Wie viel ist viel genug? Diabetologie im Studium

Diabetologie ist im Medizin-Studium oft nicht ausreichend vertreten und nur unzulänglich gelehrt. Darüber sind sich sowohl Studenten als auch Ärzte einig.

Das Paradox

Die Lehrstühle für Diabetologie sind von 22 auf 8 gesunken, obwohl diese Erkrankung jährlich steigende Prävalenzen und Inzidenzen bundesweit sowie weltweit aufweist. Auf diesem Paradox wurden wir mehrmals aufmerksam gemacht („Grundlagen Typ-2-Diabetes“, Prof. J. Seufert; „Diabetes in Studium und Facharztausbildung“, Dr. A. Weichard; „Versorgung von Menschen mit Diabetes“, Dr. M. Kellerer).

Adipositas zum Vergleich

Ja, den Defiziten in der Lehre müssen wir entgegenwirken. Aber wie? Was ist „ausreichend“ für einen Medizinstudenten für das Fach Diabetologie? Zum Vergleich sind die Adipositas-Erkrankungen mit nur einem integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum repräsentiert (IFB AdipositasErkrankungen, Leipzig). Übergewichtig ist aber jeder Zweite in Deutschland, doch dieses Fach wird kaum gelehrt und nur stückhaft in anderen Fächern erwähnt. Ähnlich verhält man sich in dem Studium mit der Diabetologie.

Lösung – Lehrplan-Dynamik gestalten

Was, wenn wir den Lehrplan und den Umfang des Lernstoffes an der Bedeutung der Erkrankung für die Gesellschaft anpassen würden? Epidemiologische Daten, Maß an Auswirkung der Erkrankung auf Lebenserwartung und -qualität sollten die Definition von „ausreichend“ in einem Fach mitbestimmen dürfen. Nur dann könnte man einen objektiven Lehrplan erstellen, der nicht von den Vorlieben von Vorsitzenden oder Politikern abhängig ist und an dem Bedarf in dem Versorgungssystem orientiert ist. Dann wird sich die Diabetologie in den medizinischen Fakultäten durchsetzen können.

Der Bedarf an einer modernen diabetologischen Lehre in den Medizinischen Fakultäten ist bei so vielen Diabetes-Patienten doch offensichtlich. Denn viel genug ist (in der Lehre), wenn es für den Bedarf ausreicht (Praxis)!

Ruth Busari,
Medizin-Studentin der Universität Leipzig

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