Bariatrische Interventionen zur Eindämmung des „Diabetes-Tsunamis“?

Im Symposium zu Bariatrischer Chirurgie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus präsentierte Professor Müller aus Heidelberg spannende neue Erkenntnisse. Die Bariatrische Chirugie wird in Deutschland bisher verglichen mit dem Ausland recht stiefmütterlich behandeltet.

Während sowohl die Anzahl der Adipösen als auch die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland kontinuierlich steigen, zeigen konservative Maßnahmen zur Gewichtsregulation v. a. langfristig keine zufriedenstellenden Resultate. Besonders gemein ist hierbei der „Jojo“-Effekt: Während bei Gewichtsabnahme der Grundumsatz sinkt, steigt er bei einer erneuten Gewichtszunahme nicht wieder an, sodass eine überschießende Gewichtszunahme begünstigt wird. Von noch größerer Bedeutung ist die Tatsache, dass konservative Therapiekonzepte zu keiner Verbesserung der kardiovaskulären Mortalität führen – im Gegensatz zu bariatrischen Interventionen. Generell alle chirurgischen Verfahren führen im Langzeitverlauf zum Gewichtsverlust, diese Eingriffe senken auch die kardiovaskuläre Mortalität signifikant. Dies gilt sowohl allgemein, wie dies die wegweisende SOS-Studie darlegt, aber ganz besonders und noch deutlicher für Diabetiker, die also in Hinblick auf eine verlängerte Überlebenszeit ganz besonders profitieren. 

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Adipositas und metabolische Chirurgie: Was ist das?

Die Adipositas-Chirurgie beinhaltet bariatrische Operationen, die dem Patienten mithilfe eines Magenbypasses oder eines Magenschlauchs ermöglichen, enorm an Körpergewicht zu verlieren und seinen BMI zu reduzieren. Diese ist nach wie vor die Therapie der Wahl bei morbider Adipositas. Weitere Indikation sind Patienten mit Adipositas Grad III und Adipositas Grad II, bei denen Folge- und Begleiterkrankungen vorliegen (z.B. Hypertonie und Diabetes) und diese mit ausgeschöpfter intensiver konservativer Therapie keine weiteren Fortschritte mehr erzielen können. Weiterlesen

Bariatrischen Chirurgie: Was jeder wissen sollte

Von Mareike Hartmann

In kompakten, informativen Vorträgen wurde den Zuhörern am Samstag Vormittag der Bereich der Bariatrischen Chirurgie näher gebracht.

Im ersten Vortrag wurden die bereits am Vortag erwähnten Indikationen zur bariatrischen Chirurgie aufgegriffen, wobei betont wurde, dass in Deutschland (gerade auch im Vergleich zu vielen anderen Ländern) die Indikation viel zu spät gestellt würde, sodass bei den Patienten durch das starke Übergewicht bereits massive irreversible Schäden vorliegen.

Danach wurden die möglichen Verfahren dargestellt. Die in Deutschland am häufigsten durchgeführte Operation ist der Schlauchmagen, gefolgt vom Magenbypass (dieser ist weltweit an erster Stelle). Die Magenband-OP ist weltweit rückläufig. Interessant war noch die Vorstellung zweier neuer Verfahren, sogenannte „Mini-Eingriffe“, bei welchen unter anderem eine geringere OP-Zeit benötigt wird . Dabei scheint der „Minibypass“ noch recht umstritten zu sein, das SADI-S (Single anastomosis duodeno–ileal bypass with sleeve gastrectomy) jedoch bereits aufgrund guter Ergebnisse eine gute Alternative darzustellen.

Im folgenden Vortrag wurden noch konkrete Zahlen für Deutschland vorgelegt und außerdem die Notwendigkeit einer konsequenten und lebenslangen Nachsorge sowie eventuell benötigte Substitutionstherapie (bei malabsorbtiven Verfahren) herausgestellt, welche bisher nicht von den Krankenkassen getragen wird.

Der letzte Vortrag gab eine interessanten Blick in die Zukunft, wobei klargestellt wurde, dass bariatrische Chirurgie bei weitem nicht nur über den Gewichtsverlust wirkt, sondern den Körper auf viele Weisen beeinflusst (hormonelle Veränderungen, veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien, humorale Effekte…). Allerdings wurde betont, dass leider noch nicht ausreichend Studien mit hoher Evidenz vorhanden seien um genügend Akzeptanz zu finden. Die bereits Vorhandenen Langzeitstudien zeigen jedoch, dass die Mortalität mit OP im Vergleich zu konservativer Therapie nach 10 Jahren geringer ist und für Kurzzeiteffekte liegen sogar Studien mit 1A Evidenz vor.

Insgesamt sicherlich ein Gebiet, auf dem es noch viel zu erforschen gibt und dass Hoffnung auf eine wirkungsvolle Therapie der Adipositas sowie deren Begleiterkrankungen lässt!

 

Metabolische Chirurgie – das Allheilmittel?

Von Mareike Hartmann

Eine vertiefende Diskussion zum bereits in der Pressekonferenz angeschnittenen Thema wurde im Vortrag „Pro und Contra: Metabolische Chirurgie“ geführt.

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Die bereits erwähnten Vorteile dieser Therapie (Beeindruckende Besserung eines Typ 2 Diabetes, Normalisierung zuvor pathologischer Werte, Medikamentenreduktion) wurden durch diverse Studien belegt und die Referenten waren sich einig, dass metabolische Chirurgie eine sehr effektive Therapieform darstellt und in den vorgelegten Studien besser abschneidet als konservative Therapie.

Allerdings machte Herr Dietrich als Vertreter der Kritiker deutlich, wie wichtig es sei, die Leitlinien zu überdenken. Diese indizieren bariatrische Chirurgie ab einem BMI> 35 oder zwischen 30 und 35, wenn dieser auf konservative Therapie nicht anspricht. Dabei berufen sich die Leitlinien auf zum Teil 30 Jahre alte Studien, deren Ergebnisse inzwischen veraltete wären. Tatsächlich profitieren nur 6-26 Prozent nicht von bester konservativer Therapie (zum Beispiel mit Optifast). Zudem gibt es noch keine Langzeitergebnisse der bariatrischen Chirurgie.

Insgesamt wäre somit eine bessere Zusammenarbeit und weniger Konkurrenzdenken zwischen Internisten und Chirurgen wichtig.

Die letzten beiden Vorträge behandelten die beiden bariatrischen Operationsverfahren Schlauchmagen und gastrischer Bypass. Dabei lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Schlauchmagen zwar minimal schlechtere (aber nicht signifikant schlechtere) Ergebnisse im Bezug auf Verbesserung der Stoffwechsellage und Gewichtsverlust hat, jedoch die sicherere und einfacherer  Methode darstellt, vorrausgesetzt der Chirurg hat genügend Expertise.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bariatrische Chirurgie sicherlich eine wichtige und effektive Therapie bei Stoffwechselstörungen und Adipositas darstellt, aber wohl kein Allheilmittel ist und jede Indikation mit Bedacht und in interdisziplinärerer Zusammenarbeit gestellt werden sollte.