Teaching is treatment

Unter diesem Motto stellte Professor Kulzer aus Bad Mergentheim das Thema „Wertigkeit von Schulungen im internationalen Vergleich“ vor.

In dem gut gefüllten Sitzungssaal Stolte ging es am Donnerstag um das wichtige Thema der Schulungen. Nachdem ich noch einen der begehrter Plätze auf dem Boden in einem sonst restlos gefüllten Saal ergattertert hatte, begann ein spannender Einblick in die Geschichte der Diabetesschulung in Deutschland. Obwohl der Diabetes schon in der Antike bekannt und der „honigsüße Durchfluss“ 1675 von Thomas Willis beschrieben wurde, gibt es erst seit 1983 eine gesonderte Schulung zum Diabetesberater oder zum Diabetesassistenten. Neben den Toten Hosen ist Düsseldorf also auch die Heimat dieser Berufsgruppe. Prof. Kulzer stellt da, dass jährlich in Deutschland etwa 200 Diabetesberater und 200 Diabetesassistenten ausgebildet werden. Dies sei im internationalen Vergleich sehr gut, zur optimalen Behandlung der über 6 Mio. Betroffenen in Deutschland allerdings noch zu wenig. Interessant zu erfahren war, dass bei der Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 eine Schulung Pflicht ist, während sie bei Typ 2 nur durchgeführt werden sollte.

Schulungen senken Mortalität und Spätkomplikationen

Auch die Ergebnisse der DAWN Studie (Diabetes Attitudes, Wishes and Needs), welche zum Ziel hatte, die Ansichten, Wünsche und Nöte sowohl der Betroffenen als auch der Behandler zu erfassen, wurden vorgestellt. Es wurden Daten aus 13 Ländern erhoben und verglichen. In Deutschland zeigten sich besonders wenige diabetesbezogene Belastungen bei den Betroffenen, welches besonders den guten und vielfältigen Schulungssystemen zuzuschreiben sei.Insgesamt schaff es Deutschland im internationalen Vergleich zusammen mit Kanada an die Spitze in Sachen Diabetesschulungen. Verbessert werden müsse aber noch die Mitschulung der Angehörigen, diese können nicht abgerechnet werden und werden daher oft vernachlässigt. Im Vergleich der 47 europäischen Länder gab es nur für sechs Länder die Note sehr gut in Sachen Schulung. In nur neun Ländern gibt es eine spezielle Fort-und Weiterbildung zum Diabetesberater, in den restlichen Ländern wird diese Funktion durch normale Krankenschwestern mit übernommen.

HbA1c kann durch gute Schulungen um 0,5-0,7% gesenkt werden

Zu guter Letzt präsentiert Professor Kunzer die Schulungssysteme anderer Länder. Es wäre interessant gewesen, darüber noch ein bisschen mehr zu erfahren und zu schauen, was man auch in Deutschland übernehmen könnte, doch leider sind es nur noch einige Minuten. In Frankreich findet die Schulung meist noch im ambulanten Setting statt, in speziellen Zentren am Krankenhaus, wobei Ernährung und Diät im Vordergrund stehen, was Prof. Kunzer als „nicht mehr zeitgemäß“ einstuft. In Dänemark oder Holland hingegen traut man den Patienten ein bisschen mehr technisches Geschick zu und schult durch Online-Programme. England wird als vorbildlich in Sachen flächendeckender Prävention hervorgehoben, doch wie die das jetzt genau machen, hätte mich noch interessiert, aber gut dafür gibt es ja Google.

Nach dem tosenden Applaus schließt sich die Fragerunde an und nach einem zögerlichen Beginn wird es doch noch ganz interessant. Es wird nach harten Endpunkten von der Behandlung durch Schulung gefragt und ja, die gibt es! 2016 sei eine Studie erschienen, die zeige, dass durch Schulungen sowohl die Spätkomplikationen, als auch die Mortalität durch Diabetes gesenkt werden könne. In diesem Sinne, teaching is treatment.

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