Wissenschaft trifft Trends – welche Ernährung ist sinnvoll und gesund?

Schlagzeilen wie „MEHRFETT!“, „Kokosöl – natürliches Superfood“ begleiten uns und unsere Patienten ständig. Aber welche Ernährung ist nun die Beste? Dieser Frage ging bei der digitalen Herbsttagung Prof. Dr. Stefan Lorkowski –Lehrstuhl für Biochemie und Physiologie der Ernährung an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena nach.

Unser Lebensstil bringt uns allmählich um – Daten aus der Global Burden of Disease Study zeigten auf, welche Bedeutung die Ernährung für unsere Gesundheit hat.

Ein zu hoher BMI, zu hohe Nüchtern-Glukose-Werte, zu hoher Blutdruck, erhöhter Alkoholkonsum und ein zu hohes LDL-Cholesterin führen zu einer Reduktion unserer Lebensjahre. Die hier genannten Risikofaktoren werden durch eine zu hohe Energiezufuhr, zugesetzten Zucker/raffinierte Stärke, hoher Verzehr gesättigter Fette, Cholesterol, Salz, hochverarbeitete Lebensmittel usw. negativ beeinflusst – wohingegen der Verzehr an Vollkornprodukten, Ballaststoffen, Nüssen, Samen, Gemüse, Obst, Fisch, Hülsenfrüchte und mehrfach ungesättigten Fettsäuren viel zu wenig verzehrt werden.

Anders als man lange Zeit gedacht hat, sind selbst Herzkreislauferkrankungen nicht immer genetisch bedingt. Wenn man sich die polygenen Ursachen anschaut, gehen nur ca. 32% auf genetische Ursachen zurück – jedoch fast 50 % der Herzkreislauferkrankungen in Deutschland gehen auf eine unausgewogene Ernährung zurück. Ernährung ist also unser Hauptrisikofaktor.

Die DGE-Ernährungsempfehlungen lauten wie folgt:

  • Fett 30-35 %
  • Kohlenhydrate 55-60 %
  • Protein 0,8 g/kg Körpergewicht (10-15 %)

Wobei die Qualität einen besonderen Standpunkt einnimmt. So sollten bevorzugt pflanzliche – mehrfach ungesättigte Fette, ballaststoffreiche, langkettige Kohlenhydrate und pflanzliches Protein bevorzugt werden.

Die PURE-Studie zeigte, dass eine Ernährung mit einem moderaten Fettanteil von etwa 35% mit dem geringsten Mortalitätsrisiko einhergeht – eine Erkenntnis, die in etwa der Empfehlung der DGE entspricht.

Ebenso wurde gezeigt, dass eine Ernährung mit hohem Kohlenhydratanteil (> 60%) mit einer erhöhten Sterblichkeit einher geht.

Diese Erkenntnis erlangte man auch in der ARIC-Studie, die zeigte, dass eine Kohlenhydratzufuhr von 50-55 % mit dem geringsten Mortalitätsrisiko einhergeht.

Die Meta-Analyse in der Studie mit über 400.000 Teilnehmern zeigte ebenfalls, dass sowohl ein zu niedriger (< 40%) und eine zu hohe Kohlenhydratzufuhr (> 70%) ein höheres Mortalitätsrisiko haben als eine moderate Zufuhr.

Eigentlich sollte doch somit in Deutschland alles in Butter sein, die Empfehlungen der DGE scheinen so in Ordnung zu sein.

Demgegenüber steht die stetig zunehmende Entwicklung des Diabetes.

Das hat natürlich Grunde: denn die Kohlenhydrate die wir essen sind leider keine Kohlenhydrate aus ballaststoffreichen Lebensmittel, sondern fast 50% nehmen wir in Form von Mono-/Disacchariden und raffinierter Stärke – die vor allem Mikronährstoffarm ist – auf.

Die Qualität der Makronährstoffe ist  wichtiger als die Frage der Nährstoffrelation.

Ebenso geht der Verzehr von Ballaststoffe und somit Vollkornprodukten  mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit, verminderter Inzidenz von koronaren Herzkrankheiten, vermindertem Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 und geringeren Risiko für die Entwicklung von Dickdarmkrebs einher.

Für den Verzehr von Eiern und Nahrungscholesterol gilt – ein zu viel ist nicht gesund. Eine Zufuhr von mehr als 200mg/d Nahrungs-Cholesterin scheint einen Einfluss auf unser Blut-Cholesterin-Wert zu haben und erhöht das CVD- und das Mortalitätsrisiko.

Das bedeutet nicht, dass wir keine Eier mehr essen dürfen, jedoch spielt auch hier ein Zuviel eine wichtige Rolle. Gerade wenn man sich eh schon unausgewogen ernähre und sich zu wenig bewegt.

Ganz wichtig schein zu sein, Lebensmittel möglichst frisch und selber zu zubereiten und weniger (industriell)verarbeitete Lebensmittel zu verzehren.

Resümee: die aktuellen Studien zeigen, dass die Empfehlungen der Fachgesellschaften in den vergangen Jahren waren gar nicht so verkehrt waren.

  • Low-Carb ist nicht per se gesünder als Low-Fet
  • Vollwertige Ernährung als Low-Fat und Low-Carb möglich: Qualität der Makronährstoffe scheint wichtiger als die Nährstoffrelation
  • Vollkorngetreide ist gesundheitsfördernd!
  • Zu viel gesättigte Fette sind so ungesund wie zu viel Zucker und raffinierte Stärke
  • Zu viel Nahrungscholesterol – vor allem gesättigte Fette sind ungesund
  • Hochverarbeitete Lebensmittel führen zur Gewichtszunahme

Dorina Fünffrock

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