1921 bis 2019 – bleibt Insulin die einzig sinnvolle Therapie des Typ-1-Diabetes? Eine Diskussion über SGLT2-Inhibitoren als Therapieerweiterung

1921 entdeckten Frederik Banting und Charles Best das Hormon, um das sich heute so viel dreht: das Insulin. Wie vielfältig die Wirkung und der Einfluss auf unseren Stoffwechsel sind, war da noch nicht klar. Dennoch ist es ein Durchbruch in der Diabetesforschung und die erste ‚echte Therapie‘ für tausende Diabetiker. Bis heute. 

Wie kann es sein, dass innerhalb von fast 100 Jahren Insulin die einzige Therapie für Typ-1-Diabetes bleibt? Oder ist es vielleicht gar nicht so aussichtlos, wie es klingen mag? 

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Glukagon nasal oder als Minidosis – der neue Begleiter für alle Lebenslagen von Typ-1-Diabetikern?

Neben den verschiedenen technischen Geräten, die ein Typ-1-Diabetiker ständig bei sich führt, gibt es einen weiteren treuen Begleiter: den Traubenzucker. Er stellt das Mittel der Wahl dar, um Hypoglykämien frühzeitig und schnell entgegenzuwirken. Sollte es sich um eine sehr schwere Hypoglykämie handeln, ist die präklinische intramuskuläre Injektion von Glukagon von Bedeutung. Prof. Meissner (Universitätsklinik Düsseldorf) stellte Studien zu vielversprechenden Alternativen zur Behandlung der Hypoglykämien vor.

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Praxisdialog Ernährung – rund ums Thema Alkohol, n-3-Fettsäuren und Hafertage

Für Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 ist Ernährung ein wichtiger Grundfeiler in der Therapie. Im Praxisdialog „Ernährung“ ging es um Empfehlungen zum Alkoholkonsum, zu n-3 Supplementen und die Wirksamkeit von Hafertagen.

Wer trinkt nicht gerne mal ein Glas Wein oder Bier? Der durchschnittliche Verzehr der Männer liegt dabei sogar bei 12l Bier/Person/Woche – und liegt damit deutlich über den Empfehlungen von 20g Alkohol/d (Frauen 10g/d). Wie sieht das ganze bei Menschen mit Diabetes mellitus aus? Ein moderater Alkoholkonsum scheint keinen Bezug zum nachfolgenden Blutzucker zu haben. Und bei Hypoglykämien? Der Abbau von Alkohol hemmt die Gluconeogenese (hierfür benötigtes NAD+ – Umwandlung von Malat zu Oxalacetat – wird für den Alkoholabbau in der Leber benötigt). Wird der Alkohol zur Mahlzeit zu sich genommen, muss sich anscheinend keine Sorgen um ein Hyporisiko gemacht werden – bei Nüchternheit hingegen erhöht sich Risiko gering. Glucagon hilft hier nicht! Studien zeigen auch, dass ein moderater Alkoholkonsum (10g Männer; 5g Frauen) positive Effekte auf das Diabetesrisiko hat.

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Unterzuckert… Segen oder Fluch?

Ob eine Unterzuckerung nur Gefahren birgt oder dem Körper auch etwas beibringen kann – darüber wurde am Donnerstagnachmittag diskutiert.

Dr. Lehrke, der uns zeigte, dass es bei einer Hypo zu neu auftretenden AV-Blöcken und epileptischen Anfällen kommen kann, führte den Begriff der Lernhypoglykämien ein: Dies sind Hypoglykämien, aus denen der Körper „lernt“ und somit für eine schwere Hypoglykämie besser gewappnet ist. Weiterlesen

Schnupfen statt Spritzen – ein Nasenspray bei schweren Hypos?

Im gut gefüllten Saal Gustav Mahler 2 berichtete Prof. Dr. Kern aus Ulm über die ersten Ergebnisse eines intranasalen Glukagon-Sprays bei einer Hypoglykämie.

Nicht mehr Spitzen zu müssen bei einer schweren Hypoglykämie klingt vielversprechend. Bis dato musste eine umstehende Person stets das Glukagon zunächst selbst zusammen mischen und s.c. oder i.m. injizieren. Ganz anders bei dem neuen Nasenspray: Es enthält eine Einzeldosis mit drei Milligramm Trockensubstanz Glukagon, welches mit nur einem festen Durchdrücken in ein Nasenloch appliziert wird. Weiterlesen

Stressdiabetes als Überlebensvorteil

26. Mai 2017 Privatdozent Dr. Michael Haap

Als wir am Freitag um kurz vor 12 den Sitzungssaal „Pfeiffer“ durch den Vordereingang betreten wollten, schüttelte die nette DDG-Helferin schon lachend den Kopf. „Versucht es am besten gleich am Hintereingang.“ Dort angekommen steckten wir vorsichtig den Kopf durch die Tür und merkten schnell: Dieses Thema scheint nicht nur uns, sondern auch die Menge zu interessieren. Glücklicherweise konnten wir noch einen Stehplatz in der letzten Reihe ergattern. Weiterlesen

Die Pneumokokkenpneumonie – eine Risikoerkrankung bei erhöhtem Blutzuckerspiegel?!

25. Mai 2017, kurz vor 11 Uhr im Sitzungssaal „Pfeiffer“, Halle A1. Prof. H. Becker aus Hamburg beginnt seinen Vortrag zum Thema „Ambulant erworbene Pneumonie bei Diabetes“ mit einem Fallbeispiel, das aufhorchen lässt…

Fallbeispiel
Eine junge Dame (jung für das sonstige Patientenklientel einer internistischen Abteilung), bei der seit Kurzem ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt ist, stellt sich mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands und hohem Fieber in der Notaufnahme vor. Ein durchgeführtes Thoraxröntgen zeigt schnell eine Pneumonie, der klinische Verlauf ist jedoch unerwartet dramatisch. Es kommt zu einer weiteren Zustandsverschlechterung. Die Patientin wird auf die Intensivstation verbracht, künstlich beatmet und kann schließlich unter einer breiten antibiotischen Therapie sowie Volumen- und Katecholamingabe langsam stabilisiert werden. Nach weiteren Komplikationen (unter anderem eine Herpes Simplex-Pneumonie, eine Kathetersepsis und eine Critical Illness-Polyneuropathie) kann die Patientin nach 57 Tagen in der Klinik in eine Rehabilitationseinrichung verlegt werden.

Das Risiko Pneumonie
Nach den gezeigten Daten wird deutlich: Ein diagnostizierter Diabetes mellitus alleine ist bereits ein Risikofaktor für einen schweren Pneumonieverlauf. Vor allem die invasiven Pneumokokkenspezies führen bei Diabetikern besonders oft zu schweren Verläufen. Sie neigen zu rezidivierenden Hyper- und Hypoglykämien, entwickeln oft eine ausgeprägte Exsikkose mit prärenalem Nierenversagen und neigen zu weiteren schwerwiegenden Komplikationen.

Abgeleitet aus dem CAP-Netz für ambulant erworbene Lungenentzündungen lässt sich folgendes zum relativen Mortalitätsrisiko bei Pneumonie sagen: Nicht etwa eine Atemwegserkrankung (Odds Ratio ca. 1,25) ist ein größerer Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang, wohl aber ein vorliegender Diabetes mellitus (OR ca. 2,75), gefolgt von einer Herzinsuffizienz (OR ca. 3,5). Der schwerwiegendste Risikofaktor ist jedoch den Daten zufolge ein schlecht eingestellter Blutzucker von > 250 mg/dl (OR ca. 6,0).
Die oben genannte Patientin hatte ihre Diabetesmedikation bei schlechter Verträglichkeit einige Zeit vor Aufnahme in die Klinik eigenständig abgesetzt.
Ein zweites Fallbeispiel von Prof. Becker erzählt eine ähnliche Geschichte.

Fazit
Die Gefahr einer Pneumonie eines Diabetikers wird im Klinikalltag oft unterschätzt. Wie viele Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes kommen täglich in unsere Notaufnahmen und werden mit einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär aufgenommen. Fälle wie die von Herrn Prof. Becker sollten uns genau hinschauen lassen, um nichts zu verpassen!

Gefahrenanalyse Hypoglykämie

Kommentar zum DDG Symposium Hypoglykämien – Wie belastend wie gefährlich?

Im alltäglichen Patientenumgang kann es leicht passieren, dass man die Hypoglykämie – ein nicht seltenes Ereignis bei Diabetikern – in ihrer Gefahr unterschätzt. Der ausgezeichnete Vortrag von Dr. Holstein aus Detmold diente als wilkommene Wissensauffrischung, um die Gefahren und Langzeitfolgen dieses Zustands bei Patienten angemessen einzuschätzen. Weiterlesen

Symposium Diabetes und Straßenverkehr: Mit einem Bein im Gefängnis?

Von Marie-Teres Lauff und Daniel Pichler

Wie weit darf ein Arzt gehen, um einen Patienten vor sich und andere vor ihm zu schützen?

Wo fängt Pflicht an und wo macht man sich strafbar?

Diabetiker mit unerwarteten Hypoglykämien stellen ein Risiko für den Straßenverkehr und alle daran beteiligten Personen dar. Der Arzt ist in der Pflicht, den Patienten über seine Einschränkungen und deren Konsequenzen im Alltag aufzuklären und sie ihm verständlich zu machen, zudem — je nach Schweregrad – sollte der Patient auch überzeugt werden, keine aktive Rolle im Straßenverkehr mehr einzunehmen. Doch was passiert und sollte man tun, wenn der Patient keine Einsicht zeigt? Weiterlesen