Wie man das Scheitern von Patientinnen und Patienten nicht selbst durchlebt

Allen Therapieempfehlungen und Absprachen zum Trotz, werden häufig vereinbarte Ziele in der Therapie des Diabetes mellitus von Patientinnen und Patienten nicht erfüllt. Eindringlich reden wir auf unsere Patienten ein. Informieren sie, schulen sie, warnen sie und behandeln sie lange Jahre. Nur um zu verfolgen, dass es ihnen nach und nach körperlich immer schlechter geht. Eigene Gefühle der Hilflosigkeit und des Scheiterns setzen ein. Folgende Frage drängt sich hier jedoch auf: wer scheitert hier eigentlich? Ich? Der Patient oder die Patientin? Beide?

Im Symposium „Umgang mit Scheitern: der Patient entscheidet sich anders“ verdeutlichten die Vortragenden, welche Rolle in der Behandlung solcher Patienten eingenommen werden kann, damit solche Fallstricke für einen nicht selbst zum emotionalen Strick werden. Hierbei ging es primär nicht darum, völlig unbeteiligt am Schicksal dieser Betroffenen zu sein, sondern darum, ihrer Entscheidungen isoliert von den eigenen Bedürfnissen an die medizinische Behandlung zu betrachten.

Als Behandelnde ist die eigene Aufgabe erfüllt, wenn wir unsere Leitlinien und die hieraus resultierenden Empfehlungen unseren Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe darlegen und dementsprechend (be)handeln. Wie ein Patient oder eine Patientin zu leben hat und letztendlich die hieraus resultierenden Entscheidungen und Konsequenzen – darauf haben wir so gut wie keinen Einfluss. Die Stärke und Wirkung unseres professionellen Handelns im Rahmen der Behandlung von Diabetes mellitus liegt in dem Wissen, welches wir haben, um eine adäquate Therapie durchzuführen.

Tagtäglich teilen wir dieses Wissen mit unseren Patientinnen und Patienten, um ihnen ein möglichst angenehmes Leben mit dieser Stoffwechselerkrankung zu ermöglichen. Tagtäglich informieren wir, schulen wir, warnen und behandeln.

Wenn Betroffene trotzdem scheitern sind wir bestürzt. Bis zu einem gewissen Maß ist das vollkommen in Ordnung. Ich kann mich hier jedoch vollumfänglich den Referierenden des Symposiums anschließen. Mitgefühl falls non-adhärente Patienten scheitern ist menschlich und sehr wichtig. Die Verantwortung für ihre Entscheidungen dürfen und müssen die Betroffenen am Ende selbst übernehmen.

Adrian Grimshaw

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