Prädiabetes mit Darmbakterien behandeln?

Unsere Ernährung spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Adipositas und Typ-2-Diabetes als mögliche Folgeerkrankung. Beide Erkrankungen gehen mit einer chronischen, niedrigschwelligen Entzündung einher. Doch welchen Einfluss haben unsere Darmbakterien auf diesen pathologischen Prozess?

Diese interessante Frage adressierte Prof Dr. Laudes vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in seinem Vortrag „Microbiota als Determinanten von Inflammation und kardiometabolischem Risiko“ und berichtete von seinen eindrucksvollen Studienergebnissen.

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Nutzen populärer Diäten für Typ-2 Diabetiker

In Zeiten, in denen bei vielen Menschen Ernährungsratgeber über die Art und Häufigkeit der täglichen Nahrungsaufnahme mitentscheiden, war ich interessiert, inwiefern es gerade für Typ-2-Diabetiker mit Adipositas von Vorteil ist, sich der einen oder anderen dieser Kostformen anzuschließen. Der Vortrag von Prof. Dr. Anette Buyken versprach über den Sinn oder Unsinn dessen Aufschluss zu geben. Wie allerdings ist „sinnvoll“ in diesem Zusammenhang zu definieren? Prof. Buyken stellte dazu zunächst drei Hauptkriterien auf: 1. erfolgreiche Gewichtsreduktion, 2. Gewichtserhalt, 3. Verbesserung der Stoffwechseleinstellung bei Typ-2-Diabetes bis hin zur Remission.

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Die Bedeutung der zirkadianen Rhythmik

In der Session „Die richtige Zeit zum Essen und Schlafen – Chronobiologische Aspekte der Prävention“ wurden wichtige Aspekte der zirkadianen Rhythmik referiert und neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit Leberstoffwechsel, Schlaf und Ernährung präsentiert. Die Session wurde von Prof. Anette Buyken und Prof. Sebastian Schmid geleitet und umfasste vier Vorträge.
Mir persönlich ist besonders der Vortrag von Herrn Prof. Hans Reinke im Gedächtnis geblieben. Er hat zunächst erläutert, dass die zirkadiane Rhythmik anhand von Aktivatoren und Repressoren gesteuert wird, dass dieser Vorgang in jeder Zelle des menschlichen Körpers abläuft und so gut wie alle Körperfunktionen beeinflusst. Das System wird dabei von einer Master-Uhr im Hypothalamus synchronisiert, die durch Lichteinfall auf die Retina reguliert wird. Die Bedeutung der zirkadianen Rhythmik auf den Stoffwechsel konnte er anhand zweier Versuche im Mausmodelle noch einmal hervorheben. In einem gab er Gruppen von Mäusen einmal abends und einmal nachts die gleichen Dosen Cyclophosphamid, was dazu führte, dass die Mäuse mit nächtlicher Gabe alle verstarben, bei der abendlichen Gabe aber 70% überlebten. Im anderen Mausmodell hat er Knockout-Mäuse untersucht, bei denen er Gene zur Regulierung der zirkadianen Rhythmik ausgeschaltet hat. Das hatte gravierende Folgen wie Adipositas oder Diabetes. Wie weitreichend die Folgen einer gestörten zirkadianen Rhythmik für den Menschen sind, lässt sich nur erahnen, zum Beispiel anhand von Untersuchungen von Schichtarbeitern, die ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas aufweisen.
Insgesamt wurde mir durch diese Session bewusst, wie weitreichend der Einfluss der zirkadianen Rhythmik auf viele verschiedene Vorgänge im menschlichen Körper ist. Dabei konnten schon erste Erkenntnisse, wie ein veränderter Insulinbedarf im Laufe des Tages, gewonnen werden. Es muss aber noch sehr viel mehr und intensiver geforscht werden, um weitere solche Erkenntnisse und auch daraus resultierende Therapieempfehlungen zu erlangen.

Thomas Fischer

Gewichtsreduktion bei Adipositas durch einen Wirkstoff aus traditioneller chinesischer Arzneipflanze

Zum Thema „Adipositas“, als einer der Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes mellitus, gab es viele Beiträge und Diskussionen auf dem Diabetes-Kongress in Berlin.

In der Session „Neue Mechanismen für die Prävention und Therapie des Diabetes“ sprach Dr. Paul Pfluger über die Rolle des Sättigungshormons Leptin und Leptin-Sensitizer in der Adipositas-Therapie.

Nach einer kurzen Einführung über die Funktion von Leptin in der Regulation der Nahrungsaufnahme erläuterte er den Begriff der Leptinresistenz. Diesen definierte er als Funktionsmangel von exogen zugeführtem Leptin, da die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen kontrovers und noch nicht eindeutig geklärt sind.

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Kann man Diabetes mellitus Typ 2 heilen ?

Die Möglichkeit einer Heilung der Erkrankung des Diabetes mellitus Typ 2 auf Basis der gängigen Doppelzyklus-Hypothese zur Ätiologie der Erkrankung wurde auf dem diesjährigen DDG-Kongress diskutiert. Die Doppelzyklus-Hypothese, geht von einer Ansammlung von Fett in der Leber und sekundär in der Bauchspeicheldrüse aus. Diese Ansammlung führt zu sich selbst verstärkenden Zyklen, die zusammenwirken und Typ-2-Diabetes hervorrufen.
Die Session wurde geleitet von Michael Roden und Andreas Birkenfeld und umfasste vier interessante State-of-the-art-Vorträge.

In Vorträgen von Roy Taylor, Andreas Birkenfeld, Francesco Rubino und Arya Mitra Sharma wurden verschiedenste Gesichtspunkte von internistischen oder chirurgischen Therapieansätzen mit vorübergehender oder dauerhafter Remission des Typ-2-Diabetes (normalisierter HbA1c ohne Einnahme von anti-diabetischer Medikation) beleuchtet. Die in Großbritannien durchgeführte DIRECT-Studie zeigte eine langfristig stabile Remission des Typ-2-Diabetes mittels intensiver Ernährungstherapie in Hausarztpraxen mit jährlichen Follow-up‘s im Rahmen eines Initativprogrammes.

Große Hoffnungsträger im medikamentösen Bereich sind die relativ neuen antihyperglykämen Substanzklassen der GLP-1-Analoga und SGLT2-Inhibitoren. Vor allem letztere konnten in den bisher publizierten Studien eine blutzuckersenkende Wirkung und einen protektiven Effekt, der mit Diabetes mellitus assoziierten, kardiovaskulären Gefäßerkrankungen zeigen. Und auch eine Gewichts- und Leberfettreduktion konnte in diesen Studien gezeigt werden.

Die bariatrische Operation (Magenbypass; Schlauchmagen) wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt, um vor allem die Diabetes mellitus-assoziierte Adipositas zu behandeln und eine langfristige Remission metabolischer Erkrankungen, neben dem Übergewicht, zu erreichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Referenten der verschiedenen Fachbereiche waren sich einig, dass die Erkrankung „Diabetes mellitus Typ 2“ potenziell reversibel ist, wenn überschüssiges Fett in Pankreas und Leber abgebaut wird. Somit ist eine stabile Gewichtsreduktion ausschlaggebend – eine Remission hält so lange an, wie das Gewicht stabil reduziert bleibt. Medikamentös, operativ oder Ernährungsinterventionen – für die Normalisierung des Gewichts bleiben diese Therapien weiterhin der erste Ansatzpunkt im Kampf gegen die Epidemie des Diabetes mellitus Typ 2.

Theresia Sarabhai

Werden Medikamente gegen Übergewicht bald Realität?

Eine Empfehlung für jeden Kongressbesucher: die Langerhans-Vorlesung im Rahmen der Preisverleihung der Paul-Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes Gesellschaft – in diesem Jahr verliehen an Matthias Tschöp.

Prof. Tschöp – seit 2018 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums Münchens – erforscht unter anderem Poly-Agonisten als potenzielle Medikamente für Typ-2-Diabetes und so auch der Titel seiner Vorlesung: „Poly-Agonisten für Typ-2-Diabetes: Entdeckung, Mechanismen und klinische Wirksamkeit“.

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Chirurgie: Nicht immer eine Lösung

„Messer sticht Metformin“, „Diabetes durch bariatrische Chirurgie geheilt“, „Adipositas – keine Erkrankung der Inneren Medizin“… Diese und mehr plakative Überschriften geistern durch die Presse und machen auch vor den Toren des DDG-Kongresses nicht halt. Dabei werden in der Euphorie der kurzfristigen und durchaus positiven Ergebnisse der Sleeve-Gastrektomien und Magen-Bypass-Operationen häufig Langzeitfolgen gar nicht erst erwähnt. 

Herausgestochen ist deshalb der Vortrag von Herrn Prof. Aberle aus Hamburg, der die möglichen negativen Folgen der immerhin mindestens 10% der Patienten, die hinterher nicht joggend im Alten Elbtunnel anzutreffen sind, präsentierte. Insbesondere die steigende Inzidenz der psychischen Störungen (Depression, Selbstverletzung, Alkoholabusus) hinterlässt ein ungutes Gefühl in der Magengegend und zeigt, dass man auch bei Übergewicht dringend und zwingend nach der eigentlichen Ursache suchen muss. Mit Essen lässt sich vermeintlich viel kompensieren: fällt dies plötzlich weg, scheint sich offensichtlich eine bereits seit längerem bestehende Depression zu demaskieren, mit der Patienten unter Umständen alleine gelassen werden.

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Wundermittel gegen Adipositas und Diabetes Typ 2?

„Kinderleicht 20 Kilogramm in nur 8 Wochen abnehmen“, „DAS Mittel, mit dem die Pfunde nur so purzeln“. Mit diesen und ähnliche Versprechungen der Werbeindustrie werden wir beinahe tagtäglich in den Medien konfrontiert und zum Kauf von teuren Pulvern und Kapseln verleitet. Doch gibt es das wirklich, ein Zaubermittel gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2? Die Lösung für eines der zentralen Probleme unserer Wohlstandsgesellschaft, für zwei Erkrankungen die sich gegenseitig befeuern und die für etliche Folgeerkrankungen verantwortlich ist? Die Antwort darauf – das mag wohl kaum jemanden überraschen – lautet kurz und knapp: (Noch) nicht. Ein wichtiger Vermerk dazu lautet jedoch: Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp und sein Team sind auf einem vielversprechenden Weg in diese Richtung! Daher wurde der Leiter des Helmholtz-Institutes in München absolut zu Recht auf dem diesjährigen DDG-Kongress geehrt und für seine herausragenden Forschungsarbeiten zur Rolle von Poly-Agonisten im Kampf gegen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 mit der Paul-Langerhans-Medaillie 2019 ausgezeichnet. Die Entschlüsselung der Hormonwirkung von Ghrelin, Glucagon, Leptin etc., die in Magen-Darm-Trakt und ZNS für die Regulierung unserer Nahrungsaufnahme und den Blutzuckerspiegel zuständig sind stellten dabei den ersten wichtigen Schritt dar.
Dem Neuroendokrinologen Tschöp gelang die molekularbiologische Imitation dieser einzelnen Botenstoffe, um sie dann in einem „Supermolekül“ dem sogenannten Poly-Agnoisten zu verknüpfen. Sie vereinen und potenzieren somit die erwünschten Wirkungen dieser Hormone mit dem Ergebnis von Verlust an Köpermasse und einem verbesserten Blutglukosespiegel. Prof. Tschöp, ein absolut würdiger Preisträger und ein ein Name, den man sich für die nächsten Jahre merken sollte…

Johannes Albertus Hofer

Der endlose Kreislauf des Gestationsdiabetes

H.Hauner: Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft-Beudeutung bei Adipositas, Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Ein wichtiges Thema beim diesjährigen Diabetes Kongress war die korrekte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes und die Frage, ob eine frühe Intervention schon während der Schwangerschaft einen möglichen lebenslangen Nutzen für Mutter und Kind hätte.

Um eine optimale Gewichtszunahme bei Schwangeren festzulegen, veröffentlichte das Institut für Medizin (Institute of Medicine, IOM) 2009 Empfehlungen, die kategorisch auf dem präkonzeptionellen Body-Mass-Index (BMI) in der Vorschwangerschaftszeit basieren.

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Adipositas als Gehirnerkrankung?

Die für mich wohl prägnanteste Aussage der Paul-Langerhans-Vorlesung war: „Adipositas als Gehirnerkrankung“. Hierbei war oft von einer Insulinresistenz im Gehirn der adipösen Menschen die Rede. Dies ist ein Zusammenhang, der mir als Medizinstudent im klinischen Abschnitt vorher nicht geläufig war. Anscheinend ist die Lehre an den Universitäten noch nicht an diesen Punkt gelangt.

Die Preisträger des diesjährigen DDG-Kongresses Prof. Dr. Dr. Matthias Tschöp (Paul-Langerhans-Medaille) und Prof. Dr. Martin Heni (Ferdinand-Bertram-Preis) referierten über ihre jeweiligen aktuellen Forschungsergebnisse.
Neben guter Rhetorik und spannenden Aussichten auf zukünftige Forschung bleibt dabei vor allem eines hängen: Adipositas scheint unter anderem eine Erkrankung des Gehirnes zu sein und hieraus ergeben sich neue potenzielle Möglichkeiten der Therapie. Ob man damit die sogenannte „Adipositasepidemie“ eindämmen kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Weiterhin stelle ich mir nun die Frage, ob zukünftig die Diabetologen in enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und Psychiatrie an diesen Themen arbeiten.

Mit Sicherheit kann ich aber aus meiner Sicht behaupten, dass die beiden prämierten Forscher an diesem Freitag zeigten, warum sie die Auszeichnungen der DDG verdient haben. Abschließend kann man also sagen, dass die Preisverleihung/Paul-Langerhans-Vorlesung ein definitives Highlight des DDG-Kongresses 2019 darstellt und einen Ausblick gibt auf kommende Forschung und damit auch Lehre.

Maximilian Hopf