Neue Klassifizierungen des Typ-2-Diabetes und Prädiabetes – Der schnelle Weg in die Klinik?

Dass Typ-2-Diabetes, der frühere „Altersdiabetes“, nicht so simpel ist, wie am Anfang gedacht, ist sicherlich längst bekannt. Warum bekommen einige Menschen Diabetes und andere nicht, auch wenn sie augenscheinlich die gleichen Voraussetzungen haben? Diese Frage ist bisher ungeklärt und beschäftigt sowohl Wissenschaftler, als auch Ärzte. Durch neue technische Möglichkeiten ist bereits bekannt, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Zusätzlich wurden kürzlich weitere Faktoren festgestellt, die in Kombination eine Rolle bei der Manifestation und dem Fortschreiten des Typ-2-Diabetes und seiner Begleiterkrankungen spielen können. So ermöglichen u.A. das Alter bei Diagnose des Diabetes und eine Schätzung der Insulinkapazität der Bauchspeicheldrüse nach Ahlqvist et al. [1] eine Klassifizierung in 5 Cluster des Typ-2-Diabetes. Diese Cluster erlauben nicht nur eine genauere Klassifizierung, sondern zeigen auch eine Tendenz bestimmter Typen zur Anfälligkeit für Nebenerkrankungen wie diabetische Nephropathie oder Retinopathie1.  

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Neue Antidiabetika: Aus Alt mach Neu

Erst vor kurzem wieder populär geworden durch die Serie „Game of Thrones“ bekommt der Mohn wieder volle Aufmerksamkeit. Auch im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lammert beim Diabetes Kongress 2019 in Berlin rückt der berühmte Mohnblumensaft wieder in den Vordergrund.

Damals bekannt als Mohnblumensaft (Milk of the poppy) wurden die darin enthaltenen Morphine bereits in der Jungsteinzeit als Schlafmittel eingesetzt und auch um Schmerzen zu lindern. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Arzneistoff auch für viele weitere Anwendungsgebiete bewährt, wie Bluthochdruck oder als Zusatz in Hustensäften. Ebenfalls in Hustensäften zu finden ist heutzutage Dextromethorphan, ein synthetisch hergestelltes Morphin, das weniger eine Affinität zu Opioid-Rezeptoren besitzt als für NMDA-Rezeptoren. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Lammert herausgefunden, dass Dextromethorphan auch den Blutzuckerspiegel senkt. Sowohl bei Mäusen, als auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) konnte nach Verabreichung des Wirkstoffs eine erhöhte Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden. Somit konnte in Langzeitstudien der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Glukosetoleranz verbessert werden. Weiterhin soll dieser Arzneistoff den Zelltod der Betazellen vorbeugen und somit wie ein Schutzschild wirken.

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Werden Medikamente gegen Übergewicht bald Realität?

Eine Empfehlung für jeden Kongressbesucher: die Langerhans-Vorlesung im Rahmen der Preisverleihung der Paul-Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes Gesellschaft – in diesem Jahr verliehen an Matthias Tschöp.

Prof. Tschöp – seit 2018 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums Münchens – erforscht unter anderem Poly-Agonisten als potenzielle Medikamente für Typ-2-Diabetes und so auch der Titel seiner Vorlesung: „Poly-Agonisten für Typ-2-Diabetes: Entdeckung, Mechanismen und klinische Wirksamkeit“.

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Das Beste der Hormone gegen Typ-2-Diabetes!

Warum sind neue Wege in der Diabetestherapie erforderlich? Diese Frage beantwortete Dr. Müller direkt zum Auftakt des DDG-Stipendiatenprogramms in seinem Vortrag: Die zunehmende Adipositas-Epidemie, der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, ist nicht durch konservative Behandlungen einzudämmen. Da auch die zurzeit existierenden pharmakologischen Therapien wenig effektiv sind, werden dringend Alternativen benötigt.

„So weit so gut“ oder „von der Theorie zur Praxis“ – wie es sich im Falle des DDG-Kongress sagen lässt: Denn, wie neue Wege in der Diabetes-Therapie aussehen können, erläuterte nicht nur Dr. Müller im weiteren Verlauf seines Vortrags. Nur zwei Tage später wurde Professor Tschöp für die Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Typ-2-Diabetes vom DDG ausgezeichnet. Über 13 Jahre lang arbeitete Tschöp gemeinsam mit dem Chemiker Professor DiMarchi an der Entwicklung so genannter Poly-Agonisten. 

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Feinstaub und Diabetes – Die Luft macht’s?

In den umwelt- und gesundheitspolitischen Debatten der letzten Jahre wurde die Feinstaubbelastung durch den motorisierten Straßenverkehr in den Innenstädten, durch den Braunkohlebergbau im Rheinischen Revier und der Lausitz oder auch durch die Binnenschifffahrt immer wieder thematisiert und prägt nach wie vor den öffentlichen Diskurs. Die Feinstaubbelastung, ein zivilisatorisches Problem, ist dem globalen Eintrag an verschiedenen Anthropogenen geschuldet. Hierbei stehen ultrafeine Stäube und Nanopartikel, mit einer Größe < 100 nm in städtischen Gebieten im Fokus.

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Proteine für ein langes Leben

Eine ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil sind das A und O für ein gesundes und langes Leben. Doch was passiert, wenn im Alter der Appetit nachlässt, sich die Lebensmittelvorlieben ändern und/oder es aufgrund einer eingeschränkten körperlichen Aktivität zu einer einseitigen Ernährung kommt? In der Session „Aktuelles zu Ernährung und Lebensstil bei Typ-2-Diabetes“ berichtete Dr. Sabine Goisser über die Rolle des Proteins im Alter.

Protein steht bei älteren Menschen besonders im Fokus, da es im Alter häufig zu einer verringerten Proteinaufnahme bei gleichzeitig verminderter Verwertung des aufgenommenen Proteins kommt. Des Weiteren kann der Proteinbedarf aufgrund von entzündlichen und/oder katabolen Erkrankungen im Alter zusätzlich erhöht sein. Diese Faktoren können zu einem Proteinmangel führen, der mit einem Verlust der Funktionalität von Muskeln, Knochen und Immunsystem einhergeht. Ein Muskelabbau als Konsequenz einer mangelnden Proteinaufnahme im Alter wirkt sich negativ auf die Muskelkraft und die Nährstoffreserven im Muskel aus. Dies führt zu einer verringerten Mobilität und Belastbarkeit und ist mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden. Zusätzlich sinkt auch der Energieverbrauch durch den Muskelabbau, wodurch es zu weiteren Nährstoffdefiziten bis hin zu einer Mangelernährung kommen kann.

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Welcher Blutdruck darf es sein?

Eine konsequente Blutdruckeinstellung bei Typ-2-Diabetikern ist von großer Bedeutung. Die richtige Einstellung des Bluthochdrucks bei Diabetikern ist ein zentraler Baustein in der Prävention von (kardiovaskulären) Folgeerkrankungen. Doch was ist ein optimaler Blutdruck? Und wie ist dieser am besten zu erreichen?
Prof. Dr. Schmieder (Erlangen) gab in seinem Vortrag „Therapie der Hypertonie: Was sind optimale Blutdruckwerte bei Diabetes?“ einen strukturierten Überblick über die neuesten Empfehlungen der European Society of Cardiology (ESC).

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Autofahren mit Diabetes und Hyporisiko: gute Idee?

In der Sitzung „Diabetes & Autofahren“ des Ausschusses Diabetes und Soziales der DDG wurde der aktuelle Stand zur Leitlinie Diabetes und Führerschein vorgestellt. Das Thema Autofahren spielt im Alltag von betroffenen Patienten eine große Rolle.

Leuchtende Verkehrsampel

Quelle: ccvision

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Testosteron und Diabetes – was hat das miteinander zu tun?

Von Tobias Baumgartner

Ein Typ-2-Diabetes kommt selten allein. Meistens tritt er in Kombination mit vielen anderen Krankheiten auf. Diese Woche habe ich eine Studie entdeckt, die aufzeigt, wie sehr Diabetes auch mit anderen Hormon-Kreisläufen interagiert. Weiterlesen