Wie kleine Dinge Großes vollbringen

Überall sieht und erkennt man sie, die kleinen, flachen, weißen Sensoren an Armen, Bauch oder Hüfte. Egal ob jung, ob alt, ob Sportler oder Couch-Potato. Der digitale Fortschritt hat sie alle überzeugt und eine neue Community kreiert.

Es ist DIE neue digitale Technik, das continuous glucose monitoring, welches ganz eindeutig in den letzten Jahren zu der Neuerung unter den Therapieoptionen des Diabetes mellitus zählt. Ob das Flash Glukose Messsystem (FGM) von Abbott oder das Real-Time-CGM-System (rtCGM) von Dexcom, wer auf dem diesjährigen Diabetes Kongress seiner Umgebung nicht nur mit Ohren sondern auch mit Augen gefolgt ist, hat sie erkannt: in der Schlange am Kaffeestand, in der Sitzreihe direkt vor einem oder morgens früh in der S-Bahn auf dem Weg zum ersten Vortrag des Tages.

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Enteroviren und Typ 1 Diabetes

In seinem Vortrag „The insulin granule as a key target of autoimmunity in type 1 diabetes“ ging K. Knoch (DZD Deutsches Zentrum für Diabetesforschung) auf die Korrelation von Enteroviren und Typ-1-Diabetes mellitus ein.

Eine Korrelation zwischen Enteroviren und Typ-1-Diabetes steht momentan unter Diskussion: Im Menschen könne der Enterovirus nicht im exogenen Gewebe replizieren, daher bliebe nur die β-Zellen.

Die Coxsackieviren B (CVBs) gehören zu den möglichen Umweltfaktoren, die an der Pathogenese des Typ-1-Diabetes beteiligt sind. Faktoren der cap-unabhängigen Übersetzung in β-Zellen spielen auch bei der Translation von Insulingranulatkomponenten eine Rolle. Insbesondere die CVB-Infektion von β-Zellen reduziert stark die Speicherung und Freisetzung von Insulingranulaten.

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Mechanismen der Immuntoleranz erforschen und diese wiederherstellen

Die Vision des Hemholtz Zentrums (München): Mechanismen der Immuntoleranz erforschen und diese wiederherstellen. In der Session „Typ-1-Diabetes“ und Ihren Vorträgen ging Frau Dr. Daniel auf diese Vision ein.

„Immunmodulation in Typ-1-Diabetes: Welche Voraussetzungen benötigt eine „Diabetesimpfung“?“ Die Entstehung von Diabetes Mellitus Typ 1 (T1DM) ist ein Komplex aus 3 verschiedenen Phasen mit progredienter Abnahme der β-Zellen.
Phase 1: genetisches Risiko und Umweltfaktoren; Phase 2: präsymptomatische Phase mit Inselautoantikörpern und Phase 3: symptomatische Glukose-Intoleranz.

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Wer hat an der Uhr gedreht…

…ist es wirklich schon so spät? Der Kongress ging viel zu schnell vorbei! Liebe DDG: Danke für die vielen schönen Momente!

In Bochum startete ich mit stockdusterem Himmel, Hagel und Gewitter. „Fängt ja schonmal gut an“, dachte ich mir. Doch angekommen in Berlin: Strahlend blauer Himmel!

Neben vielen Sonnen-Momenten, Kaffee auf der City-Cube-Terrasse mit großartigen Leuten und tollen neuen Bekanntschaften (Grüße nach Aachen, Nürnberg und Würzburg!) durfte ich viele lehrreiche Vorlesungen besuchen und Gespräche führen.

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Knapp 100 Jahre nach Banting & Best: Paradigmenwechsel in der Therapie des Typ-1-Diabetes

Sessions: Typ-1-Diabetes – Auf zu neuen Ufern, Neue Therapieoptionen bei Typ-1-Diabetes

Mit den SGLT-Inhibitoren Dapa- und Sotagliflozin sind 2019 erstmals orale Antidiabetika als Add-on-Therapie zu Insulin für erwachsene Patienten mit einem unzureichend kontrollierten Typ-1-Diabetes und BMI ≥ 27 kg/m² zugelassen. Die potenziell lebensbedrohliche (euglykämische) diabetische Ketoazidose als klassenspezifische Nebenwirkung der SGLT-Inhibitoren sei beherrschbar, so Prof. Dr. med. Thomas Danne, Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover – das Risiko ließe sich durch eine sorgfältige Patientenselektion und –schulung nach dem STICH-Protokoll (STop des SGLT-Inhibitors, Insulininjektion, Cohlenhydrate, Hydrierung) sowie Blutketonselbstmonitoring minimieren. Damit steht 2019 erstmals eine (zusätzliche) orale Therapieoption bei Typ-1-Diabetes zur Verfügung – ein historischer Moment?!

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Hustenstiller oder Antidiabetikum? – Eine Frage der Blut-Hirn-Schranken Permeabilität

Dextromethorphan ist ein Wirkstoff, der in vielen OTC-Produkten zur Linderung von Reizhusten verwendet wird. Doch zeigte sich zusätzlich auch eine protektive Wirkung auf das Pankreas sowie insulinsekretionssteigernde Effekte. Dieser Thematik widmete sich Frau Otter in den freien Vorträgen mit dem Themenschwerpunkt „Typ-1 Diabetes und Gestationsdiabetes“.

Beim Dextromethorphan und seinem aktiven Metaboliten Dextrorphan handelt es sich aus pharmakologischer Sicht um einen zentralwirksamen nichtkompetitiven Antagonisten des NMDA-Rezeptors. Dieser bewirkt eine Hemmung des Hustenreizes, jedoch ist auch eine psychotrope Wirkung in höheren Dosierungen bekannt, welche das Risiko eines Abusus birgt. Diese Substanzen sind aufgrund der positiven Wirkungen auf das Pankreas ein interessantes Forschungsfeld. Das Ziel von Frau Otter ist daher Derivate ausfindig zu machen, die eine geringe Blut-Hirn-Schranken Permeabilität aufweisen, unter Beibehaltung der protektiven sowie insulinsekretionssteigernden Effekte. Es kristallisierten sich in ihren Versuchen schon einige Substanzen heraus. So veranschaulichte Frau Otter in ihrem Vortrag Ergebnisse ihrer gegenwärtigen Leitsubstanz, welche positive Ergebnisse nicht nur im Mausmodell, sondern auch bei humanen Langerhans-Inseln aufwiesen.

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Wird man Insulin jemals essen können?

Für fast jeden Diabetiker wäre das sicher ein Traum: kein ständiges Spritzen oder Katheter-Setzen, keine blauen Flecken, keine schmerzhaften und unschönen Spritzstellen mehr. Beim Symposium „Was gibt es Neues unter der Sonne“ spricht Dr. Tim Heise vom Profil Institut für Stoffwechselforschung in seinem Vortrag über den Stand der Dinge bei oralen Insulinen, welche die Forschung schon lange beschäftigen.

Doch auch heute stehen die Forscher noch vor den selben Problemen wie früher. Zum einen besitzt Insulin eine extrem niedrige Bioverfügbarkeit, was bedeutet, dass ein großer Teil der eingenommenen Menge gar nicht erst im Kreislauf ankommt. Zum anderen ist aber genau diese vom Körper aufgenommene Menge nicht von konstanter Größe, sodass man nie voraussagen kann, wie viel letzten Endes wirklich im Organismus wirken kann. Dennoch gibt es hierfür gute Forschungsansätze: um das Problem der fraglichen Bioverfügbarkeit zu überwinden, nahmen sich Forscher wie so oft die Natur zum Vorbild. Angelehnt an einen Schildkrötenpanzer konstruierten sie eine Kapsel um die Insulin-Moleküle, die zudem eine winzige Nadel enthält, welche schmerzfrei an die Magenschleimhaut andockt, um das Insulin dort zu injizieren. In Tierversuchen ließen sich hierbei vergleichbare Effekte wie zur subcutanen Injektion erzielen. Trotzdem äußert sich Dr. Heise pessimistisch bezüglich eines oralen Insulins, das in absehbarer Zeit auf den Markt kommen werde, da fraglich ist, ob beim Menschen dieselben Effekte wie bei Tieren eintreten.

Aber wer weiß, vielleicht können wir uns in ein paar Jahr(-zehnt)en ja wirklich auf eine Insulinpille als stetige Vorspeise freuen.

Hanna Gmehling

Insulinpumpe oder ICT in der Schwangerschaft?

Die Schwangerschaft einer Typ-1-Diabetikerin birgt Risiken für die Mutter und das ungeborene Kind. Um Komplikationen wie kongenitaler Fehlbildungen und perinataler Mortalität vorzubeugen, ist die präkonzeptionelle Stoffwechselstabilisierung (HbA1c <6.5%) einer Typ-1-Diabetikerin sowie ein stabiler Glukosestoffwechsel der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft essenziell. Dabei stellt sich die Frage, ob auf technische Innovationen wie Insulinpumpen gesetzt werden sollte.

Insbesondere die Industrie wirbt dabei mit Vorteilen, wie einer stabileren Stoffwechseleinstellung, verbesserten Nüchtern-Glukosewerten, verminderten Hypoglykämien sowie einer höheren Flexibilität im Alltag für eine sorglose Schwangerschaft. Aus der Literatur geht hingegen kein Vorteil der Insulinpumpe gegenüber einer intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT) bzgl. der Optimierung der Glukosekontrolle und dem neonatalen Outcome hervor. Im Gegenteil: Die Literatur zeigt eine höhere LGA-rate der Neugeborenen von Müttern, die eine Insulinpumpe nutzen. Ursache hierfür ist eine höhere Gewichtszunahme in der Schwangerschaft bei Typ-1-Diabetikerinnen, die über eine Insulinpumpe eingestellt sind.

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Closed-loop-Systeme: nur mit hohem Schulungsaufwand und das ist auch gut so!

Als junge Assistenzärztin in einer Kinderklinik mit einer Diabetesstation in Nordrhein-Westfalen interessierte mich das Symposium „Von CGM und SUP zum closed loop“. Ich sehe, wie viele Kinder aus unserer Klinik von den Continuous Glucose Monitoring (CGM)-Systemen und den Insulinpumpen profitieren. Der großen Frage „Wann kommt die künstliche Bauchspeicheldrüse?“ ist Dr. T. Danne aus Hannover nachgegangen.

Zu Beginn des Symposiums stellte Dr. R. Holl die Studie HypoDe vor. In dieser konnte gezeigt werden, dass die Nutzung von CGM Hypoglykämien um ca. 2/3 reduziert. Er zeigte auch, dass der Anteil der Patienten mit Pumpentherapie in den letzten Jahren rasant gestiegen ist, gerade in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Der Anteil der Patienten mit Insulinpumpe bei Kinder <5 Jahren liegt aktuell bei ca. 90%. Auch der Anteil der Patienten mit CGM liegt zwischen 50-70% in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen.

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(Open) Closed Loop?

Marmelade nach Rezept von Chefkoch.de? Die Beste! Möbel bauen mit Youtube? Kein Problem. Aber vom selbstgebastelten Closed-Loop-System nach Online-Anleitung sollte man vielleicht lieber die Finger lassen und die Entwicklung den „Profis“ überlassen – oder?  

Thomas Danne vom Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult und Katarina Braune, Ärztin und Teil der Open Source-Bewegung OpenAPS sprachen auf dem DDG-Kongress aus 2 unterschiedlichen Blickwinkeln über den aktuellen Stand des Loopens. 

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