Schlechte Parksituation für Nahrungsfette: Ist Typ-2-Diabetes eine Kalorienresistenz?

800 Kalorien pro Tag – was wie eine Crash-Diät für Magermodels klingt, soll Patienten mit Typ-2-Diabetes helfen, innerhalb einiger Wochen frei von Symptomen zu werden. Das bedeutet: Sie haben einen normalen Blutzuckerspiegel, ohne dass sie Medikamenten einnehmen oder Insulin spritzen müssen.

Schwer beladener VW-Käfer

Fotolia/Gunnar Assmy

Eine Arbeitsgruppe aus Newcastle konnte an 30 Patienten mit Typ-2-Diabetes eindrucksvoll demonstrieren, welchen Effekt eine 8-wöchige Radikaldiät haben kann. Die Hälfte der Versuchsteilnehmer hatte seit weniger als 4 Jahren Diabetes. 12 von ihnen brauchten nach Ablauf der Kur keine Medikamente mehr und zeigten auch 4 Monate später noch einen  normalen Blutzucker. Bei den übrigen Patienten, die seit 8 Jahren oder länger erkrankt waren, gelang es immerhin der Hälfte, ihren Blutzucker so weit zu senken, dass die Diagnose Diabetes nicht mehr auf sie zutraf.

Der Ansatz, der hinter dieser Arbeit steht, ist eine These, die die bisherige Lehrmeinung zur Pathophysiologie des Diabetes Typ 2 infrage stellt. Dementsprechend ist es nicht das körpereigene Insulin gegen das die Leberzellen resistent werden, sondern ein Überangebot an Glukose. Der Diabetologe Philipp Home aus Newcastle vergleicht den Glukosestoffwechsel mit einem Auto. Dabei übernimmt die Leber die Funktion des Motors und Insulin die Funktion des Benzins. Nimmt der Körper über längere Zeit zu viele Kalorien auf, speichert die Leber Zucker aus dem Blut als Glykogen. Sobald diese Speicher voll sind, wird die überschüssige Energie im Fettgewebe gelagert. Sind diese „Fettparkplätze“ ebenfalls belegt, wird das weitere Fett direkt in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse gelagert. Das Auto – also der Körper – wird mit schweren Lasten beladen, der Motor verbraucht mehr Benzin. Die Leber wird resistent gegen weitere Zuckerverwertung und die Bauchspeicheldrüse verliert die Fähigkeit, Insulin zu produzieren.

Trotz viele erfolgreicher Therapieansätze gilt Typ-2-Diabetes bis heute als unheilbar. Obwohl bekannt ist, dass die Verringerung der Kalorienaufnahme, oder der Abbau von Energiespeichern durch Bewegung das Krankheitsbild verbessern, so fehlten diesbezüglich bislang systematische klinische Untersuchungen. Unwahrscheinlich, dass die Pharma-Industrie auf diesem Gebiet aktiv werden würde. Hier sind die unabhängigen Forschungsinstitute gefragt.

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