Wäre es nicht manchmal cool, als Diabetologe ein Jedi-Meister zu sein?

„Das sind nicht die Druiden, die ihr sucht.“ Ausgebildete Jedi benutzen ihren Geist um Gegner zu beeinflussen und Obi-Wan Kenobi war ein Meister darin. Mit dem Jedi-Geistestrick überzeugt er einen imperialen Suchtrupp, dass R2-D2 und C3PO nicht die Droiden sind, die das Imperium verfolgen. „Weitermachen!“ befiehlt der Jedi. Wenn das nur im echten Leben funktioniert würde…

Wie wunderschön einfach wäre es doch, wenn man als Arzt die Patienten so schnell wie ein Jedi dazu kriegen würde, die Tipps zum Lebensstil umzusetzen?!

„Sie müssen abnehmen“, „Drei bis fünf Mal pro Woche Sport ist essentiell wichtig“, „Lassen Sie die Kohlenhydrate einfach weg“, „Verzichten Sie auf Süßigkeiten“. Der Patient nickt, verlässt die Praxis und kommt zwei Monate später mit 7Kg mehr auf der Wage und einem nun manifesten Typ-2-Diabetes wieder. Sie sind enttäuscht. Von dem Patienten, aber auch von sich selbst. Haben Sie hier als Arzt versagt? Warum hört der Patient nicht auf Sie?! Weiß er denn nicht, dass das so Selbstmord auf Raten ist??

Doch, Patienten wissen das. Sie wissen, was sie dick und krank macht. Sie wissen, dass sie mehr Sport treiben müssen. Dass Kohlenhydrate mit Schuld sind.

Laut Dipl. Psych. Susan Clever stehen Menschen Verhaltensänderungen immer ambivalent gegenüber. Na klar,  jeder will gesund sein und lange leben, aber die Schokotorte schmeckt nun mal auch gut. Ärzte denken immer, die Patienten bräuchten Informationen zum richtigen Verhalten. Oft wissen Sie aber schon wie der Hase laufen sollte. Was brauchen denn Patienten nun? Manchmal brauchen Sie nur jemanden, der ihnen hilft genau das in ihr eigenes Leben zu integrieren. Aber auch hier ist der Patient derjenige, der sich am besten kennt. So rät Frau Clever dazu, dass man im ärztlichen Gespräch eben diese Autonomie des Patienten betont, die eigenen Ressourcen aktiviert und vor allem Scham vermeidet. Es gibt keine Evidenz, dass dies auch nur ansatzweise dem Patienten helfen würde.

Viele Übergewichtige befinden sich in einem Teufelskreis der Scham, des Vermeidungsverhalten (Isolation) und der Frustbekämpfung (z.B. durch Essen).

Wie erreicht man aber nun den Patienten, der die Tipps nicht befolgt? Frau Clever rät zur Suche „nach dem guten Grund“. „Sie gehen nicht zur Nordic Walking Gruppe, bestimmt haben Sie einen guten Grund dazu.“ Man erkennt an, dass der Patient diese Entscheidung bewusst und eigenständig trifft. Oft findet man so heraus, was der Grund ist und ob dieser subjektiv Sinn ergibt oder nicht. Man respektiert die Ansichten des Patienten, man erkennt die Ambivalenzen an, kann als Gesprächstechnik zusammenfassen und nach Erlaubnis fragen, Rat geben zu dürfen. Auch im stressigen Alltag des Arztes mit Zeitdruck sollte man versuchen, mit dem Patienten zusammen herauszufinden, wie der Patient was am besten umsetzen kann. So stärkt man das Selbstbewusstsein und so verbessert sich die Complience und das Selbstmanagement des Patienten.

Was passiert aber, wenn der Patient abblockt oder wenn er alles abnickt und trotzdem nichts umsetzt? Sind wir dann schlechte Therapeuten?

Nein. Über das Verhalten anderer Menschen haben wir keine Kontrolle. Niemand kann sie dazu zwingen und manchmal ist das Problem nicht lösbar. Erkennen wir dies an, fühlen wir uns nicht mehr hilflos oder sogar inkompetent. Wir schützen uns so selber vor „ungesundem Verhalten“.

Wir können (leider) nicht einfach in einem braunen Umhang gehüllt mit der Hand winken und andere Menschen dazu bringen, Dinge zu tun. Weg von „Machen Sie das“, hin zu „Was meinen Sie, ist die Lösung? Sie kennen sich ja schließlich am besten!“.

Möge die Macht mit Ihnen sein.

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