Von Baklava bis Ramadan – Versorgung von Migranten mit Diabetes

Fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Laut Schätzungen sind etwa 600.000 von ihnen an Diabetes mellitus erkrankt. Mit der anhaltenden Flüchtlingsbewegung werden viele weitere Patienten hinzukommen.

Türkische Frauen mit Kopftüchern

Fotolia/Mumpitz

Im Gesundheitswesen laufen energische Debatten um die Versorgung von kranken Flüchtlingen. Im November 2015 trat das Asyl-Beschleunigungsgesetz in Kraft. Mit diesem wurde auch die Gesundheitskarte für Flüchtlinge eingeführt. Dennoch gibt es noch viele Unklarheiten: So sind sich Ärzte beispielsweise unsicher, inwiefern sie chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus überhaupt behandeln dürfen. Laut dem Asylbewerberleistungsgesetz ist die Voraussetzung für eine medizinische Behandlung nämlich das Auftreten von akuten Erkrankungen oder Schmerzzuständen. Aber darf man einen Flüchtling erst dann behandeln, wenn er zum Notfall geworden ist – zum Beispiel aufgrund einer schweren Hypoglykämie?

 
Doch auch Menschen mit Migrationshintergrund, die schon länger in Deutschland leben, sind deutlich schlechter versorgt, als die Gesamtbevölkerung. Wegen der Sprachbarriere haben Ärzte und Diabetes-Schulungspersonal Mühe damit ihre Patienten richtig aufzuklären und zu untersuchen. Aber auch kulturellen Unterschiede, führen häufig zu Missverständnissen. Insbesondere in muslimischen Ländern gibt es religiös bedingte Ernährungsgewohnheiten, mit denen Ärzte und Pflegende nicht vertraut sind. Häufig kommen Versorgungsangebote auch gar nicht erst beim Patienten an, weil sie in der Arztpraxis nur In deutscher Sprache ausliegen.

 
Die AG „Diabetes und Migranten“ der DDG setzt sich dafür ein die Therapie und Behandlung von Menschen mit Diabetes und Migrationshintergrund zu verbessern, indem sie sich für eine kultursensible Beratung von Migranten einsetzt. Bei regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen bereiten Experten Ärzte und Diabetesberater auf den Umgang mit ausländischen Patienten vor. Auf der Website der AG gibt es Informationsmaterial zum Thema Diabetes in verschiedenen Sprachen. Dort finden Ärzte auch Empfehlungen, wie sie mit kulturellen Unterschieden am besten umgehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.