Closed-Loop-Systeme – Eine Gratwanderung für Ärzte und Patienten

Nun sag, wie hast dus mit dem Loopen? könnte die Gretchenfrage des diesjährigen Diabetes-Kongress der DDG in Berlin gewesen sein. In seinem Vortrag über Closed-Loop-Systeme zur Insulin-Pumpentherapie fragte Dr. Bernhard Gehr seine Zuhörer nach deren Einstellung zum Thema Loopen. Das Ergebnis hatte es in sich. Während rund 40% dem Loopen sehr kritisch gegenüber standen und ihren Patienten bei Nachfrage von der Technik abraten, haben ebenso viele die entsprechenden Technologien schon öfters empfohlen oder beraten sogar aktiv dazu. Die restlichen 20% gaben an, die Therapieoption lediglich in besonders komplexen Fällen in Erwägung ziehen zu wollen. Die Diabetologen zeigten sich also angesichts der neuen Entwicklungen in der Pumpentherapie tief gespalten. Den Wunsch nach besserer HbA1c-Einstellung und höherer Time in Range bei zugleich weniger Hypoglykämien und Alarmen – sprich Lebensqualität – möchte man prinzipiell keinem Diabetes-Patienten abschlagen. Aber um welchen Preis? Für Ärzte ist es problematisch, dass bisher nur wenige Geräte in Deutschland zugelassen sind, allesamt ohne Basalratenmodulation. Tüftler und Bastler bieten Open Source Lösungen im Internet an, angeblich mit hoher Sicherheit, aber Zulassungen und kontrollierte Studien fehlen.
Angesichts dieser merklichen Unsicherheit bot Herr Gehr in seinem Vortrag Klarheit und Orientierung für Ärzte im Umgang mit der aufstrebenden Technologie. Demnach machen sich Patienten, die Loopen, nicht strafbar, verlieren jedoch Haftungsansprüche gegenüber der Hersteller. Ärzte sind nicht verpflichtet, Patienten über die Technologie zu informieren, darf den Loopenden Patienten aber nach sorgfältigster Aufklärung weiterhin behandeln. Bis eines Tages zugelassene Devices auf den Markt kommen, muss sich also jeder Diabetologe selbst der Gretchenfrage stellen. Der individuelle Leidensdruck der Patienten könnte eine Antwort bieten.

Weiterlesen

Wie kleine Dinge Großes vollbringen

Überall sieht und erkennt man sie, die kleinen, flachen, weißen Sensoren an Armen, Bauch oder Hüfte. Egal ob jung, ob alt, ob Sportler oder Couch-Potato. Der digitale Fortschritt hat sie alle überzeugt und eine neue Community kreiert.

Es ist DIE neue digitale Technik, das continuous glucose monitoring, welches ganz eindeutig in den letzten Jahren zu der Neuerung unter den Therapieoptionen des Diabetes mellitus zählt. Ob das Flash Glukose Messsystem (FGM) von Abbott oder das Real-Time-CGM-System (rtCGM) von Dexcom, wer auf dem diesjährigen Diabetes Kongress seiner Umgebung nicht nur mit Ohren sondern auch mit Augen gefolgt ist, hat sie erkannt: in der Schlange am Kaffeestand, in der Sitzreihe direkt vor einem oder morgens früh in der S-Bahn auf dem Weg zum ersten Vortrag des Tages.

Weiterlesen

Telemedizin-Projekt ViDiKi – ein Ausblick in die zukünftige Versorgung von Diabetespatienten?

Der Kongressvortrag von Frau Dr. von Sengbusch mit dem Titel „Telemedizinische Diabetesversorgung bei Kindern: neue Perspektive“ erläuterte anschaulich die Möglichkeit eines möglichen zusätzlichen Nutzen durch Telemedizin, gerade in Regionen mit einer geringen Dichte an Diabetologen oder bei schwierigen metabolischen Phasen des Patienten.

In der Studie speichern die Patienten ihre Daten der CGM-, Pen- und Pumpensysteme automatisch, über eine verschlüsselte Verbindung, in einer Cloud. Diese sind dann für den Telemediziner jederzeit und überall abrufbar. Die Beratung erfolgt dann zu vereinbarten Terminen via Videoverbindung. Die Patienten werden im ViDiKi-Projekt zusätzlich zur aktuellen Versorgung durch einen Diabetologen individuell in regelmäßigen Abständen durch einen Telemediziner betreut. Zudem bietet die Telemedizin den Vorteil, dass der Patient in seinem gewohnten Umfeld betreut wird und keine weitere Anreise notwendig ist. Dies ist gerade in einer Region mit einer geringen Dichte an Diabetologen von Vorteil. Die Anmerkungen des Telemediziners zur aktuellen Einstellung des Patienten sowie weitere Anregungen für Therapieoptimierungen werden vorab per Email versendet. Eine geringe Drop-out-Rate und das positive Feedback seitens der teilnehmenden Patienten, lässt mich darauf schließen, dass Telemedizin zukünftig ein fester Bestandteil der Patientenversorgung sein wird.

Natürlich stellt sich direkt die Frage nach der Wahrung des Datenschutzes und der Sicherheit der hochgeladenen medizinischen Patientendaten. Bei dem ViDiKi-Projekt wurden ausschließlich verschlüsselte Textnachrichten, E-Mails und Videoverbindungen verwendet. Es wäre meiner Meinung nach wünschenswert, wenn alle Hersteller von CGM-, Pen- und Pumpensystemen in Zukunft eine, vor unbefugten Zugriffen gesicherte, Cloud für das Hochladen von Patientendaten zur Verfügung stellen würden. Dies würde sicherlich auch für die jetzige Patientenbetreuung einen zusätzlichen Nutzen darstellen.

Die Möglichkeit der Telemedizin als zusätzlicher Patientenkontakt kann selbstverständlich auch von den Diabetesberatern sinnvoll genutzt werden. Und ich bin davon überzeugt, dass die Telemedizin auch die Möglichkeit bietet die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker zu verbessern. Da beispielsweise auch die in der Apotheke vorliegenden medizinischen Daten und Angaben zur aktuellen Compliance/Adhärenz des Patienten hochgeladen werden könnten.

Maira Anna Deters

Die praktische Seite der Diabetes-Technologie

Von der Werbung, die einem auf so einer Tagung umgibt, könnte man den Eindruck bekommen, dass die moderne Technik das Leben mit Diabetes simpel und easy macht. Für einen klareren, firmenneutralen Blick muss man aber weiter schauen, zum Beispiel in das Symposium der AGDT. Hier standen neben Angeboten für Behandelnde, Schulungen zu Besuchen und Ressourcen zu bestellen, informative Vorträge zu dem Umgang mit Schwierigkeiten in der Insulinpumpentherapie und CGMS im Vordergrund.

Thieme Verlagsgruppe

Thieme Verlagsgruppe

Weiterlesen