Steuer auf zuckerhaltige Lebensmittel ist keine Bevormundung!

Am 16. März hat die britische Regierung angekündigt eine Zuckersteuer zu erlassen, um die Bevölkerung besser vor Übergewicht, Diabetes und Co. zu schützen. Diese soll Medienberichten zufolge zwei Stufen haben: eine für Getränke ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, eine für solche mit mehr als acht Gramm – bei einer Zweiliterflasche No-Name-Cola sei damit eine Verteuerung von bis zu 80 Prozent möglich. Reine Fruchtsäfte, Getränke auf Milchbasis und sehr kleine Unternehmen sind nach den Regierungsplänen von der Steuer ausgenommen. Eine Frist von zwei Jahren bis zum Inkrafttreten der Regelung lässt Unternehmen Zeit, den Zuckergehalt von Produkten zu senken. Die Abgabe soll dem Staat umgerechnet etwa 660 Millionen Euro einbringen, die wiederum in die Förderung von Sport in Grundschulen fließen.

Frau schiebt Einkaufswagen durch Supermarkt

Quelle: Kodak Photo

Kritiker empfinden die Zuckersteuer als Bevormundung: schließlich könne der Staat den Konsumenten dich per Steuer vorschreiben, welche Lebensmittel sie zu kaufen hätten. Auch Politiker zweifeln an der Wirksamkeit einer Steuer und möchten lieber verstärkt auf Aufklärung und menschliche Vernunft setzen. Diese kann jedoch beeinträchtigt sein: Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass Zucker süchtig machen kann – eine Wirkung, die die Lebensmittelindustrie einsetzt um mehr ihrer Produkte zu verkaufen. Auch außerhalb von Nachtisch und Süßigkeiten sind viele verarbeitete Lebensmittel mit Zucker versetzt, um den Belohnungseffekt im Gehirn zu aktivieren. Warum darf sich der Staat sich nicht einmischen, wenn die Industrie ihre Verbraucher manipuliert?

Es den Menschen leichter zu machen, gesund zu essen und zu trinken, heißt, gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen. Eine gesunde Ernährung darf kein Statussymbol für Besserverdienende sein – wir brauchen die Entwicklung gesünderer Produkte für die Breite der Gesellschaft. Um der Industrie ökonomische Anreize zu setzen müssen gesunde Lebensmittel deshalb bedeutend günstiger werden als solche, die viel Zucker, Salz oder Fett enthalten. Deutschland hinkt in seinen Bemühungen um eine gesundheitsgerechte Umgestaltung der Lebensbedingungen vielen anderen Ländern hinterher. So gibt es in skandinavischen Ländern seit vielen Jahren Zuckersteuern. Auch Frankreich, Belgien, Ungarn und Mexiko erheben Steuern auf Getränke mit zugesetztem Zucker und haben damit bereits signifikante Erfolge im Konsumrückgang seitens der Bevölkerung und in verbesserten Produktrezepturen seitens der Ernährungswirtschaft erzielt.

Ein Gedanke zu “Steuer auf zuckerhaltige Lebensmittel ist keine Bevormundung!

  1. Ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland jedes Jahr 700 Millionen € für Werbung von Süßigkeiten ausgegeben werden, Muss siecherlich auch von der anderen Seite (Hersteller) einiges getan werden. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

    Dies kann nur der Staat veranlassen, selber werden sie wohl kaum ihr Volumen oder die Zusammensetzung der Produkte ändern. Aktuell, hat die EU gerade beschlossen, dass Glykose-Sirup zu einem höheren Anteil als 5% (wie aktuell) in Lebensmitteln ab 2017 verwendet werden darf.

    Dies ist eine Katastrophe und dem Ziel der allgemeinen Fettreduktion mehr als abträglich. Die Menge macht das Gift und hier ist letztlich jeder selber gefragt.

    Beste Grüße

    Michael

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