Viel Zucker, wenig Kinder?!

Die Geburtenrate in Deutschland liegt bei 759.000 Geburten, davon 6.745 Kinder mit einem präkonzeptionell bekannten Diabetes mellitus der Mutter (0,89%). Davon ist die Mehrzahl an Typ-2-Diabetes (0,6-0,7%), ein Minderteil an Typ-1-Diabetes (0,3-0,4%) betroffen. Wie sieht es bei den Frauen aus, bei denen in der Schwangerschaft zum ersten Mal erhöhte Blutzuckerwerte auffallen? Goldstandard zur Sicherung der Diagnose „Gestationsdiabetes“ ist ein 75g oraler Glucose-Toleranz-Test (oGTT), welcher in der 24-28 SSW durchgeführt werden sollte.

Bewertung der Testergebnisse des 75g oGTT

Als Gestationsdiabetes wird das Erreichen oder Überschreiten von min. 1 der 3 Grenzwerte im venösen Plasma gewertet (s. Tab.).

Von 2002 bis 2010 hat sich die Häufigkeit des Gestationsdiabetes mehr als verdoppelt. Seit 2012 ist die Prävalenz des GDM erneut um 20% gestiegen.

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Woran liegt das?

Diabetes steht in einem engen Zusammenhang zum Körpergewicht. Der Anteil an übergewichtigen (BMI 25-29,9kg/m2) und adipösen (BMI >30kg/m2)  Frauen in Deutschland verteilt sich wie folgt:

  • 30%    der 18-29 jährigen Frauen
  • 38%    der 30-39 jährigen Frauen
  • 40%    der 40-49 jährigen Frauen

Und nun die Fragen der Fragen: Geht ein erhöhtes Gewicht mit einer verminderten Konzeption einher?

Ja!

Die Chance einer Konzeption innerhalb eines Jahres ist bereits ab einem BMI von 26kg/m2 reduziert (89,4% BMI 20-25kg/m2 vs 82,7% BMI > 25kg/m2). Die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption nimmt auch bei normalem Zyklus/Ovulation ab einem BMI von 29kg/m2 linear um 4% pro 1kg/m2 Gewichtszunahme ab. Die Zahl der Kinder mit einem Gestationsdiabetes der Mutter liegt bei 40.640 (5,4%).

Wie sieht es bei Frauen mit Typ-1-Diabetes aus?

Die Fertilität von Frauen mit Typ-1-Diabetes unterscheidet sich kaum im Vergleich zu der Fertilität stoffwechselgesunder Frauen!

  • Zyklusstörungen normalisieren sich häufig bereits unter der intensivierten Insulintherapie
  • Bei Kinderwunsch also hoher Stellenwert der Stoffwechseloptimierung zur Sterilitätsbehandlung
  • Vor der Sterilitätsbehandlung sollte eine Diagnostik und Therapie bestehender Begleiterkrankungen erfolgen
  • Frühzeitige Klärung der Ätiologie der Sterilität gemeinsam mit einem Zentrum für Reproduktionsmedizin

Ausgang der 1. SS und schwerwiegende Ereignisse in der 2. SS (Tennant et al. Diabetes Care 2015)

Ausgang 1. SSPerikonzeptionelle HbA1c-Wert der 2. SS, DCCT-Standard (5%)Anteil (%) eines schwerwiegenden Ereignisses in der 2. SS (95%-KI)
Lebendgeburt und lebendes Kind bis Ende des 1. Lebensjahres<7,0
7,0-7,9
8,0-8,9
9,0-9,9
>10
6,5 (2,1-10,9)
8,3 (3,6-13,0)
11,1 (5,8-16,4)
14,9 (8,2-21,6)
25,9 (11,8-40,1)
Spontaner fetaler Tod, Kindstod oder kongenitale Majorfehlbildung <7,0
7,0-7,9
8,0-8,9
9,0-9,9
>10
15,2 (5,3-25,0)
18,9 (8,6-29,2)
24,3 (13,3-35,2)
31,1 (18,6-43,6)
47,3 (28,0-66,6)

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Fertilität bei Frauen mit Typ-1-Diabetes nicht eingeschränkt ist – entscheidend ist die optimale Stoffwechselkontrolle präkonzeptionell. Die Fertilität bei Typ-2-Diabetes und GDM ist im Wesentlichen durch Übergewicht/Adipositas beeinträchtigt. Bei Männern mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes kann die Spermienqualität unabhängig vom HbA1c beeinträchtigt sein. Die Risiken von Mutter und Kind in der Schwangerschaft sind bei Diabetes erheblich höher, als bei stoffwechselgesunden Schwangeren, entscheidend für das „Outcome“ ist die Qualität der Glukosestoffwechsellage und die Folsäuresupplementierung (800µg/d) 8 Wochen präkonzeptionell.

Dorina Fünffrock

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