HbA1c vs. Time in Range –Duell der Meister

Das HbA1c ist das Diagnosemittel in der Diabetologie. Nun soll dieser langbewährte, vertraute Parameter ersetzt werden durch den sogenannten „Time in Range“ (TIR). In dem Pro- und-Contra-Duell zwischen Prof. Dr. med. Thomas Danne und Dr. med. Guido Freckmann wurden diese zwei Parameter gegenübergestellt und diskutiert.

Langzeit vs. Aktuelles Feedback
Während das HbA1c den Zuckerwert der letzte 2-3 Monate darstellt und somit als guter Langzeitparameter dient, liefert die TIR stets aktuelle Werte, womit ein sofortiges Feedback möglich ist. Neben der Beurteilung von TIR sollten auch „Time below Range“ und „Time above Range“ betrachtet werden um Hypo- und Hyperglykämien identifizieren zu können.

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Sport fördert die Glukoseaufnahme in den Muskel – aber wie?

Vortrag: Sport und die Glukoseaufnahme in den Muskel von Maximilian Kleinert Ph.D.

Es ist lange bekannt, dass Sport einen positiven Einfluss auf den Glukosestoffwechsel des Körpers hat. Ca. 80% der vom Körper aufgenommenen Glukose wird vom Muskelgewebe aufgenommen. Nach Zuckeraufnahme schüttet der Körper Insulin aus, welches wiederum in der Muskelzelle den vermehrten Einbau von GLUT4-Transporter in die Zellmembran fördert. Über diesen Transporter kann Glukose vom Blutstrom in die Muskelzelle wandern. Aufgrund der Insulinresistenz ist die muskuläre Glukoseaufnahme bei Patienten mit Diabetes signifikant verringert.

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Neue Antidiabetika: Aus Alt mach Neu

Erst vor kurzem wieder populär geworden durch die Serie „Game of Thrones“ bekommt der Mohn wieder volle Aufmerksamkeit. Auch im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lammert beim Diabetes Kongress 2019 in Berlin rückt der berühmte Mohnblumensaft wieder in den Vordergrund.

Damals bekannt als Mohnblumensaft (Milk of the poppy) wurden die darin enthaltenen Morphine bereits in der Jungsteinzeit als Schlafmittel eingesetzt und auch um Schmerzen zu lindern. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Arzneistoff auch für viele weitere Anwendungsgebiete bewährt, wie Bluthochdruck oder als Zusatz in Hustensäften. Ebenfalls in Hustensäften zu finden ist heutzutage Dextromethorphan, ein synthetisch hergestelltes Morphin, das weniger eine Affinität zu Opioid-Rezeptoren besitzt als für NMDA-Rezeptoren. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Lammert herausgefunden, dass Dextromethorphan auch den Blutzuckerspiegel senkt. Sowohl bei Mäusen, als auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) konnte nach Verabreichung des Wirkstoffs eine erhöhte Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden. Somit konnte in Langzeitstudien der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Glukosetoleranz verbessert werden. Weiterhin soll dieser Arzneistoff den Zelltod der Betazellen vorbeugen und somit wie ein Schutzschild wirken.

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Diabetes – Unterschiede zwischen Mann und Frau

In der heutigen Zeit gibt es immer wieder Diskussionen über Gender im sozialen, kulturellen, politischen und biologischen Kontext. Über das richtige Maß dieses Gender-Mainstreamings lässt sich streiten. Wo das Geschlecht aber definitiv eine bis zu lebenswichtige Rolle spielt, ist die Medizin und stellvertretend dafür der Diabetes mellitus.

Schon bei der Diagnostik gibt es Unterschiede: Frauen weisen öfter eine gestörte Glukosetoleranz auf, sodass bei Ihnen nur ein oraler Glukose-Toleranz-Test bei möglicherweise unauffälligem HbA1c aussagekräftig ist.

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Bedeutung von Insulin im Gehirn

Mich persönlich hatte besonders der Vortrag von Herrn Heni über die Bedeutung von Insulin im Gehirn interessiert. Normalerweise wird v.a. über die Wirkung von Insulin im GI-Trakt geredet, obwohl es lange bekannt ist, dass Diabetes und Gehirn zusammenhängen. In dem Vortrag von Dr. Heni, der während des Kongresses der DDG den Ferdinand-Bertram Preis erhalten hat, wurde den Teilnehmern dieses Thema näher gebracht.

Die Wirkung von Insulin im Gehirn wurde anhand einer Studie mit nasaler Insulingabe bei norm- und übergewichtigen Probanden beleuchtet. Mittels MRT konnte ihre Wirkung dosisabhängig in verschiedenen Gehirnarealen (Gyrus fusiformis, Hypothalamus, Hippocampus, Präfrontallappen) nachgewiesen werden. Es konnte gezeigt werden, dass bei insulinresistenten Probanden (=Übergewichtigen) im Gehirn keine Insulinwirkung hervorgerufen wird. Dafür wurden bei gesunden Probanden durch die nasale Applikation von Insulin der Stoffwechsel angekurbelt, die endogene Glukoseproduktion in der Leber reduziert und die Glukoseaufnahme in den Muskel stimuliert.

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Essen nach 20 Uhr = gestörter Glukosestoffwechsel? Wie die Leber die Uhrzeit zu Lesen vermag

Die Leber übernimmt eine Schlüsselfunktion in der Aufrechterhaltung der Glukosehomöostase. Sie ist sowohl in der Lage Glukose, die aus dem Darm in das Blut einströmt, aufzunehmen und diese nach dem Umbau in Glykogen zu speichern, als auch das Glykogen zu spalten und in Form von Glukose bei drohender Unterzuckerung wieder an das Blut abzugeben.

Prof Dr. Reinke und Prof. Dr. Schmid erklärten in ihren Vorträgen zur Relevanz zirkadianer Rhythmen für den Leberstoffwechsel sowie zur Chronobiologie und dem Energiestoffwechsel unter anderem welchen tageszeitlichen Schwankungen die Blutzuckerregulation durch die Leber unterliegt.

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Medallien, Ehrungen und Insulin als Nasenspray

Was gibt es motivierenderes für junge Studenten als zu sehen, was man nach dem Studium Vielfältiges mit Wissen und Motivation erreichen kann? Dass Forschung nicht nur Laborarbeit ist, sondern auch die Vernetzung von Ärzten und Ärztinnen, Labormitarbeitern, Chemikern und vielen anderen Mitarbeitern auf der ganzen Welt?

Auf dem diesjährigen Diabetes-Kongress wurden am Freitag unter anderem die Paul-Langerhans-Medaille, der Ferdinand-Bertram-Preis, die DDG-Ehrennadel in Gold und viele weitere Preise verliehen. Prof. Dr. med Martin Heni, der als Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen tätig ist, wurde dieses Jahr mit dem Ferdinand-Bertram-Preis ausgezeichnet. Er beschäftigt sich vorrangig mit der Wirkung und dem Metabolismus von Insulin im menschlichen Gehirn.

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Schlau, schlank und gesund durch den richtigen Schlaf?

„Ausreichend körperliche Aktivität“ postulieren die einen, „der richtige Schlaf“, sagen die anderen, sei der Schlüssel zu einem gesunden Glukose- und Insulinstoffwechsel. Soll das Konzept „Schlank im Schlaf“, auf dessen Suchanfrage Google eine unüberschaubare Flut von 8.050.000 Einträgen liefert, also doch funktionieren?
Wie mit der Dauer und Qualität des Schlafs sowie der Nahrungsaufnahme zur richtigen Uhrzeit die Glukosehomöostase aufrecht erhalten wird, erklärten Prof Dr. Reinke und Prof. Dr. Schmid in ihren Vorträgen zur Relevanz zirkadianer Rhythmen für den Leberstoffwechsel sowie zur Chronobiologie und dem Energiestoffwechsel.

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Auf die Plätze, fertig, los – Diabetes reduzieren durch Sport!

Im Rahmen des Diabetes mellitus wird Patienten empfohlen sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Bereits länger ist bekannt, dass die Glukoseaufnahme in die Muskulatur Insulin abhängig erfolgt. Die Bindung an seinen entsprechenden Rezeptor bewirkt die Translokation des Transporters Glut4 in die Skelettmuskelmembran. Dieser Mechanismus stellt den Hauptanteil der postprandialen Blutzuckersenkung dar.
Im Rahmen des Diabetes mellitus Typ 2 wird jedoch infolge der Insulinresistenz weniger Glut4 in die Muskelmembran eingebaut. Wie könnte das verändert werden?
In dem Symposium „Neue Ansätze bei der Prävention durch Sport“ zeigte Herr Dr. Maximilian Kleinert aus München, dass durch körperliche Aktivität eine insulinunabhängige Translokaktion von Glut4 in die Skelettmuskulatur erfolgt – nicht nur bei gesunden Probanden, sondern auch im Rahmen des Diabetes mellitus Typ 2. Nach einer Sporteinheit von ca. 1 Stunde hält dieser Effekt ungefähr 1-2 Tage lang an.
Welche Signalwege diese Translokaktion ermöglichen, ob die Wirkung dosisabhängig mit der sportlichen Aktivität steigt und auch ob andere Gewebe auf ähnliche Weise von diesem Mechanismus profitieren sind spannende Ausblicke auf die weitere Forschung.

Ania Prochnicki

Ehrung mit genialer Erklärung!

Ich möchte über eine Veranstaltung berichten, die eigentlich so überhaupt nicht interessant klingt: Die Paul-Langerhans Vorlesung und Preisverleihung, ABER ich wurde wirklich überrascht! Normalerweise denkt der lerneifrige Student: Ohje, jetzt muss ich mir auch noch eine Ehrung in meiner Mittagspause anhören, das kann ja schon nichts werden. Es wird bestimmt nur gelobt und geklatscht; noch mehr gelobt und noch mehr geklatscht….

Allerdings wurde mir in dieser Veranstaltung genau das Gegenteil gezeigt. Die Laudationes der Geehrten waren durchaus interessant und haben mir, als Medizinstudentin, die verschiedensten Werdegänge in unserem späteren Beruf vorgeführt. Noch beeindruckender waren natürlich die Reden von Matthias H. Tschöp ( Paul-Langerhans-Medaille 2019) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preises 2019). Die neuen therapeutischen Ansätze von Ersterem aus München über Poly-Agonisten für Typ-2-Diabetes fand ich super erklärt – die Entwicklung zu dem Punkt wo wir heute in der klinischen Wirksamkeit stehen wurde spannend dargestellt.

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