Neue Antidiabetika: Aus Alt mach Neu

Erst vor kurzem wieder populär geworden durch die Serie „Game of Thrones“ bekommt der Mohn wieder volle Aufmerksamkeit. Auch im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Lammert beim Diabetes Kongress 2019 in Berlin rückt der berühmte Mohnblumensaft wieder in den Vordergrund.

Damals bekannt als Mohnblumensaft (Milk of the poppy) wurden die darin enthaltenen Morphine bereits in der Jungsteinzeit als Schlafmittel eingesetzt und auch um Schmerzen zu lindern. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Arzneistoff auch für viele weitere Anwendungsgebiete bewährt, wie Bluthochdruck oder als Zusatz in Hustensäften. Ebenfalls in Hustensäften zu finden ist heutzutage Dextromethorphan, ein synthetisch hergestelltes Morphin, das weniger eine Affinität zu Opioid-Rezeptoren besitzt als für NMDA-Rezeptoren. Nun haben Forscher der Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Dr. Lammert herausgefunden, dass Dextromethorphan auch den Blutzuckerspiegel senkt. Sowohl bei Mäusen, als auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) konnte nach Verabreichung des Wirkstoffs eine erhöhte Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse festgestellt werden. Somit konnte in Langzeitstudien der Blutzuckerspiegel gesenkt und die Glukosetoleranz verbessert werden. Weiterhin soll dieser Arzneistoff den Zelltod der Betazellen vorbeugen und somit wie ein Schutzschild wirken.

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1921 bis 2019 – bleibt Insulin die einzig sinnvolle Therapie des Typ-1-Diabetes? Eine Diskussion über SGLT2-Inhibitoren als Therapieerweiterung

1921 entdeckten Frederik Banting und Charles Best das Hormon, um das sich heute so viel dreht: das Insulin. Wie vielfältig die Wirkung und der Einfluss auf unseren Stoffwechsel sind, war da noch nicht klar. Dennoch ist es ein Durchbruch in der Diabetesforschung und die erste ‚echte Therapie‘ für tausende Diabetiker. Bis heute. 

Wie kann es sein, dass innerhalb von fast 100 Jahren Insulin die einzige Therapie für Typ-1-Diabetes bleibt? Oder ist es vielleicht gar nicht so aussichtlos, wie es klingen mag? 

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Typ-2-Diabetes heilen… Traum oder Realität?

Auf dem DDG-Kongress durfte ich Teil eines außergewöhnlich spannenden Symposiums sein: Es ging um die Frage, ob Typ-2-Diabetes (T2D) heilbar ist.
Die 4 dazu vorgestellten Vorträge haben ausdrücklich gezeigt, dass der T2D tatsächlich vor allem in den ersten Jahren reversibel zu sein scheint. Was ich als Zuschauer an den Vorträgen besonders interessant fand, ist dass Uneinigkeit darüber zu herrschen scheint, ob dies mit einer strengen Diät zu erreichen wäre oder ob hierfür auf Operationen wie die Magen-Bypass-OP gesetzt werden müsse.

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Praxisdialog Ernährung – rund ums Thema Alkohol, n-3-Fettsäuren und Hafertage

Für Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 ist Ernährung ein wichtiger Grundfeiler in der Therapie. Im Praxisdialog „Ernährung“ ging es um Empfehlungen zum Alkoholkonsum, zu n-3 Supplementen und die Wirksamkeit von Hafertagen.

Wer trinkt nicht gerne mal ein Glas Wein oder Bier? Der durchschnittliche Verzehr der Männer liegt dabei sogar bei 12l Bier/Person/Woche – und liegt damit deutlich über den Empfehlungen von 20g Alkohol/d (Frauen 10g/d). Wie sieht das ganze bei Menschen mit Diabetes mellitus aus? Ein moderater Alkoholkonsum scheint keinen Bezug zum nachfolgenden Blutzucker zu haben. Und bei Hypoglykämien? Der Abbau von Alkohol hemmt die Gluconeogenese (hierfür benötigtes NAD+ – Umwandlung von Malat zu Oxalacetat – wird für den Alkoholabbau in der Leber benötigt). Wird der Alkohol zur Mahlzeit zu sich genommen, muss sich anscheinend keine Sorgen um ein Hyporisiko gemacht werden – bei Nüchternheit hingegen erhöht sich Risiko gering. Glucagon hilft hier nicht! Studien zeigen auch, dass ein moderater Alkoholkonsum (10g Männer; 5g Frauen) positive Effekte auf das Diabetesrisiko hat.

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Lerche oder Eule? – Wann du Sport machen solltest

Symposium: Neue Ansätze bei der Prävention durch Sport, D. Pesta

Die positiven Effekte von Sport auf die Blutzuckerregulation sind lange bekannt, man unterscheidet hierbei in akute und chronische Effekte der körperlichen Aktivität. Durch akutes Training z.B. kommt es zu einer Optimierung der Glykämie durch eine verbesserte nicht-Insulin-abhängigen Glucoseaufnahme in den Skelettmuskel. Durch chronisches Training hingegen wird der positive Effekt auf die Blutzuckerregulation durch eine verbesserte Mitochondrienfunktion erzielt.

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„Zucker im ersten Dienst“

Wer kennt es nicht? Nach vielen Jahren Studium hat man endlich die Approbation in der Tasche, die erste Assistenzarztstelle erfolgreich angetreten und dann ist es so weit: der erste Nachtdienst! Aufregung. Bauchkribbeln. Ein kleines bisschen Angst. Was, wenn etwas Unerwartetes  passiert und ich nicht weiter weiß? Was, wenn ich als Arzt versage oder einen Fehler mache? Viele können sich an diese Gedanken und Gefühle  erinnern.

Um uns Klinikernachwuchs etwas die Sorge vor diabetologischen Notfallsituationen zu nehmen, stellte Prof. Seufert im Rahmen seines Workshops „Zucker im ersten Dienst“ verschiedene Fallbeispiele vor. Weiterlesen

Stressdiabetes als Überlebensvorteil

26. Mai 2017 Privatdozent Dr. Michael Haap

Als wir am Freitag um kurz vor 12 den Sitzungssaal „Pfeiffer“ durch den Vordereingang betreten wollten, schüttelte die nette DDG-Helferin schon lachend den Kopf. „Versucht es am besten gleich am Hintereingang.“ Dort angekommen steckten wir vorsichtig den Kopf durch die Tür und merkten schnell: Dieses Thema scheint nicht nur uns, sondern auch die Menge zu interessieren. Glücklicherweise konnten wir noch einen Stehplatz in der letzten Reihe ergattern. Weiterlesen

Die Pneumokokkenpneumonie – eine Risikoerkrankung bei erhöhtem Blutzuckerspiegel?!

25. Mai 2017, kurz vor 11 Uhr im Sitzungssaal „Pfeiffer“, Halle A1. Prof. H. Becker aus Hamburg beginnt seinen Vortrag zum Thema „Ambulant erworbene Pneumonie bei Diabetes“ mit einem Fallbeispiel, das aufhorchen lässt…

Fallbeispiel
Eine junge Dame (jung für das sonstige Patientenklientel einer internistischen Abteilung), bei der seit Kurzem ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt ist, stellt sich mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands und hohem Fieber in der Notaufnahme vor. Ein durchgeführtes Thoraxröntgen zeigt schnell eine Pneumonie, der klinische Verlauf ist jedoch unerwartet dramatisch. Es kommt zu einer weiteren Zustandsverschlechterung. Die Patientin wird auf die Intensivstation verbracht, künstlich beatmet und kann schließlich unter einer breiten antibiotischen Therapie sowie Volumen- und Katecholamingabe langsam stabilisiert werden. Nach weiteren Komplikationen (unter anderem eine Herpes Simplex-Pneumonie, eine Kathetersepsis und eine Critical Illness-Polyneuropathie) kann die Patientin nach 57 Tagen in der Klinik in eine Rehabilitationseinrichung verlegt werden.

Das Risiko Pneumonie
Nach den gezeigten Daten wird deutlich: Ein diagnostizierter Diabetes mellitus alleine ist bereits ein Risikofaktor für einen schweren Pneumonieverlauf. Vor allem die invasiven Pneumokokkenspezies führen bei Diabetikern besonders oft zu schweren Verläufen. Sie neigen zu rezidivierenden Hyper- und Hypoglykämien, entwickeln oft eine ausgeprägte Exsikkose mit prärenalem Nierenversagen und neigen zu weiteren schwerwiegenden Komplikationen.

Abgeleitet aus dem CAP-Netz für ambulant erworbene Lungenentzündungen lässt sich folgendes zum relativen Mortalitätsrisiko bei Pneumonie sagen: Nicht etwa eine Atemwegserkrankung (Odds Ratio ca. 1,25) ist ein größerer Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang, wohl aber ein vorliegender Diabetes mellitus (OR ca. 2,75), gefolgt von einer Herzinsuffizienz (OR ca. 3,5). Der schwerwiegendste Risikofaktor ist jedoch den Daten zufolge ein schlecht eingestellter Blutzucker von > 250 mg/dl (OR ca. 6,0).
Die oben genannte Patientin hatte ihre Diabetesmedikation bei schlechter Verträglichkeit einige Zeit vor Aufnahme in die Klinik eigenständig abgesetzt.
Ein zweites Fallbeispiel von Prof. Becker erzählt eine ähnliche Geschichte.

Fazit
Die Gefahr einer Pneumonie eines Diabetikers wird im Klinikalltag oft unterschätzt. Wie viele Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes kommen täglich in unsere Notaufnahmen und werden mit einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär aufgenommen. Fälle wie die von Herrn Prof. Becker sollten uns genau hinschauen lassen, um nichts zu verpassen!

Neues vom Diabetes Kongress: „Closed Loop“-System bald auch in Deutschland verfügbar

Tägliches Blutzuckermessen und Insulinspritzen – das soll bald ein Ende haben, denn voraussichtlich im Jahr 2018 werden „Closed Loop“-Systeme in Deutschland verfügbar sein. Ein „Closed Loop“-System („geschlossener Kreis“) vernetzt eine Insulinpumpe mit einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. Alle Geräte kommunizieren drahtlos miteinander. Weiterlesen

Bye, bye Kinderarzt: Wie gelingt Kindern mit Diabetes ein guter Übergang zum Erwachsenenmediziner?

Bauklötze, nette Sprechstundenhilfen und das Belohnungs-Gummibärchen machen kleinen Kindern Freude. Große Kinder und junge Erwachsene müssen aber früher oder später Abschied von ihrem medizinischen Betreuer nehmen und zum Erwachsenenmediziner wechsel. Dort geht es ihnen aber nicht zwangsläufig besser: Viele Heranwachsende fühlen sich dort nicht ernst genommen. Sie wollen ihr eigenes Ding machen, aber nicht als chronisch Kranke wahrgenommen werden und mit alten Menschen in einem Wartezimmer sitzen. Denn die Patienten gelangen aus einem Familien-zentrierten Versorgungsumfeld in eine Welt, in der sie selbstverantwortlich für ihre Gesundheit sorgen müssen.

Bär mit Pillen

Quelle: Fotolia/Claireliz

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