Alle Jahre wieder…

Was beim Impfen von Menschen mit Diabetes nicht vergessen werden darf

Pflichtbeitrag im Rahmen des Reisestpendiums der DDG zur Herbsttagung 2019 in Leipzig, verfasst von Konrad Didt

Alle Jahre wieder ist auch auf der Nordhalbkugel Grippe-Saison. Der hoch ansteckenden und teils lebensbedrohlichen Viruserkrankung sei bis heute nur mit einer ausreichenden Impfung der Bevölkerung beizukommen, so Prof. Dr. Wolfgang Pfister, Facharzt für Mikrobiologie in Jena. Zur Vortragsreihe „Diabetes und Hygiene“ während der Herbsttagung der DDG stellte er anhand von mehreren aktuellen Beispielerkrankungen dar, dass Menschen mit Diabetes eine besondere Sorgfalt beim Impfen zukommen muss. So falle diese Patientengruppe laut den Empfehlungen der STIKO in die Kategorie der zu Impfenden mit Stoffwechselstörungen und dies habe für die Einhaltung des Impfkalenders teils erhebliche Unterschiede zur Folge, die Beachtung finden müssten. Als konkretes Beispiel lieferte Pfister bei der Indikationsimpfung gegen Herpes Zoster die Vorverschiebung des Impfalters von 60 auf 50 bei bestehendem Diabetes mellitus. Gemessen an der Prävalenz sowohl des Diabetes als auch der Gürtelrose ist dieser kleine Fakt bereits von ungeheuerer Relevanz wegen der schieren Anzahl an vermeidbaren Krankheitsfällen und Spätkomplikationen wie der Post-Zoster-Neuralgie. Diese und weitere wichtige Informationen aus dem Vortrag wären bestimmt auch für andere interessant gewesen, jedoch hatte die Vortragsreihe das schwere Los gezogen, am Ende der Herbsttagung zu stehen, so dass nur wenige ihr beiwohnen konnten. Ich wünsche mir daher, dass auch bei künftigen Veranstaltungen der DDG das Thema Hygiene präsent ist!

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Grünes Licht für gesunde Ernährung?!

Es ist allseits bekannt, dass die Flut an Diabetes größten Teils dem ständigen Überangebot an Nahrung geschuldet ist. Die Wahrnehmung hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert, doch noch immer gibt es keine eindeutige Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel und das erlaubt weiterhin viele Schlupflöcher für Zuckerfallen. Barbara Bitzer gab auf dem Deutschen Diabetes Kongress einen erschreckend interessanten Einblick in die aktuelle Ernährungspolitik. Um gezielt gesunde Ernährung umzusetzen, werden in vielen Ländern Nährwertkennzeichnungen eingeführt, wie z.B. der Nutri-Score.

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Ein Herz für die Diabetologie – Vielfalt (Er)leben

Präzisionsmedizin und individualisierte Medizin werden heute großgeschrieben. Klar bleibt jedoch, dass individualisierte Medizin nur dann existieren kann, wenn hierfür interdisziplinär Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu gehört nicht nur das Eingeständnis, dass man andere Fachdisziplinen braucht, sondern auch ein ständiger Realitätscheck: Medizin fließt, ist keine Einbahnstraße und zwischen ihr und der Wissenschaft stehen manchmal unsere eigene Biases. All diese Punkte waren beim diesjährigen Diabetes-Kongress der DDG präsent: Die Devise “Diabetologie ist ein jung gebliebenes und vielfältiges altes Fach” zog sich durch die gesamte Veranstaltung.

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Antidiabetika in der kardiovaskulären Prävention

Im Rahmen der Session „Neue Superheldinnen und Superhelden in der kardiovaskulären Prävention?“ beleuchtete Herr Professor Marx (Uniklinik RWTH Aachen) die Evidenz für die medikamentöse Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 hinsichtlich dessen Nutzen für die kardiovaskuläre Prävention.

Zunächst wurden einige ältere Outcome-Studien zur intensivierten gegenüber konventioneller Glukose-senkenden Therapie angeführt, welche die Basis für die für jeden Patienten individualisierte Therapie des Diabetes legten.  Die damaligen Empfehlungen der American Diabetes Association von 2015 zeigten vom kardiologischen Standpunkt aus noch keine Präferenz für eine bestimmte Medikamentenklasse. Nun wurden die von der FDA geforderten kardiovaskulären Sicherheitsstudien besprochen, beispielhaft zu den DDP-IV Inhibitoren, welche auch bei Hochrisikopatienten mit Diabetes keine negativen (aber auch keine positiven) Auswirkungen auf harte kardiovaskuläre Endpunkte (Major Adverse Cardiac Events) gezeigt haben.

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Diabetes in der Schwangerschaft – eine komplizierte Situation!

AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG

Die richtige und evidenzbasierte Behandlung von Diabetes in der Schwangerschaft wurde auf dem Diabetes Kongress 2019 sehr effektiv diskutiert und vorgestellt.Sehr wichtige Fragen, wie „Insulinpumpe oder ICT in der Schwangerschaft?“ (Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf) wurden beantwortet. Themen, die häufig mit der klinischen Routine zu tun haben, wie z.B. Sonderformen des Diabetes mellitus und das erhöhte Risiko eines intrauterinen Tods bei Schwangeren mit Diabetes, wurden ausführlich und gleichzeitig verständnisvoll erklärt. Eine Insulinpumpentherapie kann von großem Vorteil für eine Schwangere mit Diabetes sein. Dieses Therapie-Konzept und eine mögliche, problemlose Umstellung von einer anderen Therapie wurden mit Patientenfällen detailliert beschrieben. Auf der anderen Seite sollte man die Tatsache nicht übersehen, dass eine ICT-Therapie mit enger Betreuung der Patientin genauso gute Ergebnisse haben kann, wie einer Insulinpumpentherapie. Daher werden beide Therapiestrategien seitens der Experten empfohlen.   Sehr interessant war ebenfalls der Vortrag „MODY & Sonderformen in der Schwangerschaft: Wie diagnostizieren, wie behandeln?“ (PD Dr. Robert Wagner). Leider sind hier viele ÄrztInnen nicht ausreichend sensibilisiert, was das Erkennen dieser Diabetesformen, die nicht dem Typ 1 oder 2 gehören, betrifft. Allerdings ist es von großer Bedeutung solche Diabetesformen in der Schwangerschaft früh zu erkennen und entsprechend zu behandeln. „Intrauteriner Fruchttod bei Diabetes und Schwangerschaft – Ein immer noch aktuelles Thema“ (PD Dr. Tanja Groten):Frauen die Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für intrauteriner Tod, verglichen mit gesunden Schwangeren. Eine enge Kooperation zwischen Gynäkologen, Diabetologen und der Patientin sollte auf jeden Fall ab Beginn der Schwangerschaft bestehen. Richtige Ernährung, Vermeiden einer exzessiven Gewichtsabnahme, oGTT in der 24-26ste SWW und regelmäßige Kontrolle der Vitalzeichen des Fetus können das Risiko für einen intrauterinen Tod deutlich minimieren. „Welche Frau mit Diabetes sollte nicht schwanger werden?“ (PD Dr. Martin Füchtenbusch)Frauen sollten darauf achten, dass ein nicht gut eingestellter Diabetes mellitus, eine absolute Kontraindikation für eine Schwangerschaft ist. Deutlich erhöhte HbA1c-Werte, erhöhter Blutzuckerspiegel oder eine schwere Adipositas kombiniert mit einem nicht effektiv therapierten Diabetes mellitus sind katastrophale Bedingungen für die optimale Entwicklung einer Schwangerschaft. Deswegen sollten unbedingt Gesundheitsprobleme, wie ein bestehender Diabetes mellitus oder bestehende arterielle Hypertonie sehr gut eingestellt sein, bevor die Entscheidung für eine Schwangerschaft getroffen wird.   Efstratios Kardalas

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Diabetes und KHK: Fallstricke in der kardiovaskulären Risikoreduktion bei Diabetes mellitus

Dass der kardiovaskulären Risikoreduktion bei Patienten mit Diabetes mellitus ein zentraler Stellenwert zukommt, ist wissenschaftlich unangefochten. Noch immer stellen kardiovaskuläre Ereignisse die Haupttodesursache unter Diabetikern dar. In der klinischen Praxis wird die Prävention solcher Ereignisse jedoch oftmals vernachlässigt bzw. schlichtweg nicht adäquat durchgeführt. Und dies liegt nicht etwa an einem Mangel an wissenschaftlich fundierten Leitlinien (denn diese existieren sehr wohl), sondern vor allem in der oftmals verharmlosenden Handhabung kardiovaskulärer Risikofaktoren durch die Behandler. Was diese bagatellisierende Haltung für die Compliance und Therapieadhärenz der Patienten bedeutet, kann sich ein jeder leicht ausmalen…

Im Rahmen des Symposiums „Herzinsuffizienz und Diabetes: Neue Mechanismen und klinische Bedeutung“ wiederholte Prof. Dr. med. Nikolaus Marx von der RWTH Aachen während seines Vortrages „Praxisempfehlungen der DDG zu Diabetes und KHK“ mantraartig die Kernaussage dieser Sitzung: „Diabetiker haben per se ein hohes bzw. sehr hohes kardiovaskuläres Risiko!“. Der kardiovaskulären Risikoreduktion kommt in der Diabetologie somit immer eine zentrale Bedeutung zu.

Die Ansatzpunkte zur Modifikation der Risikofaktoren sind vielfältig – und viel wichtiger: therapeutische Möglichkeiten hierfür sind vorhanden. Deshalb sollten sie auch zum Einsatz kommen! Die Senkung des LDL-Cholesterins durch Statine als Eckpfeiler der Risiko-Modifikation oder die Trombozyten-Aggregations-Hemmung durch ASS sind als zentrale Elemente zu nennen. Von Letzterer profitieren die Patienten aber nur in der Sekundärprävention. In der Primärprävention soll ASS aufgrund einer signifikant erhöhten Blutungsrate nicht eingesetzt werden. Ein weiterer Fallstrick, der zum Verhängnis werden kann (und dies oft auch wird) und den wir als Behandler möglichst umgehen sollten.

Dass für an Diabetes mellitus erkrankte Menschen andere Grenzwerte in der Therapie der arteriellen Hypertonie heranzuziehen sind, als für Stoffwechselgesunde, lernt jeder angehende Mediziner bereits im Studium. Dass diese zudem strenger sind, ebenfalls. Dieses für eine angemessene kardiovaskuläre Risikoreduktion bei Diabetikern essenzielle Wissen scheint bis zur Approbation als Arzt jedoch häufig nicht zu überdauern und schlichtweg wieder in Vergessenheit zu geraten. Diese Erfahrung schien auch für Prof. Dr. med. Roland Schmieder aus Erlangen Anlass zu sein, in seinem Vortrag zur antihypertensiven Therapie bei Diabetes mellitus den strengeren RR-Zielbereich nochmals mit Nachdruck in Erinnerung zu rufen. Zudem betonte er, dass bei neudiagnostizierten Hypertonie-Patienten – entgegen weit verbreiteter klinischer Praxis – von Anfang an immer eine Kombinations-Therapie durchgeführt werden sollte.

Auch die Anwendung von SGLT2-Inhibitoren, die in den vergangenen Jahren aufgrund Ihrer nachweislich kardioprotektiven Wirkung hohe Erwartungen weckten, wurde während des Symposiums thematisiert. Kernaussage hier: Patienten mit Diabetes mellitus profitieren bei manifester ASCVD vom Einsatz von SGLT2-Inhibitoren, nicht aber beim bloßen Vorhandensein multipler kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Wir sehen: es gibt vielfältige Möglichkeiten das kardiovaskuläre Risiko unserer Diabetes-Patienten (positiv!) zu beeinflussen und somit zu reduzieren. Grundlegend hierfür ist jedoch sich dieses generell erhöhten Risikos bewusst zu sein und dieses auch ernst zu nehmen. Nur wenn es uns gelingt unseren Patienten die enorme Wichtigkeit dieser präventiven Maßnahmen vor Augen zu führen, können wir Akzeptanz hierfür erzeugen und eine intrinsische Motivation erwecken beeinflussbare kardiovaskuläre Risikofaktoren nachhaltig zu optimieren – zum Wohle unserer Patienten.

Julian Cron

Kaffee – Unser ständiger Begleiter?

Die Ernährung gilt als modifizierbarer Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Entsprechende diätische Interventionen können bekanntermaßen zu einer Verbesserung des Krankheitsverlaufes führen, indem das Körpergewicht reduziert wird.

Allerdings stellt sich natürlich die Frage, was eine diabetesgerechte Ernährung wiederspiegelt. Welche Lebensmittel wirken sich protektiv auf den Stoffwechsel aus und welche sollte man lieber in Maßen genießen oder sogar lieber meiden? Und wie gesund ist das Lieblingsgetränk vieler Deutscher? Schließlich zählt Kaffee zu den am häufigsten konsumierten Getränken. Weltweit werden pro Tag 3 Millionen Tassen an Kaffee verzehrt. Ist es ratsam diesen Kaffeekonsum einzuschränken?

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30 Jahre Forschung erbringen spannende Erkenntnisse zur Entstehung des Typ-1-Diabetes

Die Forschungsergebnisse der deutschen BABYDIAB (prospektive Geburtskohorte, >1600 Kinder von Eltern mit Typ-1-Diabetes (T1D)) sowie der internationalen TEDDY-Studie (Kinder mit genetischer Prädisposition oder mit einem Verwandten mit T1D, >8000 Teilnehmer) haben maßgeblich zu unserem Verständnis der T1D-Entstehung beigetragen. Einige dieser zentralen Erkenntnisse wurden durch Frau Prof. Ziegler (Helmholtz Zentrum München) vorgestellt:

Bei der Entstehung des T1D spielt die genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle. Autoantikörper, die zu einer Zerstörung der ß-Zellen führen, entstehen bereits in den ersten Lebensjahren. Insbesondere Antikörper gegen Insulin treten gehäuft auf und gipfeln im frühen Kindesalter mit ca. 2 Jahren.
Neu ist das Landmark-Modell, welches das kumulative Risiko, Antikörper zu entwickeln, in Abhängigkeit vom Alter zeigt. Hier ein Beispiel: wenn ein Kind mit 3 Jahren noch keine Inselautoimmunität entwickelt hat, so halbiert sich das Risiko ca. alle 3,5 Jahre um 50%. Für die Gesprächsführung mit Betroffenen oder bei bekannter Prädisposition ein absoluter Gewinn!

1. Take-home-message: Das Alter bestimmt das Risiko einen T1D zu entwickeln.

Je nach HLA-Genotyp und dem genetischen Risiko für T1D ist auch das Risiko für andere Autoimmunerkrankungen wie die Autoimmunthyreoditis oder Zöliakie erhöht. Dies gilt nicht nur für Betroffene, sondern auch für Familienangehörige von Menschen mit T1D. Zöliakie-Autoantikörper gipfeln im Alter von 2-3 Jahren, Schilddrüsen-Autoantikörper mit 14 Jahren.

2. Take-home-message: Der HLA-Genotyp bestimmt die Art der Immunität. Auch Familienangehörige sollten auf Autoimmunerkrankungen getestet werden, je nach Autoimmunerkrankung zu unterschiedlichem Alter.

Doch nicht allein die genetische Prädisposition ist ausreichend für die Entstehung eines T1D. Wir wissen, dass andere Umweltfaktoren eine Rolle spielen müssen, wie bspw. rezidivierende virale Atemwegsinfektion in den ersten 6 Lebensmonaten. Ein Zusammenhang konnte mit dem Coxsackie-Virus nachgewiesen werden. Kann eine Impfung die Entwicklung von T1D verhindern? Ein Forschungsprojekt ist in Sicht!

3. Take-home-Message: Virusinfektionen im frühen Kindesalter prädisponieren für Insulinautoimmunität und T1D und beschleunigen möglicherweise die Immunreifung.

All diese Ergebnisse helfen, dem eigentlichen Ziel, nämlich der Prävention von T1D, einen Schritt näher zu kommen. Dabei sind die Forschergruppen auf die Bereitschaft von Eltern angewiesen, mit ihren Kindern an Interventionsstudien, wie z.B. POInT oder PINIT teilzunehmen – denn nur durch klinische Forschung können wir gemeinsam eine Welt ohne T1D erreichen!

Thekla von dem Berge

Vollkorntage statt Insulinspritze

In Deutschland steigt die Anzahl der an Diabetes erkrankten Personen jedes Jahr drastisch an. Steigender Zuckerkonsum und wenig sportliche Tätigkeit der Bevölkerung tragen ihren Teil dazu bei. So sind in Deutschland derzeit ca. 6,5 Millionen Personen an Diabetes mellitus erkrankt. Neueste Studien zeigen, dass Vollkorntage eine effektive Therapie für Diabetiker darstellen und nachhaltig den Blutzucker senken können. Einen Einblick in diese spannenden neuen Erkenntnisse konnte uns am Donnerstag, den 30. Mai 2019 Frau A. Tornbek beim DDG-Kongress in Berlin geben.

Eine aktuelle Studie beobachtete ein Patientenkollektiv mit Diabetes mellitus, welches in ihrem Klinikaufenthalt 2 Tage nur Vollkornflocken als Nahrung erhielt. Pro Mahlzeit wurden 75g Vollkornflocken mit 50g Beeren und 50g Lauch oder alternativ mit 20g gehobelten Mandeln, sowie Kräutern, Zitronensaft, Süßstoff und Zimt zubereitet. Dabei wurden die Haferflocken nicht mit Milchprodukten, sondern nur mit Wasser oder Gemüsebrühe aufgekocht. Die Mahlzeit betrugen je 276 kcal und 3g Beta-Glukan. Ein voller Hafertag beinhaltete 10g Beta-Glucan und 22,5g Ballaststoffe. An einem eindrücklichen Beispiel beschrieb Frau Tornbek, dass Vollkorntage sogar den völligen Verzicht von Insulintherapie bedeuten können: z.B. wurde eine Patientin bei Krankenhausaufnahme mit Levemir abends 240 IE, einem Humalog mix 25 morgens 240 IE und zusätzlich dreimal täglich je 120 IE zu den Mahlzeiten therapiert. Das stellt eine tägliche Insulinmenge von 840 IE dar. Durch Einführung der Hafertage konnte man nach einer bestimmten Zeit bei der Patientin komplett auf die Insulintherapie verzichten. Hierbei war es wichtig, dass Vollkornflocken und nicht Light-Haferflocken verwendet wurden. Insgesamt konnte in der Studie gezeigt werden, dass Hafer den HbA1c-Wert reduziert, sowie den Nüchtern Blutzucker, den Pulsdruck sowie Cholesterin und LDL senkt.
Außerdem steht fest, dass min. 40g Vollkornprodukte pro Tag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck deutlich reduzieren (Lillioja et al. 2013). Dabei scheint Hafer das wirksamste Vollkornprodukt zur Cholesterinspiegelsenkung zu sein. Ergebnisse von 2 Harvard-Studien mit über 100.000 Teilnehmern zeigten, dass ein höherer Verzehr von Vollkornprodukten mit einer niedrigen Sterblichkeit und geringeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht (Wu et al. 2015). Der langfristige Haferproduktverzehr führt zudem zu einer Absenkung des Cholesterinspiegels (Thies et al. 2015). In Zukunft sollte man deshalb in Betracht ziehen, öfter Vollkorntage bei Patienten mit Diabetes mellitus einzuführen und die Insulindosis so gering wie möglich zu halten.

Annabel Hildebrandt

Wundermittel gegen Adipositas und Diabetes Typ 2?

„Kinderleicht 20 Kilogramm in nur 8 Wochen abnehmen“, „DAS Mittel, mit dem die Pfunde nur so purzeln“. Mit diesen und ähnliche Versprechungen der Werbeindustrie werden wir beinahe tagtäglich in den Medien konfrontiert und zum Kauf von teuren Pulvern und Kapseln verleitet. Doch gibt es das wirklich, ein Zaubermittel gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2? Die Lösung für eines der zentralen Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft, für zwei Erkrankungen die sich gegenseitig befeuern und die für etliche Folgeerkrankungen verantwortlich ist? Die Antwort darauf – das mag wohl kaum jemanden überraschen – lautet kurz und knapp: (Noch) nicht. Ein wichtiger Vermerk dazu lautet jedoch: Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp und sein Team sind auf einem vielversprechenden Weg in diese Richtung! Daher wurde der Leiter des Helmholtz-Institutes in München absolut zu Recht auf dem diesjährigen DDG-Kongress geehrt und für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Rolle von Poly-Agonisten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 mit der Paul-Langerhans-Medaillie 2019 ausgezeichnet. Die Entschlüsselung der Hormonwirkung von Ghrelin, Glucagon, Leptin etc., die in Magen-Darm-Trakt und ZNS für die Regulierung unserer Nahrungsaufnahme und den Blutzuckerspiegel zuständig sind stellten dabei den ersten wichtigen Schritt dar.
Dem Neuroendokrinologen Tschöp gelang die molekularbiologische Imitation dieser einzelnen Botenstoffe, um sie dann in einem „Supermolekül“ dem sogenannten Poly-Agnoisten zu verknüpfen. Sie vereinen und potenzieren somit die erwünschten Wirkungen dieser Hormone mit dem Ergebnis von Verlust an Köpermasse und einem verbesserten Blutglukosespiegel. Prof. Tschöp, ein absolut würdiger Preisträger und ein ein Name, den man sich für die nächsten Jahre merken sollte…

Johannes Albertus Hofer