Eine „Endlos-Schleife“ oder der Beginn einer künstlichen Bauchspeicheldrüse

Das selbstständige Blutzucker-Messen und Insulin-Spritzen könnte durch die neuen digitalen Technologien schon für viele DiabetespatientInnen nicht mehr nötig sein.

Ein „Closed-Loop-System“ könnte das Leben vieler PatientInnen enorm erleichtern. Bei solch einem „Closed-Loop-System“, einem „geschlossenem System“, wird die Insulingabe mithilfe von kontinuierlicher Glukosespiegelmessung automatisch geregelt. Hierbei werden Blutzuckermessgerät und Insulinpumpe über eine Verarbeitungseinheit (bspw. Mikrocontroller, eingebettete Systeme) verbunden. Dabei kommunizieren Sensor und Pumpe drahtlos miteinander und geben Messdaten an ein zentrales System weiter. Dieses System kann somit selbstständig den Insulin- und folglich den Blutzuckerspiegel des Anwenders regulieren. Bereits auf dem Diabetes Kongress 2017 berichteten Experten über weitere Entwicklungen und Fortschritte. Aktuell kann man bereits auf viele Erfahrungsberichte von privaten „Loopern“ zurückgreifen, die sich bisher in Eigenregie ein „Closed-Loop-System“ bauen mussten. Die Zulassung solcher Systeme scheitert an der rechtlichen Frage der Haftung für Personenschäden (im schlimmsten Fall dem Tod des Patienten). Klinische Studien zu „Hybrid-Closed-Loop-Systemen“, die in den USA bereits behördlich zugelassen wurden, zeigten positive Ergebnisse. Negative Ergebnisse beruhen häufig auf Anwendungsfehlern. Dies soll nicht bedeuten, dass die Patienten nicht in der Lage wären, diese Geräte richtig zu bedienen. Aber es ist eine kompetente Schulung notwendig. So würden viele Probleme nicht auftreten und die Zufriedenheit der Anwender könnte nochmals gesteigert werden. Einige Hersteller streben die Zulassung in Europa an. Patienten in Deutschland müssen sich aber wohl noch gedulden: Ein erstes System soll bei uns in Deutschland erst nächstes Jahr verfügbar sein. Es ist zu wünschen, dass bald auch in Deutschland viele Patienten von den Innovationen profitieren können. Zusätzlich werden in den nächsten Jahren Themen wie künstliche Intelligenz die Medizinbranche weiter revolutionieren und die Lebensqualität der Menschen verbessern.

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Closed-Loop-Systeme – Eine Gratwanderung für Ärzte und Patienten

Nun sag, wie hast dus mit dem Loopen? könnte die Gretchenfrage des diesjährigen Diabetes-Kongress der DDG in Berlin gewesen sein. In seinem Vortrag über Closed-Loop-Systeme zur Insulin-Pumpentherapie fragte Dr. Bernhard Gehr seine Zuhörer nach deren Einstellung zum Thema Loopen. Das Ergebnis hatte es in sich. Während rund 40% dem Loopen sehr kritisch gegenüber standen und ihren Patienten bei Nachfrage von der Technik abraten, haben ebenso viele die entsprechenden Technologien schon öfters empfohlen oder beraten sogar aktiv dazu. Die restlichen 20% gaben an, die Therapieoption lediglich in besonders komplexen Fällen in Erwägung ziehen zu wollen. Die Diabetologen zeigten sich also angesichts der neuen Entwicklungen in der Pumpentherapie tief gespalten. Den Wunsch nach besserer HbA1c-Einstellung und höherer Time in Range bei zugleich weniger Hypoglykämien und Alarmen – sprich Lebensqualität – möchte man prinzipiell keinem Diabetes-Patienten abschlagen. Aber um welchen Preis? Für Ärzte ist es problematisch, dass bisher nur wenige Geräte in Deutschland zugelassen sind, allesamt ohne Basalratenmodulation. Tüftler und Bastler bieten Open Source Lösungen im Internet an, angeblich mit hoher Sicherheit, aber Zulassungen und kontrollierte Studien fehlen.
Angesichts dieser merklichen Unsicherheit bot Herr Gehr in seinem Vortrag Klarheit und Orientierung für Ärzte im Umgang mit der aufstrebenden Technologie. Demnach machen sich Patienten, die Loopen, nicht strafbar, verlieren jedoch Haftungsansprüche gegenüber der Hersteller. Ärzte sind nicht verpflichtet, Patienten über die Technologie zu informieren, darf den Loopenden Patienten aber nach sorgfältigster Aufklärung weiterhin behandeln. Bis eines Tages zugelassene Devices auf den Markt kommen, muss sich also jeder Diabetologe selbst der Gretchenfrage stellen. Der individuelle Leidensdruck der Patienten könnte eine Antwort bieten.

Pablo Nieratschker

(Open) Closed Loop?

Marmelade nach Rezept von Chefkoch.de? Die Beste! Möbel bauen mit Youtube? Kein Problem. Aber vom selbstgebastelten Closed-Loop-System nach Online-Anleitung sollte man vielleicht lieber die Finger lassen und die Entwicklung den „Profis“ überlassen – oder?  

Thomas Danne vom Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult und Katarina Braune, Ärztin und Teil der Open Source-Bewegung OpenAPS sprachen auf dem DDG-Kongress aus 2 unterschiedlichen Blickwinkeln über den aktuellen Stand des Loopens. 

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Darf ich meinen Patienten dazu raten, (selbst gebaute) closed loop Systeme zu benutzen?

Dies fragte eine junge Ärztin, die sich selbst als „Looperin“ bezeichnete, nachdem Prof. Heinemann über closed loop Systeme berichtet hatte.

Das Entsetzen im Saal war groß! Aufgrund der Haftung wurde der Dame vehement davon abgeraten, ihren Patienten zu dem Gebrauch eines selbst gebastelten closed loop zu raten. Aber genau diesen (nightscout) Bastlern verdanken wir, dass die 670 G (erste hybrid closed loop Pumpe) so schnell in den USA zugelassen wurde. Ich bestaunte den Mut der jungen Ärztin, sich selbst als „Looperin“ zu bezeichnen und hoffe, dass sie in den nächsten Jahren keinen unverschuldeten Autounfall bauen wird. Weiterlesen

winDiab mit Hindernissen / dentDiab – Mundhygiene soll auf den Schulungsplan

Von Jonas Kortemeier

Wie schon bei zahlreichen anderen Veranstaltungen war auch hier die Teilnahme nur erschwert möglich, diesmal nicht aufgrund von Überfüllung, sondern wegen schlecht geplanten Besucherströmen, die ein Verlassen der Einführungsveranstaltung nur im Schneckentempo ermöglichten. Wer es trotzdem schaffte bei der Sitzung „winDiab – Personalisierte Therapie“ einzutrudeln bekam hier einen interessanten Einblick, an welchen Stellen die Interdisziplinarität der Behandlung von Menschen mit Diabetes noch erweiterungswürdig ist.

dentDiab: Über Zahnverlust und Diabetes

Zum dentDiab Vortrag kam ich leider zu spät, die Message war aber: Zähne müssen Inhalt der Schulung/Betreuung sein, da nach dentDiab Ergebnissen Zahnverlust, Mundhygiene und Parodontitis positiv mit dem HbA1c und Adipositas korrelieren.

gestDiab: Über Schwangerschaft und Übergewicht

Bei gestDiab wurde neben der Einstellung der BZ-Werte während der Schwangerschaft großes Augenmerk auf die Gewichtsentwicklung während der Schwangerschaft gelegt. Bei adipösen Schwangeren sei  auch ohne GDM das Risiko einer Makrosomie, Geburtskomplikationen und einem bis zu 30 % höherem Risiko, dass das Kind bis zum 18. Lebensjahr einen Typ 1 Diabetes entwickelt. Die Daten von gestDiab entstanden im Zeitraum von 2008 bis Ende 2014 und umfassen ca 10000 Schwangerschaften.

Closed loop System – Wer bekommt eine künstliche Bauchspeicheldrüse?

Der letzte Vortrag zeigte einen Rückblick über eine große EU geförderte Studie zur Realisierung eines Closed loop Systems, genannt  AP @home (AP=artificial pancreas). Hier wurde über die erfolgreiche Anwendung eines solchen Systems für insgesamt 85000 Stunden berichtet. Pumpen, CGM Systeme, Handys und transmitter wurden hierfür zu einem handgemachten Closed loop gebastelt, der trotzdem gute klinische Ergebnisse lieferte. Vor der Marktreife wird hier aber noch einige Entwicklungsarbeit nötig sein, bis Anwender nicht mehr wie Cyborgs durch die Gegend laufen. Interessant war zudem ein neuer ethischer Konflikt: wer kriegt es?