Von der Stimmgabel zur Smartphone-App – Neue Diagnostik-Wege in der Polyneuropathie

Unkonventionell – was könnte in einem Programm mit einer Vielzahl an verheißungsvollen Themen aus der Masse herausstechen, wenn zwischen mehreren gleichzeitig laufenden Symposien entschieden werden muss? Diese Frage haben mehr Kongress-Teilnehmer mit „Unkonventionelle Diagnostik bei Neuropathie“ beantwortet, als der Saal Sitzplätze geboten hat. Passenderweise begann PD Dr. Ovidiu Alin Stirban augenzwinkernd mit den Worten, er habe einen unkonventionellen Titel für sein Thema gesucht.

Ein großes Problem der distalen sensorischen Polyneuropathie (DSPN) ist, dass sie häufig nicht erkannt wird. In einer Studie von Ziegler et al. (2018) wurde gezeigt, dass die schmerzhafte DSPN bei bekanntem Diabetes in 62% der untersuchten Fälle nicht diagnostiziert wurde, bei der schmerzlosen DSPN waren es sogar 81%.

Das ist ein Anlass, die aktuellen Möglichkeiten der Diagnostik vorzustellen, die sich seit dem Stimmgabeltest um einige Ergänzungen weiterentwickelte. Zu empfehlen wären neben aufwändigeren Maßnahmen wie QST oder Hautbiopsie einerseits das Neuropad, ein Pflaster zur Messung der Schweißsekretion am Fuß – ein schnelles und objektives Screening oder andererseits der DPNCheck zur einfachen Messung der NLG des Suralnervs.

Und da es nichts gibt, wofür es nicht auch eine App gibt, wurde eine freiverfügbare App entwickelt, die mittels Vibration am Fuß den VPT (Vibration Perception Treshold) bestimmt und so als breite Screeningmaßnahme angewendet werden kann. Wenn sich der Diabetes weiter ausbreitet, könnte so die Jugend von heute – also die Diabetiker von Morgen bald ihre DSPN selbst diagnostizieren. Unkonventionell, aber falls es sich bewährt, ein einfach anzuwendendes Screening.

Miriam Schwarzenauer

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