54. DDG-Kongress, ein unbezahlbares Erlebnis!

Alles Gute liebe DDG : )

Ich hatte die Gelegenheit dieses Jahr als Reisestipendiatin an der 55-jährigen DDG Jubiläumsfeier teilzunehmen. Neben der Möglichkeit vielen sehr interessanten Beiträgen zuzuhören, hatte ich die Gelegenheit auch selber einen Vortrag im Kongress zu halten. Das Präsentieren war für mich ein unbezahlbares Erlebnis, welches ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Ganz besonders hilfreich waren für mich die Vorträge am Nachwuchstag. Hier hatte ich die Möglichkeit einen ganzheitlichen Blick über verschiedene Forschungsbereiche zu bekommen.  Zwei Vorträge möchte ich hier besonders hervorheben. Zum einen den Beitrag von Herrn Professor Kuß über statistische Testverfahren. Dieser beschrieb im Wesentlichen, dass der p-Wert alleine kein sinnvolles Maß ist, um die Größe eines Effektes zu beurteilen. Zum anderen den Vortrag von Herrn Dr. Dominik Pesta über Bewegungskonzepte bei der Behandlung von Diabetes mellitus. Dieser befasste sich mit der Thematik, dass Patienten mit Typ-1-Diabetes, wie auch Patienten mit Typ-2 Diabetes in gleicherweise von den positiven Wirkung der Bewegung profitieren. Hier ist allerdings zu beachten: Die Insulindosis und Kohlenhydratzufuhr muss berücksichtigt werden. Ebenfalls das erhöhte Hypoglykämierisiko bis 24 Stunden nach einer sportlichen Aktivität.
Zusammenfassend wurde erklärt, dass ein Bewegungstraining zumindest an jedem 2. Tag durchgeführt werden sollte, um die glykämische Kontrolle nachhaltig zu optimieren.

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Wenn sportliche Betätigung keine Wirkung zeigt

Im allgemeinen Volksmund ist bekannt, dass Bewegung und sportliche Aktivität positive präventive Effekte auf metabolische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Menschen, die trotz ausreichender Bewegung keine Gewichtsreduktion erreichen wird jedoch häufig unterstellt das Trainingsprogramm nicht korrekt auszuführen oder in ihrer Ernährungsweise ungesund zu leben. Solch eine Unterstellung könnte diesen Menschen Unrecht geben, die, bezogen auf körperliche Aktivität, zu den sogenannten Non-Respondern gehören.
Dr. Pesta (Düsseldorf) sprach zu diesem Thema und über neue Forschungsinhalte in dem Symposium „Neue Ansätze bei der Prävention durch Sport“.

Normalerweise würde man folgende Dinge bei Bewegung erwarten:
Der Metabolismus wird erhöht, ebenso die Hautdurchblutung und der Sauerstoffbedarf und -transport, das zentrale Nervensystem wird angeregt, die Skelettmuskulatur verstärkt genutzt und aktiviert.
Ein Responder würde auf diesen Reiz mit der Anschaltung von bestimmten Genen und Transkriptionsfaktoren reagieren und z.B. eine bessere Insulinsensitivität erreichen. Es stellt sich ein Trainingseffekt ein. Bei Resistenz oder sogenannten Non-Respondern bleibt dieser positive Bewegungseffekt weitestgehend aus.

In einer Studie mit Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigte sich eine heterogene Anpassung auf ein standardisiertes Trainingsprogramm (10 Wochen, 4x/Woche Training, Messung von in-vivo Mitochondrienfunktion und Insulinsensitivität). Während Responder mit einer verbesserten Insulinsensitivität reagierten, zeigten Non-Responder keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung des HbA1c. Dr. Pesta und seine Arbeitsgruppe sind nun bemüht, herauszufinden, was molekulare Grundlage für diese unterschiedliche Trainingsantwort sein kann und wie Patienten geholfen werden kann, die auf ein Standardtraining nicht ansprechen.

Diskutiert werden Methylierungsunterschiede im Muskel, die Einfluss auf den Glutathionstoffwechsel und damit die antioxidative Abwehr haben; sowie genetische Faktoren. In Bezug auf den NDUFB6-Polymorphismus konnte gezeigt werden, dass Träger eines bestimmten Allels nach Bewegung eine bessere Insulinsensitivität zeigten. Dieses Gen, das für die Untereinheit 1 der Atmungskette kodiert, moduliert möglicherweise auch den Effekt der Bewegung.

Dr. Pesta machte in seinem Vortrag deutlich, dass es keine standardisierte Reaktion bei Menschen auf bestimmte Trainingseinheiten gibt: Es ist daher wichtig herauszufinden, wie man Menschen helfen kann, die nicht auf herkömmliche Bewegungsangebote ansprechen.

Debora Ruf

Rund um Typ-2-Diabetes

Die 2. Tageshälfte des gestrigen Nachwuchstages befasste sich mit dem Diabetes mellitus Typ 2. Zunächst wurde die Epidemiologie des Diabetes mellitus in Deutschland und Global – insbesondere dessen Inzidenz bis zum Jahr 2040 betrachtet. Erschreckend: Prognosen des Jahres 2003 zufolge sind 2025 333 Mio. Menschen an Diabetes erkrankt. Diese Zahl wurde bereits 2011 mit 366 Mio. Erkrankten deutlich überschritten. Auch wenn ein weiterer Anstieg schwer zu verhindern ist, so kann doch mit der Primärprävention (u.a. durch Hochrisikointervention und Populationsweite Intervention) großer Einfluss auf die Inzidenzrate genommen werden.

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„How fast does the Grim Reaper walk?“

Sarkopenie – oder wie der Kölner sagt: wenn et Jehacks verjon.

Ein Thema, dass nicht nur Geriater, Internisten und Orthopäden, sondern auch Sportwissenschaftler beschäftigt. Aber was kann man gegen das Verschwinden der Muskelmasse und der sich immer weiter verkürzenden Gehstrecke tun? „Die Therapie ist ganz klar: Sport!“ lautet die Antwort der Referentin Frau Professor Graf, welche mit ihrem verzückenden Humor und der ein oder anderen kölschen Redewendung den Saal zum Lachen brachte. Das Ziel soll nicht das Abnehmen an sich sein, sondern der Erhalt der Lebensqualität. Besonders bei älteren Menschen sollte nicht nur der Fokus auf dem Ausdauertraining liegen, sondern auch auf dem Krafttraining – natürlich in Maßen, zum Beispiel mit dem TheraBand. Doch wie steht es um die Gelenke? Sollte man nicht eine Überbeanspruchung verhindern? „Es ist das gut, was dem Patienten Spaß macht und was er mit seinem Körper umsetzten kann“, antwortete Frau Professor Graf auf diese Frage. Das Ziel sei es, die sportliche Betätigung über viele Jahre zu machen und das klappt nur mit Freude und Motivation. Da rücken auch mal die Gelenke in den Hintergrund.

Abschließend zeigte Sie einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Turne bis zur Urne“. Ja, lieber Sensenmann. Wenn unsere Patienten das befolgen, dann laufen sie dir alle davon.

Laufen gegen den Diabetes!

„Wenn es am Donnerstag wieder sportlich wird rund um dem City Cube, dann ist es wieder Zeit für den Diabetes-Lauf. 400 hochmotivierte Sportler von Jung bis Alt kämpfen für Aufmerksamkeit für das Medikament ‚körperliche Bewegung‘.“

Die Stimmung ist ausgelassen und kurz vor dem Startschuss findet Olympiasieger Dieter Baumann noch kurz Zeit mit den Jungsportlern und Fans ein paar Fotos zu schießen. Weiterlesen

Schlechte Parksituation für Nahrungsfette: Ist Typ-2-Diabetes eine Kalorienresistenz?

800 Kalorien pro Tag – was wie eine Crash-Diät für Magermodels klingt, soll Patienten mit Typ-2-Diabetes helfen, innerhalb einiger Wochen frei von Symptomen zu werden. Das bedeutet: Sie haben einen normalen Blutzuckerspiegel, ohne dass sie Medikamenten einnehmen oder Insulin spritzen müssen.

Schwer beladener VW-Käfer

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Pokemon Go zur Diabetes-Prävention

Pokemon Go spaltet die Gesellschaft: Die einen laufen Zombie-artig mit stierem Blick aufs Smartphone durch die Stadt. Die anderen regen sich darüber auf, ständig angerempelt zu werden. Ich persönlich verstehe nicht, warum junge Erwachsene, die ich bisher eigentlich für ziemlich cool hielt, plötzlich durch die Stadt ziehen und kleine Monster fangen. Aus medizinischer Sicht bewirkt die App bei ihren Nutzern, was Ärzte und Gesundheitsbehörden seit Jahren vergebens predigten: sie bewegen sich, anstatt den Feierabend mit Playstation und Netflix auf der Couch zu verbringen. Weiterlesen

Diabetes und Sport: Wenn die Gene nicht mitlaufen

Wie wichtig regelmäßige Bewegung für die erfolgreiche Prävention und Therapie von Diabetes ist, stellte bereits Olympiasieger Dieter Baumann in seiner Eröffnungsrede eindrucksvoll dar. Mit viel Witz und Enthusiasmus rief er eindringlich die Zuhörer zu mehr Bewegung im Alltag auf. Doch profitiert wirklich jeder gleichermaßen von der gesundheitsfördernden Wirkung von Sport, etwa durch eine langfristige Verbesserung der Insulinsensitivität? Weiterlesen

Dem Diabetes davonlaufen – jeder ist gefragt, auch Sie!

Prävention ist zwar in den Praxen, jedoch noch nicht im Alltag angekommen.  Das Projekt „Dem Diabetes davonlaufen– 10.000 Schritte mit dem Ankerprinzip“ soll dies ändern. Es ist ein App-basiertes, neues Präventions-Produkt, welches den Großteil der Bevölkerung erreichen soll.

Turnschuhe

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Die Paul-Langerhans-Vorlesung 2015

Von Christina H.

Die Epigenetik findet eher selten einen Weg in die Hausarztpraxis, in der ich arbeite. Wenn doch, dann klopft sie leise an, setzt sich auf den Besucherstuhl und sieht mich fragend an:

„Ob ich mir wohl nie überlegt hätte, was passiert, wenn meine Patienten hier und da meinen Rat befolgen und anfangen, sich zu bewegen?“. „Sie verfluchen mich? Sie müssen danach zum Orthopäden? Wechseln sie womöglich den Hausarzt? Sie decken sich zunächst mit neuen Sportsachen ein?“ „Nicht ganz. Nicht nur, jedenfalls. Das Zauberwort lautet Methylierung. Jede einzelne Sporteinheit verändert unsere Genexpressionsmuster. Individuell unterschiedlich versteht sich.“

Ein faszinierender Gedanke. Beruhigend. Womöglich merkt sich der Körper doch jede Runde, die wir uns schwitzend um innerdeutsche Binnengewässer schleppen. Darüberhinaus eine Erklärung für den unterschiedlichen Effekt, den Sport bei verschiedenen Menschen hat? Vielleicht.

Professor Juleen Zierath, Preisträgerin der diesjährigen Paul-Langerhans-Medaille, verleiht der Epigenetik ein beeindruckendes, fast magisches Gesicht ohne Scheu vor dem Praxistest.

Epigenetische Veränderungen – ein verheißungsvolles Erklärungmodell für die individuell unterschiedliche Reaktion unserer Patienten auf Präventionsmaßnahmen und Umwelteinflüsse.