Professor Dr. Othmar Moser von der Universität Bayreuth schildert jedoch in seinem Vortrag beim Diabetes Kongress 2021, wie wichtig und auch zielführend ein koordiniertes Widerstands- und Intervalltraining bei Menschen mit Typ-1-Diabetes sein kann.

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf eine medikamentösen Einnahme angewiesen. Es stellt sich aber nun die Frage, ob auch ein geeignetes Sport- und Bewegungsprogramm nicht nur ergänzend, sondern auch als zusätzliche, eigene Therapiemaßnahme zur Verbesserung des Diabetes eingesetzt werden kann. Im Vortrag geht Professor Moser auf verschiedene geeignete Trainingsformen ein. Dabei unterscheidet man das Kraft-Ausdauertraining, das Hypertrophie-Krafttraining, das Maximal-Krafttraining und das Intervalltraining. Die Arten des Krafttrainings unterscheiden sich im Wesentlichen in der Anzahl der Sätze, Wiederholungen und dem verwendeten Gewicht.

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Wissenswertes zu zirkadianer Rhythmik und Typ-2-Diabetes

Mediale Aufmerksamkeit wird häufig durch Schlagzeilen wie „Am Abend Kohlenhydrate vermeiden, um Gewicht zu verlieren“ generiert. Doch was steckt aus wissenschaftlicher Sicht hinter dieser Aussage?

In einem Beitrag auf dem diesjährigen Diabetes Kongress wurde der Einfluss der zirkadianen Rhythmik auf die Entwicklung und Manifestation des Typ-2-Diabetes vorgestellt. Die Referierenden zeigten einen differenzierten Überblick von aktuellen Forschungsergebnissen der zirkadianen Rhythmik in Bezug auf die Schlafdauer, die Nahrungsaufnahme, die Muskelkomposition, die zentrale Uhr aber auch die peripheren Uhren im menschlichen Körper.

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Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes und ASCVD

Der diesjährige Diabetes Kongress 2021 hat mir im Rahmen des Stipendiatenprogramm sehr gut gefallen. Für mich war es eine Fortbildung auf höchstem Niveau mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Prävention, Diagnostik und Therapie. Das Symposium konnte mir die ganze Bandbreite moderner, internistischer Therapie mit konkreten Hinweisen zur Umsetzung aufzeigen.

Gut gefallen haben mir die Themen zur antidiabetische Therapie unter Berücksichtigung einer kardiovaskulären Risikostratifizierung.
Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes, die auch an einer arteriosklerotische Herz- oder Gefäßerkrankung (ASCVD) leiden, haben ein stark erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und werden häufiger ins Krankenhaus eingewiesen. Interessant fand ich dazu, wie SGLT-2-Hemmer schwere kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren und sich die Prognose der betroffenen Patienten verbessert.

dr.m

Adipositas bei Kindern

Immer mehr Kinder sind übergewichtig und leiden an Adipositas. Das kann nicht nur zu Wachstumsstörungen und vaskulärer Dysfunktion im Jugendalter, sondern auch zu Folgeerkrankungen, z.B. Typ-2-Diabetes, im Erwachsenenalter führen. Aber warum entwickeln eigentlich schon Kinder so früh Adipositas? Dieser Frage ging Prof. Dr. Antje Körner in ihrem Vortrag nach.

Im Rahmen der KiGGS-Studie wurden die wichtigsten Risikofaktoren fĂĽr kindliches Ăśbergewicht identifiziert:

  1. elterliches Ăśbergewicht
  2. niedriger sozioökonomischer Status
  3. perinatale und Umweltfaktoren

Zu den einflussreichen Umweltfaktoren zählen neben Lebensstilfaktoren wie erhöhtem Medienkonsum auch die Umgebung (z.B. viel Asphalt vs. viele Grünflächen oder die Nähe zu Fast-Food-Restaurants) und veränderte Lebensumstände, z.B. während der Corona-Pandemie. So stieg zum Beispiel der Anteil an Kindern mit einem relevanten Gewichtszuwachs innerhalb des Jahres 2020 unverhältnismäßig stark an.

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Catch me if you can – GDM und wie eine zuverlässige Nachsorge aussehen könnte

Von der Diagnose des Gestationsdiabetes (GDM) über die Risikosenkung durch das Stillen und den Transgenerationenzyklus. Das waren die Schlagwörter im Rahmen des Symposiums zum Thema „Diabetesprävention nach GDM“ der 55. Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2021, welches mich nachhaltig beeindruckt hat.

Die Themen des Symposiums machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Frauen mit GDM eine sorgfältige Nachsorge bekommen, um mögliche Spätfolgen und Risiken einzudämmen. In dem Vortrag von Dr. med. Heinke Adamczewksi wurde deutlich gemacht, dass ein 7-fach erhöhtes Diabetesrisiko in den Jahren nach GDM besteht (Song et al., 2018). Damit einhergehend verdoppelt sich das Risiko für Koronarkalk (Gunderson et al., 2021), wie eine Studie aus den USA gezeigt hat.

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