Schnipp-Schnapp Diabetes ab – Kann eine Operation tatsächlich Diabetes Mellitus besiegen?

Eine Erkrankung, die allgemein als progredient und komplikationsreich bekannt ist, zu besiegen und dann auch noch durch eine Operation, obwohl es sich um eine systemische Erkrankung handelt? Das Alles klingt erst mal sehr weit hergeholt.

Tatsächlich ist dieser Ansatz aber gar nicht so neu, wie man zunächst denken mag: Tatsächlich wurde bereits 1925 publiziert, dass die Gastrektomie bei der peptischen Ulkuskrankheit (Leyton et al. Lancet) unmittelbare Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel hat.

In aktuellen Studien konnte gezeigt werden, dass sich 75% der Patienten, die an Diabetes Mellitus Typ II erkrankt sind, zwei Jahre nach einer Magenbypass-Operation in Remission befunden haben.  Nach 12 Jahren betrug der Anteil der Patienten immerhin noch 51% (Adams et al. NEJM 2017). Dabei war der Zustand der Remission durch normalisierte Glukosewerte, sowie Verzicht auf antidiabetische Medikation für min. 12 Monate definiert.

Die durch die Operation erzielten Effekte gehen dabei über die Remission des Diabetes Mellitus hinaus. Patienten, die bereits fünf Jahre an Diabetes Mellitus Typ II erkrankt waren, konnten fünf Jahre nach einer Magen-Bypass-Operation in ca. 80% der Fälle ohne antidiabetische Medikation auskommen (Mingrone et al Lancet 2015). Das kardiovaskuläre Risiko, sowie der Bedarf an kardiovaskulär wirksamen Medikamenten konnten stark gemindert werden. Ein Aspekt dieser Studie, der aus meiner Sicht besonders überrascht, ist, dass die operative Therapie zu einer höheren Lebensqualität führt, als die medikamentöse Therapie und die Lebensstil-Intervention zusammen!

Nun würde man zunächst denken, dass diese Effekte bloße Folge der durch die Operation induzierten Gewichtsabnahme beziehungsweise der geringeren Nahrungsaufnahme seien, allerdings scheint der Glukosemetabolismus auch unabhängig davon beeinflusst zu werden. So konnte durch Studien an Diabetes Mellitus Typ II erkrankten, normalgewichtigen Ratten gezeigt werden, dass eine Abkopplung des Duodenums von der Nahrungspassage, unter Belassung des Magens, zu einer Remission des Diabetes Mellitus, ohne begleitende Gewichtsabnahme, führt (Rubino et al. Ann Surg. 2006). Bei Reanastomosierung des Duodenums mit dem Magen konnte bei denselben Versuchstieren erneut Diabetes Mellitus Typ II induziert werden.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich der Stellenwert der chirurgischen Therapie bei Patienten mit Diabetes Mellitus Typ II entwickeln wird. Erste Anpassungen der Leitlinien wurden schon in einigen Ländern durchgeführt, sodass Operationen, bei an Diabetes Mellitus Typ II erkrankten Patienten auch unterhalb des klassischen BMI-Grenzwertes von 35 kg/m2 durchgeführt werden (DSS-2 Leitlinien). Doch wird diese Option bald sogar bei normalgewichtigen Patienten eine ernsthafte Option? Welche metabolischen Stoffwechselwege werden tatsächlich durch die Operation beeinflusst?  Time will show.

Christoph Mooshage

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