Wie effektive Prävention durch Bewegung gelingen kann – für alle

Im Ton rheinisch-locker, in der Botschaft ernsthaft und bestimmt: Im Symposium „Diabetes – Adipositas – Migration“ hielt Professor Joisten einen lebhaften Vortrag über die Gesundheitsrelevanz von Bewegung und Sport und über die Besonderheiten, die für Erwachsene und Kinder mit Migrationshintergrund im Alltag bedeutsam sind. Sie benannte die Hürden, die es zu überwinden gilt, damit Sport als Prävention und als Mittel gegen Adipositas gelingen kann.

Zunächst ging Professor Joisten auf den Wert von Sport in Bezug auf Gesundheit ein: „Bewegung ist Medizin“, so der Titel einer Publikation, die dies untermauert und die die Vielzahl der Erkrankungen benannte, bei denen Bewegung heilsam ist. Sie selbst hob jedoch besonders die Bedeutung des Sports für die soziale Teilhabe und die Integration hervor und schlug damit den Bogen zu ihrem eigenen Forschungsfeld, „Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen“. Denn rein zur Gewichtsreduktion sei Sport gar nicht so geeignet, wie man denken würde. Dass es für das Wohlbefinden dennoch von immenser Bedeutung ist, sei eben durch andere Faktoren erklärbar, wie auch durch die hormonelle Aktivität des Organs Muskel.

Im zweiten Block besprach Professor Joisten Daten zum Fitnessstand von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Wenn hier Migrationsgruppen ein geringeres Bewegungsausmaß aufweisen – was bedeutet das und wie gehen wir damit um? Hier wies sie jedoch besonders auf die Feinheiten und Besonderheiten in den Lebensrealitäten der Kinder und Erwachsenen hin. Sprachbarrieren, Schamgefühle, Health Literacy, der Zugang zum organisierten Sport bzw. Vereinssport, seien Aspekte, die es zu bedenken gilt, um entsprechende Daten richtig interpretieren zu können und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Menschen da abzuholen, wo sie stehen – ein Schwerpunkt ihres Vortrages. Sie schloss damit ab, die Infrastruktur von verschiedenen Bezirken in Köln zu beleuchten, um die Botschaft ihres Vortrages noch einmal zu verdeutlichen: Es reicht nicht, Erkenntnisse aus grundlagenwissenschaftlicher Forschung in paternalistische Empfehlungen für mehr Bewegung zu übersetzen.

Professor Joisten bezeichnet ihren Ansatz als „migrationsorientierte Denkweise“, denn nur wenn es gelingt, den Standpunkt der Menschen verstehen zu wollen und in Bezug auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eine lernwillige und offene Haltung einzunehmen, kann es gelingen, dass für mehr Bewegung die entsprechenden Infrastrukturen und geeigneten Angebote geschaffen werden. Dann kann effektive Prävention wirklich allen zugutekommen.

David Grossmann

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