Wenn der Schwerpunkt falsch gesetzt scheint – Kritik eines Students

Weltweit gibt es circa 425 Millionen Diabetiker. Jährlich erkranken 600 000 Menschen an Diabetes. Sechshunderttausend – das entspricht ungefähr der Größe von Düsseldorf.

Ein kleines bisschen Mathematik mit ‚Augenzwinkern‘:
1 Düsseldorf = 600.000 Menschen
425.000.000 Diabetiker weltweit = 708,33 „Düsseldorfs“
Das entspricht einem neuen Düsseldorf neue Diabetiker jedes Jahr

Ich bin zwar ursprünglich Berliner und kein Kölner, aber jährlich ein „Düsseldorf“ mehr? Das hört sich nach einer Katastrophe für mich an.

Sollte man nicht viel mehr gucken, wie man Düsseldorf verhindert und nicht nur, wie man es behandelt und im besten Fall wieder los wird? Ist es nicht für die Gesellschaft sinnvoller, Diabetes präventiv anzugehen – sollte man das nächste Düsseldorf nicht verhindern?

Adipositas ist für uns alle ein leidiges Thema. Ja, sie ist der größte Risikofaktor für das metabolische Syndrom. Ja, auf ihr basieren unsere Zivilisationserkrankungen. Ja, Adipositas verkürzt das Leben, die krankheitsfreien Jahre und damit auch die Arbeitsjahre. Nein, Diäten funktionieren nicht. Ja, wir können operieren und erzielen gute Ergebnisse. Aber: Dabei kann es zu Komplikationen und Nebenwirkungen kommen.

Das Wort „Prävention“ kommt im diesjährigen Kongressprogramm elf Mal vor. Es gibt einen Teilvortrag zur Prävention des Gestationsdiabetes, einen Teilvortrag zur Typ-1-Prävention, eine 7-minütige Vorstellung eines Präventionsprojektes bei türkisch-stämmiger Bevölkerung, wenige Folien über ‚bigdata‘ und digitale Möglichkeiten, einen kurzen Ausblick zur Prävention bis 2025 als Teilvortrag. Aber es gibt nur einen einzigen 90-minütigen Vortrag zur Diabetesprävention (Vorstellung der PLIS-Studie).

Wenn man die komplette Zeit auf dem Kongress, die sich mit Prävention beschäftigt, addiert und sie vergleicht mit der Gesamtvortragszeit, finde ich das unter dem Aspekt, dass die Behandlung der Adipositas so frustrierend schwierig ist, bemerkenswert wenig.
Es gab kein öffentliches Treffen der AG Prävention. Der letzte Tätigkeitsbericht ist von 2013/14.

Die Behandlung ist entweder sehr invasiv, funktioniert nicht langfristig bei vielen Menschen und „Heilung“ durch Lifestyle-Change existiert laut vielen Experten nicht. Wenn nicht die Diabetologen versuchen diese Krankheit zu verhindern, wer soll es dann tun?

Düsseldorf ist eine wunderschöne Stadt mit tollen Menschen, die dort leben. Brauchen wir aber jedes Jahr 600 000 neue Diabetiker, die wir behandeln oder sollte man vielleicht auch einfach den Schwerpunkt aufs Verhindern der Erkrankung legen?

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