Wie kleine Dinge Großes vollbringen

Überall sieht und erkennt man sie, die kleinen, flachen, weißen Sensoren an Armen, Bauch oder Hüfte. Egal ob jung, ob alt, ob Sportler oder Couch-Potato. Der digitale Fortschritt hat sie alle überzeugt und eine neue Community kreiert.

Es ist DIE neue digitale Technik, das continuous glucose monitoring, welches ganz eindeutig in den letzten Jahren zu der Neuerung unter den Therapieoptionen des Diabetes mellitus zählt. Ob das Flash Glukose Messsystem (FGM) von Abbott oder das Real-Time-CGM-System (rtCGM) von Dexcom, wer auf dem diesjährigen Diabetes Kongress seiner Umgebung nicht nur mit Ohren sondern auch mit Augen gefolgt ist, hat sie erkannt: in der Schlange am Kaffeestand, in der Sitzreihe direkt vor einem oder morgens früh in der S-Bahn auf dem Weg zum ersten Vortrag des Tages.

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Diabetes bei Kindern – Problem erkannt, Gefahr gebannt

„Was macht Lisa* da?“, fragte ich meine Mutter. „Sie misst ihren Blutzucker, Lisa hat Diabetes“, war ihre Antwort. Damals, im Alter von zehn Jahren, konnte ich nur schwerlich das Ausmaß der Folgen und Konsequenzen eines Diabetes überblicken. Weiterlesen

Stationäre oder ambulante Pumpeneinstellung?

Hat man dann die Pumpe genehmigt bekommen, dann stellt sich die Frage, ob man sein Leben mit der Pumpe stationär oder ambulant beginnen möchte.

Für beide Optionen gibt es sehr gute Argumente:

Im stationären Bereich wird mach intensiv und ausführlich geschult. Ausgebildete Ärzte und Pfleger erklären Funktion und Umgang mit der Pumpe von Anfang an und man kann beliebig viel nachfragen. Es gibt einem einfach mehr Sicherheit, dass geholfen wird, wenn das neue „Accessoire“ mal piepst oder sich beschwert. Die Vorteile der Pumpe muss man auch erst kennen lernen. Die erhöhte Basalrate zum Beispiel, die kannte ich nicht von meiner intensivierten Insulintherapie. Außerdem stärkt es die eigene Sicherheit,  wenn man Menschen gibt, die die gleichen Probleme und Fragen hat, wie man selbst.

Die Einstellung im ambulanten Bereich ist natürlich alltagsnäher, der Tagesablauf ist „normaler“. Man geht am ersten Tag zum Diabetologe und Diabetesberater, diese erklären die Pumpe und den Umgang. Anschließend muss man sich alleine mit dem neuen Tool zurecht finden. Telefonisch ist aber jederzeit ein Ansprechpartner erreichbar, der bei Fragen oder Problemen helfen kann.

Letztlich muss jeder das finden, was für ihn am Besten ist! Wer unsicher im Umgang mit technischen Geräten ist oder sich leicht Sorgen macht, sollte eine stationäre Behandlung vorziehen. Wer selbstsicher genug ist, kann die neue Pumpe aber auch gleich im Alltagstest prüfen.

Fliegen mit der Insulinpumpe

Von Silke Wunderlich

Ein neues Abenteuer mit meiner Insulinpumpe war der erste Flug in den Urlaub. Damit ich Pumpe, Insulin und Zubehör durch die Sicherheitskontrollen zu bekam, hatte mein Diabetologe mir eine Bescheinigung ausgestellt. Nachdem ich meine Pumpe zuletzt mit in den MRT getragen hatte, befürchtete ich, dass es bei den Security Checks am Flughafen wieder Probleme geben könnte.

Girl at the airport window

Fotolia/Happy Alex

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Niemals mit der Insulinpumpe ins MRT!

Diesen Ratschlag hört man in der Schulungen für Insulinpumpen, doch im Notfall ist es schwer an alles zu denken…

Als Assistenzärtin war es meine Aufgabe einen Patienten ins MRT zu begleiten. Vor dem MRT haben wir alle Sachen abgelegt, die nicht MRT-tauglich sind. Plötzlich ging es dem Patienten schlecht und ich musste notfallmäßig ins MRT. Na ja, ich hatte alles abgelegt, außer meine Insulinpumpe, die ich ungefähr 4 Wochen hatte und die ich in eine Innentasche gesteckt hatte.

Dem Patienten ging es schnell wieder besser. Meine Pumpe hat die Bestrahlung nicht so gut vertragen. Klar hat man das in der Schulungen gehört, aber in Notfällen daran auch noch zu denken. Freundlicherweise gab meine Pumpe noch einen letzten Alarm, dass sie jetzt ihre Funktion einstellt, bevor sie endgültig den Geist aufgab. Glücklicherweise hatte ich noch Insulin, dass ich mir erst mal ein Basalinsulin gespritzt habe. Anschließend habe ich die Hotline meiner Pumpe angerufen. Die Mitarbeiter dort sind sehr freundlich. Am nächsten Tag habe ich eine neue Insulinpumpe bekommen. Die eine Nacht habe ich mit ICT überbrückt. Danke den freundlichen Servicemitarbeitern.

Einen Vorteil hatte dieser Zwischenfall letztendlich aber doch: Ich werde zukünftig nie wieder vergessen, die MRT-Regel zu beherzigen.

 

Insulinpumpe – aber wohin?

26Das Tragen einer Insulinpumpe ist wie mit einem Handy oder Portmonee: Männer haben es leicht. In der Hosentasche ist der kleine Apparat bestens aufgehoben. Hier hat man auch den direkten Zugriff, wenn man einen Bolus abgeben möchte. Allerdings, was macht man mit der Pumpe, wenn man eine enganliegende Damenhose mit kleinen Taschen trägt, wenn man ein Klein oder einen Rock tragen möchte? Weiterlesen

Diabetes-Versorgung in Entwicklungsländern

Von Luise Poser

Als ich bei Pubmed einfach „diabetes children“ eingab, freute ich mich – wegen einer persönlichen Beziehung zu Kenia – über den aktuellsten Beitrag (Glycemic Control in Kenyan Children and Adolescents with Type 1 Diabetes Mellitus. Ngwiri T1, Were F2, Predieri B3, Ngugi P4, Iughetti L3 Int J Endocrinol. 2015).

Blutzucker-Tagebuch und Diabetes-Utensilien

Quelle: Fotolia/Fovito

Ich möchte ihn gar nicht im Detail wiedergeben, sondern nur ein paar einzelne Zeilen zitieren, die mich nachdenklich gemacht haben.

Wer den Artikel nachlesen möchte, findet die Langfassung hier. Dort werden natürlich auch die Quellenangaben geliefert.

…“Home blood sugar monitoring is taught to patients who can afford the strips.“ … „Values of HbA1c were not normally distributed: their range was 6.4-19%, median HbA1c was 12.1%.“ … „The overall prevalence of poor control was 72% when a cut-off HbA1c of 8% was used.“ … „Only about one-third of patients in the study had fridges to store their insulin.“ … „All children received a conventional insulin regimen.“ … „Only 28% of Kenyan children and adolescents with T1DM had reasonable control. … better than data obtained in Sudan where reasonable control was found in only 12.5% of patients.“ … „In the absence of a publically funded healthcare system, these costs are borne almost entirely by individuals. In this context, poor disease prognosis with higher morbidity and mortality seems to be the unavoidable outcomes.“ … „Elbagir et al. in Sudan had found that patients faced with scarcity of insulin actually reduced their insulin per dose or the number of doses per day in order to stretch their supply. Tanzanian children with T1DM, in addition to limited supply, reduce spontaneously the prescribed dose of insulin to guaranty a longer period and lower cost of treatment.“ …

Hier trudeln gefühlt ständig Werbebotschaften neuer Medikamente, Insuline, Blutzuckermessgeräte oder Insulinpumpen ins Haus, während es an anderen Orten – nicht nur in Afrika – etwa an Ressourcen für eine adäquate Kühlung der Insulinvorräte mangelt, die es wiederum auch nicht immer und überall gibt.

Sich solche Dinge vor Augen zu führen, hilft doch immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

An vielen tagen ärgern wir uns über Belanglosigkeiten – ob sie nun mit Diabetes zu tun haben oder nicht. Stattdessen sollte man sich wohl einmal öfter freuen, wie gut es einem geht – sogar als Diabetiker zum Beispiel hier in Deutschland. Die Krankheit nervt Betroffene fast jeden Tag, gar keine Frage! Doch haben wir hier tolle Möglichkeiten Patienten so zu versorgen und zu betreuen, dass schlimme Folgeerkrankungen vermieden werden und das Leben trotzdem lebenswert bleibt. Arbeiten wir also an der Motivation, diese zu nutzen!

Ein neues Diabetes-Leben

Von Silke Wunderlich

Die Genehmigung einer Insulinpumpe durch die Krankenkasse ist quasi der Beginn eines neuen Lebens, also Diabetes-Lebens. Deshalb muss und sollte man sich schon bei der Beantragung entscheiden, mit welchem Model man dieses Leben verbringen möchte. Ob man eine schnurlose Pumpe oder eine klassische Pumpe mit Schlauch – das muss jeder selbst entscheiden. Ich entschied mich für eine Pumpe mit Schlauch mit dem Hintergedanken, dass in hoffentlich nicht all zu ferner Zukunft der „closed-loop“ möglich ist.

Der Umgang mit der Pumpe muss natürlich erst gelernt werden. Ich entschied mich für die stationäre Einstellung. In der Klinik hat man mich in Schulungen und durch direktes Anlegen den korrekten Umgang mit der Pumpe gelehrt. Interessant und neu für mich waren unter anderem der „duale Bolus“, das heißt, ich kann bei verzögertem Essen oder bei hohem Fettgehalt der Speisen (zum Beispiel Pizza) einen Teil des Insulins sofort und den Rest in einer bestimmten Zeitspanne abgeben. Ebenso gibt es den verlängerten Bolus, was bedeutet, dass über einen bestimmten Zeitraum eine Menge an Insulin abgeben wird. Zum ersten Mal arbeitete ich auch mit einem integrierten Bolusrechner, die Pumpe rechnet nach Angabe der Menge an Kohlenhydrate die Menge an Insulin selbst aus.

Für all diese Funktionen muss die Pumpe natürlich vorher auf meinen persönlichen Insulinbedarf programmiert werden.

In Praxisübungen wie Flammkuchen-Essen habe ich dann das neu Gelernte ausprobiert. Auch hier heißt es: Übung macht den Meister.