Was Börsenkurse mit der automatischen Bauchspeicheldrüse zu tun haben

Die automatische Bauchspeicheldrüse: Ein Gerät, das völlig nebenbei und unauffällig für eine perfekte Stoffwechseleinstellung sorgt und somit den Betroffenen Stunde für Stunde, Tag für Tag, viel Arbeit abnimmt, das klingt nach einem Traum. Aber ist dieser vielleicht schon bald Realität?

Eingebettet in eine Reihe interessanter Vorträge gab Dr. Benesch aus Neuss am Donnerstag einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

2015 kürte das TIME Magazine den „artificial pancreas“ bereits als eine der bedeutendsten Erfindungen des Jahres. Doch was genau muss ein Gerät können, um als „artificial pancreas“ zu gelten?

Die Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) nennt hierfür sechs aufeinander folgende Stufen: Zunächst müsse es eine automatische Hypo-Abschaltung der Pumpe geben. Diese soll dann optimiert bereits bei drohender Hypo reagieren, indem ein bestimmter Algorithmus den tiefen Blutzucker und den sinkenden Trend erkennt und diese Information an die Pumpe meldet.

Diesen Stufen folgt eine ähnliche automatische Antwort im Bereich hoher Blutzuckerwerte, sodass die Pumpe in diesem Fall dem Körper mehr als die normale Basalrate an Insulin bereitstellt.

Zum perfekten „artificial pancreas“ fehlen nun nur noch ein kompletter Regelkreis und schließlich ein Multi-Hormon-System, das dem Körper neben Insulin auch Glucagon in den richtigen Mengen gibt – und das natürlich automatisch.

Was davon ist bereits umgesetzt, woran tüfteln viele kluge Köpfe noch?

Systeme der 1. Generation, die bei drohenden Hypos die Insulinabgabe stoppen, gibt es in Deutschland bereits, beispielsweise die „Medtronic 640G“.

Anders verhält es sich mit Pumpen der 2. Generation, die automatisch nach unten und oben korrigieren sollen. Erste Produkte sind in der EU ab April 2018 zu erwarten, zum Beispiel die „Medtronic 670G“. Aber auch andere Firmen sind vertreten: Das „International Diabetes Closed Loop Consortium“ beginnt dieses Jahr mit einer Studie, die Uni Cambridge plant ebenfalls eine Kommerzialisierung ihres Systems und – nun kommen die Börsenkurse ins Spiel – auch „Bigfoot Biomedical“ ist auf dem Weg, ein solches Gerät zu vermarkten. Dieses Unternehmen wurde unter anderem von einem Vater eines an Typ-1-Diabetes erkrankten Jungen gegründet, der sich dachte, dass zwischen seinem bisherigen Beruf als Vorhersager von Börsenkursen und dem Verlauf von Blutzuckerwerten doch einige Parallelitäten bestehen.

Auch für Geräte der 3. Generation laufen bereits Studien. Sowohl „Inreda Diabetic“ aus den Niederlanden als auch „Beta Bionics“ entwickeln Systeme mit 2 Pumpen und Sensoren, die eine ideale Insulin und/oder Glucagonabgabe steuern sollen. Wann genau diese allerdings marktreif sind, wird sich erst noch zeigen.

Eine voll und ganz selbstständige künstliche Bauchspeicheldrüse – das wäre sicherlich ein großer medizinischer Durchbruch, der das Leben vieler Menschen verändern würde. Es bleibt also mehr als spannend, zu verfolgen, was die nächsten Jahren bringen und welche Rolle diese Systeme vielleicht schon auf dem nächsten DDG-Kongress spielen werden.

 

Ein Gedanke zu “Was Börsenkurse mit der automatischen Bauchspeicheldrüse zu tun haben

  1. Es freut mich, dass es Fortschritte gibt, die eine große Entlastung für Typ 1 Diabetiker im Alltag bedeuten könnten. Jedoch ist die Realität, diese technischen Errungenschaften nutzen zu dürfen, eher sehr gering. Selbst eine Insulinpumpe zu bekommen, ist inzwischen kaum noch möglich. Geschweige denn cgm/fgm. Wirtschaftliche Entscheidungen der KK’s, (allem voran die großen Kassen) stehen vor Verhinderung möglicher Folgeerkrankungen. Solange diese Missstände nicht behoben werden, stehe ich dem ganzen eher skeptisch gegenüber.

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