Das Beste der Hormone gegen Typ-2-Diabetes!

Warum sind neue Wege in der Diabetestherapie erforderlich? Diese Frage beantwortete Dr. Müller direkt zum Auftakt des DDG-Stipendiatenprogramms in seinem Vortrag: Die zunehmende Adipositas-Epidemie, der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, ist nicht durch konservative Behandlungen einzudämmen. Da auch die zurzeit existierenden pharmakologischen Therapien wenig effektiv sind, werden dringend Alternativen benötigt.

„So weit so gut“ oder „von der Theorie zur Praxis“ – wie es sich im Falle des DDG-Kongress sagen lässt: Denn, wie neue Wege in der Diabetes-Therapie aussehen können, erläuterte nicht nur Dr. Müller im weiteren Verlauf seines Vortrags. Nur zwei Tage später wurde Professor Tschöp für die Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Typ-2-Diabetes vom DDG ausgezeichnet. Über 13 Jahre lang arbeitete Tschöp gemeinsam mit dem Chemiker Professor DiMarchi an der Entwicklung so genannter Poly-Agonisten. 

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Wie kleine Dinge Großes vollbringen

Überall sieht und erkennt man sie, die kleinen, flachen, weißen Sensoren an Armen, Bauch oder Hüfte. Egal ob jung, ob alt, ob Sportler oder Couch-Potato. Der digitale Fortschritt hat sie alle überzeugt und eine neue Community kreiert.

Es ist DIE neue digitale Technik, das continuous glucose monitoring, welches ganz eindeutig in den letzten Jahren zu der Neuerung unter den Therapieoptionen des Diabetes mellitus zählt. Ob das Flash Glukose Messsystem (FGM) von Abbott oder das Real-Time-CGM-System (rtCGM) von Dexcom, wer auf dem diesjährigen Diabetes Kongress seiner Umgebung nicht nur mit Ohren sondern auch mit Augen gefolgt ist, hat sie erkannt: in der Schlange am Kaffeestand, in der Sitzreihe direkt vor einem oder morgens früh in der S-Bahn auf dem Weg zum ersten Vortrag des Tages.

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Feinstaub und Diabetes – Die Luft macht’s?

In den umwelt- und gesundheitspolitischen Debatten der letzten Jahre wurde die Feinstaubbelastung durch den motorisierten Straßenverkehr in den Innenstädten, durch den Braunkohlebergbau im Rheinischen Revier und der Lausitz oder auch durch die Binnenschifffahrt immer wieder thematisiert und prägt nach wie vor den öffentlichen Diskurs. Die Feinstaubbelastung, ein zivilisatorisches Problem, ist dem globalen Eintrag an verschiedenen Anthropogenen geschuldet. Hierbei stehen ultrafeine Stäube und Nanopartikel, mit einer Größe < 100 nm in städtischen Gebieten im Fokus.

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Proteine für ein langes Leben

Eine ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil sind das A und O für ein gesundes und langes Leben. Doch was passiert, wenn im Alter der Appetit nachlässt, sich die Lebensmittelvorlieben ändern und/oder es aufgrund einer eingeschränkten körperlichen Aktivität zu einer einseitigen Ernährung kommt? In der Session „Aktuelles zu Ernährung und Lebensstil bei Typ-2-Diabetes“ berichtete Dr. Sabine Goisser über die Rolle des Proteins im Alter.

Protein steht bei älteren Menschen besonders im Fokus, da es im Alter häufig zu einer verringerten Proteinaufnahme bei gleichzeitig verminderter Verwertung des aufgenommenen Proteins kommt. Des Weiteren kann der Proteinbedarf aufgrund von entzündlichen und/oder katabolen Erkrankungen im Alter zusätzlich erhöht sein. Diese Faktoren können zu einem Proteinmangel führen, der mit einem Verlust der Funktionalität von Muskeln, Knochen und Immunsystem einhergeht. Ein Muskelabbau als Konsequenz einer mangelnden Proteinaufnahme im Alter wirkt sich negativ auf die Muskelkraft und die Nährstoffreserven im Muskel aus. Dies führt zu einer verringerten Mobilität und Belastbarkeit und ist mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden. Zusätzlich sinkt auch der Energieverbrauch durch den Muskelabbau, wodurch es zu weiteren Nährstoffdefiziten bis hin zu einer Mangelernährung kommen kann.

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Wundermittel gegen Adipositas und Diabetes Typ 2?

„Kinderleicht 20 Kilogramm in nur 8 Wochen abnehmen“, „DAS Mittel, mit dem die Pfunde nur so purzeln“. Mit diesen und ähnliche Versprechungen der Werbeindustrie werden wir beinahe tagtäglich in den Medien konfrontiert und zum Kauf von teuren Pulvern und Kapseln verleitet. Doch gibt es das wirklich, ein Zaubermittel gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2? Die Lösung für eines der zentralen Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft, für zwei Erkrankungen die sich gegenseitig befeuern und die für etliche Folgeerkrankungen verantwortlich ist? Die Antwort darauf – das mag wohl kaum jemanden überraschen – lautet kurz und knapp: (Noch) nicht. Ein wichtiger Vermerk dazu lautet jedoch: Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp und sein Team sind auf einem vielversprechenden Weg in diese Richtung! Daher wurde der Leiter des Helmholtz-Institutes in München absolut zu Recht auf dem diesjährigen DDG-Kongress geehrt und für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Rolle von Poly-Agonisten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 mit der Paul-Langerhans-Medaillie 2019 ausgezeichnet. Die Entschlüsselung der Hormonwirkung von Ghrelin, Glucagon, Leptin etc., die in Magen-Darm-Trakt und ZNS für die Regulierung unserer Nahrungsaufnahme und den Blutzuckerspiegel zuständig sind stellten dabei den ersten wichtigen Schritt dar.
Dem Neuroendokrinologen Tschöp gelang die molekularbiologische Imitation dieser einzelnen Botenstoffe, um sie dann in einem „Supermolekül“ dem sogenannten Poly-Agnoisten zu verknüpfen. Sie vereinen und potenzieren somit die erwünschten Wirkungen dieser Hormone mit dem Ergebnis von Verlust an Köpermasse und einem verbesserten Blutglukosespiegel. Prof. Tschöp, ein absolut würdiger Preisträger und ein ein Name, den man sich für die nächsten Jahre merken sollte…

Johannes Albertus Hofer

Welcher Blutdruck darf es sein?

Eine konsequente Blutdruckeinstellung bei Typ-2-Diabetikern ist von großer Bedeutung. Die richtige Einstellung des Bluthochdrucks bei Diabetikern ist ein zentraler Baustein in der Prävention von (kardiovaskulären) Folgeerkrankungen. Doch was ist ein optimaler Blutdruck? Und wie ist dieser am besten zu erreichen?
Prof. Dr. Schmieder (Erlangen) gab in seinem Vortrag „Therapie der Hypertonie: Was sind optimale Blutdruckwerte bei Diabetes?“ einen strukturierten Überblick über die neuesten Empfehlungen der European Society of Cardiology (ESC).

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Hafertage – eine neue Therapieform?

Im „Praxisdialog: Ernährung“ stellte Frau Dr. Tombek das Thema: „Hafertage – Was bringen sie?“ vor. Hafertage werden insbesondere bei insulinresistenten Patienten mit Typ-2-Diabetes und einer Insulintherapie mit mehr als 100 Einheiten täglich eingesetzt. In der Regel bestehen Hafertage aus 3 Mahlzeiten mit je 75g Hafer, der mit Wasser oder Gemüsebrühe aufgekocht wird. Zusätzlich lässt sich die Haferspeise z.B. mit Kräutern, Süßstoff oder Zimt aufpeppen. Täglich kommt es so zu einer Aufnahme von ca. 830 kcal, 10g ß-Glucan und 22,5g Ballaststoffen. Beworben werden Hafertage vor allem aufgrund ihres positiven Effektes auf die Blutglukose und die Reduktion der Insulinmenge. Auch Studien zeigen diesen Effekt, so konnten günstige Auswirkungen auf Nüchtern- oder postprandiale Blutglukose, HbA1c, Insulinmenge und Lipidparameter beobachtet werden. Doch wie lässt sich dieser Effekt erklären? Wer ist verantwortlich? Der Hafer? Die Ballaststoffe? Das ß-Glucan? Oder doch die Kalorienreduktion? Auf diese Frage lässt sich jedoch keine abschließende Antwort finden. So können Studien sowohl die positiven Auswirkungen von Hafer- als auch von Fastentagen und Ballaststoffen nachweisen. Letztendlich schließt der Vortrag mit einem beeindruckenden Fallbeispiel, indem über eine Patientin mit Typ-2-Diabetes berichtet wird, die täglich ca. 840 Insulineinheiten spritzt. Bereits nach einem Hafertag konnte die Insulinmenge deutlich reduziert werden und nach 3 Hafertagen mit einer Umstellung auf orale Antidiabetika das Insulin sogar ganz abgesetzt werden. Fazit: Ja, Hafer und Ballaststoffe haben einen Effekt – wie auch immer- und sollten möglichst reichlichen in unseren Speiseplan eingebaut werden.

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Empagliflozin als Leberfettsenker – Ergebnisse aus einer RCT

Bis zu 75% aller Typ-2-Diabetiker haben gleichzeitig eine Nicht alkoholische Fettlebererkrankung. In den meisten Fällen liegt eine Steatosis hepatis vor. Auf dem Boden eines chronischen Entzündungsprozesses kann diese jedoch im Verlauf zu einer Nicht-alkoholischen Steatohepatitis, später zu einer Fibrose bis hin zu einer Zirrhose führen. Obwohl eine weit verbreitete Komorbidität bei Typ-2-Diabetes und mit entsprechenden Komplikationen assoziiert, gibt es aktuell keine pharmakologische Therapie der Fettleber.

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Mehr als nur eine Typfrage – ein Zwischenbericht auf dem Weg zur personalisierten Diabetesdiagnose

Dank eines Stipendiums der DDG kam ich im Rahmen des Diabetes Kongress 2019 in Berlin unter anderem auch in den Genuss vieler Symposien. Besonders interessant fand ich aus der Reihe “Neue Mechanismen für Prävention und Therapie des Diabetes” den Vortrag von Dr. Henriette Kirchner von der Universität Lübeck. Sie stellte neue Erkenntnisse aus ihrer und anderen Gruppen vor, mit denen sich Subtypen des Diabetes mellitus II anhand verschiedener Marker im Blut unterscheiden lassen könnten. Besondere Betrachtung fanden epigenetische Merkmale und miRNAs. Bei diesen konnte gezeigt werden, dass bestimmte Einzelwerte zusammengefasst einen Score ergaben, mit dem sich nicht nur die Manifestation eines Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen vorhersagen ließ, sondern beispielsweise auch Aussagen darüber getroffen werden konnten, wie insulinresistent ein Patient werden würde. Denkbar wäre demnach ein Vorsorge-Screening, das nicht nur Risikoträger Jahre im voraus erkennt, sondern auch bei Auftreten einer Insulinresistenz eine genaue Charakterisierung erlaubt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zunächst besteht das Problem, dass verschiedene Studien kaum übereinstimmende Marker vorschlagen. Zudem liegt der Anteil an falsch-positiven Vorhersagen aktuell noch bei ca. 40%. Auch wurden in der anschließenden Diskussion medizinische und volkswirtschaftliche Bedenken gegenüber dem Screening geäußert. Durch weitere intensive Forschung und eine umfassendere Kombination von Markern zu Scores sollte allerdings zu erwarten sein, dass sich in den kommenden Jahren viel tun wird auf dem Weg zur frühzeitigen und personalisierten Diabetesdiagnose.

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Distress und Depression – Wer ist betroffen und welche Folgen und Möglichkeiten ergeben sich für die Zukunft?

Die Psyche spielt eine große Rolle in der Entwicklung des Diabetes und auch in der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit diagnostiziertem Diabetes. Insbesondere das Vorliegen einer manifesten Depression und diabetesbezogenen Belastungen, die mit dem chronischen Krankheitsverlauf einhergehen (Diabetes Distress) stellen Risikofaktoren für Komplikationen und früheres Versterben dar.

Eine Auswertung der prospektiven Heinz-Nixdorf-Recall-Studie mit 10-jahres Follow-up zeigte ein erhöhtes Chancenverhältnis (Odds Ratio) für Depression bei Menschen mit bekanntem Diabetes gegenüber Menschen ohne Diabetes – jedoch schloss das Konfidenzintervall die 1 („Nulleffekt“) ein und erreichte somit keine statistische Signifikanz. Bei Männern mit Diabetes war das Chancenverhältnis für Depression gegenüber Frauen erhöht – Gründe hierfür bedürfen weiterer Forschung.

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