Therapietreue – gesagt ist nicht getan!

Arzneimittel können nur wirken, wenn sie wie verordnet vom Patienten eingenommen werden! Dass dies nicht immer der Fall ist, machte der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Bernhard Kulzer in dem spannenden Symposium zum Thema „Welche Medikamente nehmen Menschen mit Diabetes nicht ein“ deutlich.

Das Nicht-Erreichen der Therapieziele ist oftmals durch eine vorhandene Non-Adhärenz bedingt. Rund jede 5. Tablette wird von den Patienten nicht regelmäßig eingenommen. Da Diabetes häufig begleitet wird von weiteren Erkrankungen, ist es nicht verwunderlich, dass Diabetespatienten eine Polypharmazie aufweisen. Mit zunehmender Anzahl an einzunehmenden Arzneimitteln steigt das Risiko für das Auftreten von arzneimittelbezogenen Problemen und damit die Gefahr von Non-Adhärenz. Patienten gelten als adhärent, wenn die durchschnittliche Anzahl an Tagen mit einer ausreichenden Medikamentenversorgung <80% beträgt, was durch die „medication possession ratio“ beschrieben wird. Dieses Ziel erreichen jedoch im Durchschnitt nur etwa 65% der Diabetespatienten. Es gibt viele Gründe, wieso Patienten ihre Arzneimittel nicht einnehmen: Patienten vergessen die Einnahme, sie vergessen, rechtzeitig ihre Medikamente neu verordnen zu lassen, oder sie vergessen die Einnahme im Urlaub. Bei anderen Patienten treten Nebenwirkungen auf oder sie sind der Ansicht, dass die Arzneimittel nicht wirken und lassen sie daher weg.  

Interessant waren die Ergebnisse einer Untersuchung, bei der Hausärzte und ambulante Diabetologen befragt wurden, wie sie die Therapietreue ihrer Patienten einschätzen. Die Diabetologen glauben, dass 78% ihrer Patienten die Arzneimittel auch wie verordnet einnehmen. Hausärzte sind da etwas realistischer und schätzen die Adhärenz auf 69% ein.

Die Auswirkungen von Non-Adhärenz sind beträchtlich: Non-Adhärenz führt nicht nur zu höheren Kosten, sondern bedingt mehr Hospitalisierungen und der Mortalitätsfaktor steigt erheblich. Daher müssen Lösungen für das Adhärenzproblem gefunden werden! Die Entwicklung von technischen Hilfsmitteln ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus sollte der Patient in die Behandlung eingebunden werden. Seine Adhärenz sollte regelmäßig und strukturiert erfragt werden. Wir als Fachleute sollten die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker fördern, um arzneimittelbezogene Probleme frühzeitig zu identifizieren, Interventionsvorschläge zu erarbeiten und Lösungen zu finden, um gemeinsam die Arzneimitteltherapie unserer Patienten zu erhöhen und die Adhärenz der Patienten zu fördern.

Michaela Pohl

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