Zweieinhalb Mal um den Globus mit der neuen AG Diabetes und Angiologie

2019 besuchte ich in Leipzig meine nun schon 3. Herbsttagung der DDG, diesmal erfreulicherweise im Rahmen der Nachwuchsförderung als Stipendiatin.

Wie jedes Mal suchte ich mir aus besonderem beruflichem Interesse ein Symposium mit Schwerpunkt zum Fußsyndrom aus. So stellte sich zur Herbsttagung die noch junge Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Angiologie vor. Ihr Vorsitzender PD Rittig beschrieb kurz das Tätigkeitsspektrum der AG, welche neben der Nachwuchsförderung auch angiologische Aspekte in die Zertifizierung einfließen lassen und Sektorengrenzen überwinden möchte. Die weitere Versorgung von Patienten mit chronischen AVK-bedingten Wunden nach operativer/interventioneller Versorgung sollte verbessert werden. So handele es sich ambulant zumeist um ein Kapazitätsproblem und für die Kliniker sei es ein politisches Problem.


Aktuell würden in Deutschland 4,5 Mio. Menschen mit einer (verschlüsselten) pAVK leben. Laut der getAbi Studie haben 21 % der über 65-Jährigen eine pAVK, jedoch wissen nur 9 % von ihrer Diagnose. Somit besteht eine hohe Dunkelziffer. Diese könnte durch eine gründlichere Diagnostik in den unterschiedlichen Fachdisziplinen verbessert werden. Neben Pulsstatus müsste der ABI fest etabliert werden, gefolgt von Duplexuntersuchungen. Insgesamt 60.000 Amputationen/ Jahr gehen auf eine pAVK zurück und ca. 50 % davon sind wiederum diabetesassoziiert. Alle 19 Minuten findet in Deutschland eine diabetesassoziierte Amputation statt. Das wären hochgerechnet 75 Amputationen am Tag – immer noch!


Die Pathogenese des Diabetes auf das Gefäßsystem wurde aufgeführt und weitere vaskuläre Probleme des Diabetikers wurden vorgestellt, wie z.B. die cAVK, venöse thromboembolische Ereignisse, CVI, Ulcera cruris und Vaskulitiden. So hat die AG Diabetes und Angiologie gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Gesellschaft für interventionelle Radiologie eine Praxisempfehlung zu pAVK bei Diabetes mitverfasst und mitgearbeitet an der S3-Leitlinie „Carotisstenose“.
Weiterhin stellte der Dozent die pAVK als wichtige Indikatorerkrankung in den Fokus, um Patienten der kardiovaskulären Hochrisikogruppe zuzuordnen. Dies sollte aus meiner Sicht bereits im Medizinstudium, spätestens aber im PJ, zum festen Dreh- und Angelpunkt werden; Risikogruppen adäquat zu identifizieren und entsprechender interdisziplinärer Diagnostik und Behandlung zuzuführen.

Und wer hätte es gedacht- Das menschliche Gefäßsystem umfasst eine Gesamtlänge von ca. 100.000 km. Das können wir zweieinhalb Mal um den Globus wickeln. Da sollten wir viel mehr auf unser räumlich größtes Organsystem achtgeben. Die Take-home-message für dieses Jahr lautet also: Runter von der Rolltreppe und auf zum Gefäßsport, für uns und unsere Patienten.

Dorit Reuter

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