Geburtsgewicht zu hoch: mütterliche Lipide in der Schwangerschaft im Visier

von Carina Zwafink

Prof. Schäfer-Graf gab einen guten Überblick über die aktuelle Studienlage zum Thema der maternalen Lipide während der Schwangerschaft und die Auswirkungen auf das Wachstum der Kinder.

„Letzte Woche machte ich bei einer Schwangeren mit Gestationsdiabetes (GDM) einen Ultraschall und traute meinen Augen nicht,“ so begann Prof. Schäfer-Graf Ihren Vortrag zum Thema „Makrosomie trotz Normoglykämie?“. Der besagte Ultraschall zeigte einen „explodierenden“ Abdominalumfang des Fetus, obwohl die Blutzuckerwerte der Mutter optimal eingestellt waren.

Fetus wird auch durch Lipide und Triglyceride der Mutter versorgt

Ist es nun Zeit, neben dem so viel gerühmten Blutzucker, die mütterlichen Lipide während der Schwangerschaft ins Visier zu nehmen? Denn wie auch der Blutzucker unterliegt der mütterliche Lipidstoffwechsel während der Schwangerschaft Schwankungen. Er wechselt von anabol zu katabol, um den wachsenden Fetus zu versorgen. Die lipolytische Aktivität der Plazenta unterstützt den kontinuierlichen Anstieg der Lipide über die gesamten drei Trimester bis zum Ende der Schwangerschaft. Vor allem die mütterlichen Triglyzeride (TAG) zeigen einen Anstieg von mehr als 50%.

Laut Prof. Schäfer-Graf gibt es erstaunlich viele Studien aus dem arabischen und asiatischen Raum zum Thema „nicht-diabetische Schwangere, ihre Lipide und das Wachstum der Kinder“. Die Pune-Study aus Indien oder auch eine Studie mit fast 3000 chinesischen Frauen zeigten, dass die mütterlichen Lipide mit der LGA- (Large for gestational age) und Makrosomie-Prävalenz korrelieren. Besonders die TAGs scheinen als wichtigster Prädiktor für die Makrosomie des Kindes eine starke Rolle zu spielen.

Makrosomie-Risiko des Kindes vorhersagen

Ganz im Gegensatz zu den nicht-diabetischen Schwangeren, ist die Datenlage bei den diabetischen Schwangerschaften und mütterlichen Lipiden eher mau. Aber auch bei den wenigen Studien zeigte sich, dass bei GDMlerinnen mit gut eingestelltem Blutzucker, die maternalen freien Fettsäuren (FFS) und TAGs die stärksten Prädiktoren für die Makrosomie des Kindes sind. Hier schloß sich der Kreis zu der eingangs genannten Patientin von Fr. Schäfer-Graf.

Atherosklerose-Risiko des Kindes vorhersagen

Bedenkliche Ergebnisse präsentierte die Referentin aus einer weiteren Studie. Die Fettablagerungen der Intima von verstorbenen Kindern wurden quantifziert und mit den Cholsterinwerten der Mutter während der Schwangerschaft korreliert. Bei hypercholisterinämischen Frauen, fanden sich deutlich höhere Fettablagerungen in der Intima der Kinder. Es scheint, die Atherosklerose-Disposition der Kinder hängt von der gravidären Cholsterinkonzentration der Mutter ab.

Ein „Übel“ kommt selten allein

Wie nicht anders zu erwarten, wirkt sich das „Übel“ der hohen Lipidkonzentrationen nicht nur auf das Wachstum der Kinder aus, sondern steigert z.B. auch die Präeklampsie-Rate, das Risiko für neonatale Azidose oder auch die Rate an spontanen Frühgeburten.

Tja, nun weiß man, hat die Mutter hohe TAG-Konzentrationen in ihrer Schwangerschaft, ist das ziemlich ungünstig.

Low-Carb, Low-Cholesterol, Sport oder Stiatine – Was kann man dagegen tun und was hilft?

Prof. Schäfer-Graf fasste die Ergebnisse der hierzu vorliegenden Studien sehr übersichtlich zusammen:
– Eine Low-Cholesterol-Diet zeigte keine Effekte auf die mütterlichen TAG und die LGA-Prävalenz,
– eine Low-Carb-Diet erhöhte sogar die FFS und die TAGs.
– Sportliche Aktivität, egal ob Aerobic oder Spazierengehen nach dem Essen, konnten die FFS der Schwangeren senken.
– Im MiG-Trial wurde den Schwangeren Metformin gegeben. Dieses führte jedoch zum kontraproduktiven Effekt mit höheren TAGs und vermehrten LGA-Geburten.
– Auch Omega-3-Fettsäuren, die Schwangere erhielten, steigerten laut einer Metaanalyse das kindliche Geburtsgewicht anstatt es zu senken.
– Zu guter Letzt laufen gerade 2 RCTs zu der Wirksamkeit von Statinen während der Schwangerschaft. Fragwürdig, denn die Teratogenität von Statinen ist bislang noch ungeklärt!

Das Fazit von Prof. Schäfer-Graf lautete: Einige Fragen sind halbwegs beantwortet, aber der Großteil der Fragen ist geblieben. „Haben Sie vielleicht eine zündende Idee?“

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