Zucker-Zuschuss vom Staat: Schulmilchprogramm verfehlt sein Ziel

Lisa Ströhlein, DDG-Pressestelle

Quark macht stark und Milch macht müde Menschen munter. Davon war meine Mutter überzeugt und deshalb durfte ich niemals den Frühstückstisch verlassen, bevor ich nicht mein Glas Milch ausgetrunken hatte. Von Kakao- oder Erdbeerpulver – um den Geschmack aufzupeppen – wollte sie nichts wissen: „Zu viel Zucker!“ war ihr Argument.

Frühstückstisch mit Milch

Thieme Verlagsgruppe/Meike Bergmann

Ich hatte Glück, dass meine sich Mutter in Ernährungsfragen ziemlich gut auskannte. Denn viele Eltern tappen in die Werbefalle von Kaba, Nesquik und Co., die Kakao und andere gesüßte Milchprodukte als lecker und gesund anpreisen. Nicht selten spannt die Industrie sogar Mediziner ein und finanziert Studien, die die angeblich gesunden Effekte ihrer Produkte belegen.

Dabei ist Milch an sich durchaus ein gesundes Nahrungsmittel, insbesondere für Kinder. Sie enthält Calcium, Proteine und Jod. Studien weisen außerdem darauf hin, dass der Verzehr von Milchprodukten mit hohem Fettanteil das Diabetesrisiko um 15 Prozent senken kann. Damit möglichst viele Kinder von diesen Gesundheitsboni profitieren, existiert seit über 30 Jahren das europäische Schulmilchprogramm, dass den Absatz von Milch und Milchprodukten durch staatliche Beihilfen in Schulen fördert. Ziel des Programms ist es, Übergewicht und Mangelernährung zu verringern und die Essgewohnheiten der Kinder nachhaltig zu verbessern. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: denn häufig entscheiden sich die Kinder für die ebenfalls bezuschusste Schokoladen- und Erdbeermilch oder gezuckerte Joghurts. Die EU-Bestimmungen erlauben den Herstellern, bis zu 7 Prozent Zucker zuzusetzen, so dass die meisten gezuckerten Milchgetränke zusammen mit dem natürlichen Milchzuckergehalt auf knapp 10 bis zu knapp 18 Prozent kommen.

Das ursprüngliche Ziel Übergewicht vorzubeugen und das Ernährungsverhalten der Kinder zu verbessern kann unter diesen Umständen natürlich nicht erreicht werden. Nicht nur, dass der Zucker selbst dick macht – wer viel Zucker konsumiert, trainiert seinen Süßgeschmack regelrecht, sodass ungezuckerte Produkte bald fad und geschmacklos erscheinen.

Gemeinsam mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) und diabetesDE hat die DDG folgende Forderungen zum Thema Schulmilch formuliert, denen man nur zustimmen kann:

  • Nur ungezuckerte Milchprodukte an Kitas und Schulen
  • Keine Subventionierung für gezuckerter Milchprodukte an Kitas und Schulen
  • Änderung der EU-Schulmilchverordnung: Zuckergehalt 0%, Fettgehalt 1,5 % – max. 3,5%
  • Kontrolle der Produktpalette der an Kitas und Schulen abgegeben Produkte durch die zuständigen Landesbehörden
  • Entzug der Lieferlizenz bei Zuwiderhandlung
  • Ausstattung von Schulen und Kitas mit Trinkwasserbrunnen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.