Diabetes in der Schwangerschaft – eine komplizierte Situation!

AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG

Die richtige und evidenzbasierte Behandlung von Diabetes in der Schwangerschaft wurde auf dem Diabetes Kongress 2019 sehr effektiv diskutiert und vorgestellt.Sehr wichtige Fragen, wie „Insulinpumpe oder ICT in der Schwangerschaft?“ (Prof. Dr. Ute Schäfer-Graf) wurden beantwortet. Themen, die häufig mit der klinischen Routine zu tun haben, wie z.B. Sonderformen des Diabetes mellitus und das erhöhte Risiko eines intrauterinen Tods bei Schwangeren mit Diabetes, wurden ausführlich und gleichzeitig verständnisvoll erklärt. Eine Insulinpumpentherapie kann von großem Vorteil für eine Schwangere mit Diabetes sein. Dieses Therapie-Konzept und eine mögliche, problemlose Umstellung von einer anderen Therapie wurden mit Patientenfällen detailliert beschrieben. Auf der anderen Seite sollte man die Tatsache nicht übersehen, dass eine ICT-Therapie mit enger Betreuung der Patientin genauso gute Ergebnisse haben kann, wie einer Insulinpumpentherapie. Daher werden beide Therapiestrategien seitens der Experten empfohlen.   Sehr interessant war ebenfalls der Vortrag „MODY & Sonderformen in der Schwangerschaft: Wie diagnostizieren, wie behandeln?“ (PD Dr. Robert Wagner). Leider sind hier viele ÄrztInnen nicht ausreichend sensibilisiert, was das Erkennen dieser Diabetesformen, die nicht dem Typ 1 oder 2 gehören, betrifft. Allerdings ist es von großer Bedeutung solche Diabetesformen in der Schwangerschaft früh zu erkennen und entsprechend zu behandeln. „Intrauteriner Fruchttod bei Diabetes und Schwangerschaft – Ein immer noch aktuelles Thema“ (PD Dr. Tanja Groten):Frauen die Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für intrauteriner Tod, verglichen mit gesunden Schwangeren. Eine enge Kooperation zwischen Gynäkologen, Diabetologen und der Patientin sollte auf jeden Fall ab Beginn der Schwangerschaft bestehen. Richtige Ernährung, Vermeiden einer exzessiven Gewichtsabnahme, oGTT in der 24-26ste SWW und regelmäßige Kontrolle der Vitalzeichen des Fetus können das Risiko für einen intrauterinen Tod deutlich minimieren. „Welche Frau mit Diabetes sollte nicht schwanger werden?“ (PD Dr. Martin Füchtenbusch)Frauen sollten darauf achten, dass ein nicht gut eingestellter Diabetes mellitus, eine absolute Kontraindikation für eine Schwangerschaft ist. Deutlich erhöhte HbA1c-Werte, erhöhter Blutzuckerspiegel oder eine schwere Adipositas kombiniert mit einem nicht effektiv therapierten Diabetes mellitus sind katastrophale Bedingungen für die optimale Entwicklung einer Schwangerschaft. Deswegen sollten unbedingt Gesundheitsprobleme, wie ein bestehender Diabetes mellitus oder bestehende arterielle Hypertonie sehr gut eingestellt sein, bevor die Entscheidung für eine Schwangerschaft getroffen wird.   Efstratios Kardalas

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Viel Zucker, wenig Kinder?!

Die Geburtenrate in Deutschland liegt bei 759.000 Geburten, davon 6.745 Kinder mit einem präkonzeptionell bekannten Diabetes mellitus der Mutter (0,89%). Davon ist die Mehrzahl an Typ-2-Diabetes (0,6-0,7%), ein Minderteil an Typ-1-Diabetes (0,3-0,4%) betroffen. Wie sieht es bei den Frauen aus, bei denen in der Schwangerschaft zum ersten Mal erhöhte Blutzuckerwerte auffallen? Goldstandard zur Sicherung der Diagnose „Gestationsdiabetes“ ist ein 75g oraler Glucose-Toleranz-Test (oGTT), welcher in der 24-28 SSW durchgeführt werden sollte.

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Posterpräsentation: Mutter und Kind – und Vater?

Bei den Posterpräsentationen wurden in diesem Jahr wieder zahlreiche interessante Forschungsergebnisse von Medizinern und Wissenschaftlern vorgestellt und diskutiert. Gerade das Thema „Mutter und Kind“ ist aus vielfältigen Perspektiven beleuchtet worden. Vor allem die Poster von Frau Füeßl (Klinikum der Universität München, LMU), Frau Fritsche (Universitätsklinikum Tübingen) und Frau Eberle (Hochschule Fulda) sind mir im Gedächtnis geblieben.

Frau Füeßl stellte in der Arbeit zum Thema „No negative effect of an additional pregnancy on glucose metabolism in women with previous gestational diabetes mellitus“ die Mutter in den Fokus. Hierbei wurden Auswirkungen auf den Glukosemetabolismus durch eine Folgeschwangerschaft bei Frauen mit vorherigem Gestationsdiabetes (GDM), im Vergleich zu Frauen ohne weitere Schwangerschaft, in Form einer Nested Case-Control-Study mit Probandinnen aus der PPSDiab Kohorte untersucht. Eine weitere Schwangerschaft nach GDM zeigte in dieser Untersuchung keine negativen Effekte für den Glukosemetabolismus, was betroffene Frauen durchaus ermutigen kann.

Um die Kinder ging es bei der vorgestellten Arbeit von Frau Fritsche: „Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft aber nicht GDM assoziiert mit einer veränderten Herzratenvariabilität bei 2-jährigen Kindern“. Die Herzratenvariabilität, welche Auskunft über die Aktivität des autonomen Nervensystems gibt, wurde hier bei 2-jährigen Kindern von Müttern aus der „Deutschen Gestationsdiabetes Studie“ untersucht. Die Gewichtszunahme der Mutter in der Schwangerschaft war assoziiert mit Veränderungen der Herzratenvariabilität der Kinder, eine Assoziation mit GDM zeigte sich allerdings nicht. Dies ist interessant, da in früheren Arbeiten gezeigt wurde, dass die Herzratenvariabilität des Fötus durch einen GDM beeinflusst wird.

Die metabolische Entwicklung eines Kindes wird von verschiedensten präkonzeptionellen Faktoren beeinflusst – sowohl von maternaler und aber auch von paternaler Seite. Wo doch häufig Mutter und Kind im Fokus stehen, kam bei Frau Eberle auch der Einfluss des Vaters nicht zu kurz. Sie stellte die Forschungsarbeit zum Thema „Paternale Programmierung: Präkonzeptionelle Risikofaktoren in Bezug auf das Diabetes-Risiko der Nachkommen“ vor.
In den empirischen Analysen epidemiologischer Studien zeigte sich eine Assoziation der paternalen Ernährung und eines gesteigerten Diabetesrisikos des Kindes. Eine präkonzeptionelle paternale High-Fat-Diet (pHFD), aber auch eine paternale Unterernährung zeigten diese Assoziation.

Die Teilnahme an der diesjährigen Posterpräsentation bot für mich einen umfangreichen Überblick in die aktuellen Themen der Diabetologie und die Zusammenhänge von Eltern und Kindern. Sie macht neugierig auf das nächste Jahr und die weitere Forschung in dieser Richtung.

Stefanie Kern

Diabetes – Unterschiede zwischen Mann und Frau

In der heutigen Zeit gibt es immer wieder Diskussionen über Gender im sozialen, kulturellen, politischen und biologischen Kontext. Über das richtige Maß dieses Gender-Mainstreamings lässt sich streiten. Wo das Geschlecht aber definitiv eine bis zu lebenswichtige Rolle spielt, ist die Medizin und stellvertretend dafür der Diabetes mellitus.

Schon bei der Diagnostik gibt es Unterschiede: Frauen weisen öfter eine gestörte Glukosetoleranz auf, sodass bei Ihnen nur ein oraler Glukose-Toleranz-Test bei möglicherweise unauffälligem HbA1c aussagekräftig ist.

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Mozartmusik oder doch lieber den Gestationsdiabetes behandeln?

Innerhalb des Programmes der Nachwuchsförderung gab es auch wieder den tollen und sehr informativen Nachwuchstag. Es wurden wieder viele interessante Vorträge gehalten – dieses mal gab es auch eine Session über Schwangerschaft und Diabetes. Besonders interessant fand ich die Ergebnisse der aktuellen Forschung von L. Fritsche und seiner Arbeitsgruppe aus Tübingen. Er präsentierte uns in seinem Vortrag „Neue Erkenntnisse zu Gestationsdiabetes“, das die kindliche Herzfrequenzrate durch akut hohe mütterliche Blutglukosewerte ansteigt. Diese hat somit eine direkte, akute Auswirkung auf das Kind. Zudem wurden Experimente durchgeführt, welche zeigten, dass Feten von Müttern mit einem Gestationsdiabetes im Verlauf der Schwangerschaft immer weniger auf akustisch und visuell provozierte Signale im Vergleich mit Feten von Müttern ohne den Diabetes reagieren. Ich fand diese Ergebnisse ziemlich erschreckend. Eine Reizüberflutung durch ständige Mozartmusik auf dem Bauch ist eben doch nicht die Lösung, sondern Prävention und rechtzeitige, nämlich schon vor der Schwangerschaft stattfindende Aufklärung.

Miriam Zimmermann

Hustenstiller oder Antidiabetikum? – Eine Frage der Blut-Hirn-Schranken Permeabilität

Dextromethorphan ist ein Wirkstoff, der in vielen OTC-Produkten zur Linderung von Reizhusten verwendet wird. Doch zeigte sich zusätzlich auch eine protektive Wirkung auf das Pankreas sowie insulinsekretionssteigernde Effekte. Dieser Thematik widmete sich Frau Otter in den freien Vorträgen mit dem Themenschwerpunkt „Typ-1 Diabetes und Gestationsdiabetes“.

Beim Dextromethorphan und seinem aktiven Metaboliten Dextrorphan handelt es sich aus pharmakologischer Sicht um einen zentralwirksamen nichtkompetitiven Antagonisten des NMDA-Rezeptors. Dieser bewirkt eine Hemmung des Hustenreizes, jedoch ist auch eine psychotrope Wirkung in höheren Dosierungen bekannt, welche das Risiko eines Abusus birgt. Diese Substanzen sind aufgrund der positiven Wirkungen auf das Pankreas ein interessantes Forschungsfeld. Das Ziel von Frau Otter ist daher Derivate ausfindig zu machen, die eine geringe Blut-Hirn-Schranken Permeabilität aufweisen, unter Beibehaltung der protektiven sowie insulinsekretionssteigernden Effekte. Es kristallisierten sich in ihren Versuchen schon einige Substanzen heraus. So veranschaulichte Frau Otter in ihrem Vortrag Ergebnisse ihrer gegenwärtigen Leitsubstanz, welche positive Ergebnisse nicht nur im Mausmodell, sondern auch bei humanen Langerhans-Inseln aufwiesen.

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Der endlose Kreislauf des Gestationsdiabetes

H.Hauner: Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft-Beudeutung bei Adipositas, Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Ein wichtiges Thema beim diesjährigen Diabetes Kongress war die korrekte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes und die Frage, ob eine frühe Intervention schon während der Schwangerschaft einen möglichen lebenslangen Nutzen für Mutter und Kind hätte.

Um eine optimale Gewichtszunahme bei Schwangeren festzulegen, veröffentlichte das Institut für Medizin (Institute of Medicine, IOM) 2009 Empfehlungen, die kategorisch auf dem präkonzeptionellen Body-Mass-Index (BMI) in der Vorschwangerschaftszeit basieren.

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Diabetes und Schwangerschaft – nach wie vor ein kompliziertes Paar

Diabetische Nephropathie, Retinopathie, Neuropathie und diabetischer Fuß – dies sind die klassischen, allseits bekannten Komplikationen eines schlecht eingestellten Diabetes. Aber wie sieht das Ganze in der Schwangerschaft aus?

Diabetesassoziierte Komplikationen in der Schwangerschaft können im Extremfall bis zum intrauterinen Fruchttod führen. Einen Einblick in diese spannende und aktuelle Thematik konnte uns PD Dr. med. Tanja Groten am Freitag beim DDG-Kongress 2019 geben.

Anfangs ein paar Zahlen: Laut der WHO beträgt die perinatale Sterblichkeit in Entwicklungsländern ganze 3%, in Industrienationen ca. 0,3%. Diese Rechnung wurde jedoch ohne den Diabetes gemacht: bei Patientinnen mit einem Typ-1-Diabetes liegt die perinatale Todesrate für das Kind bei weltweit 1-2%, also fast 10-mal so hoch! Woran liegt das? Hat vielleicht die Plazenta etwas damit zu tun?

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