Schlau, schlank und gesund durch den richtigen Schlaf?

„Ausreichend körperliche Aktivität“ postulieren die einen, „der richtige Schlaf“, sagen die anderen, sei der Schlüssel zu einem gesunden Glukose- und Insulinstoffwechsel. Soll das Konzept „Schlank im Schlaf“, auf dessen Suchanfrage Google eine unüberschaubare Flut von 8.050.000 Einträgen liefert, also doch funktionieren?
Wie mit der Dauer und Qualität des Schlafs sowie der Nahrungsaufnahme zur richtigen Uhrzeit die Glukosehomöostase aufrecht erhalten wird, erklärten Prof Dr. Reinke und Prof. Dr. Schmid in ihren Vorträgen zur Relevanz zirkadianer Rhythmen für den Leberstoffwechsel sowie zur Chronobiologie und dem Energiestoffwechsel.

Während des Schlafens findet die Konsolidierung von Gedächtnisleistungen statt – insbesondere die erste Schlafhälfte, welche mit dem Tiefschlaf einhergeht, konsolidiert das deklarative Gedächtnis. Der richtige Schlaf hilft jedoch nicht nur dabei Gelerntes zu festigen, sondern ist ein bedeutender Faktor für die Glukosehomöostase, wobei Dauer und Qualität des Schlafs entscheidend sind. In einer Studie zur Dauer des Schlafs verbrachten junge, gesunde, männliche Probanden 2 Mal je 2 Nächte im Schlaflabor. Im ersten Versuchsteil durften sie 7-8 Stunden schlafen, im zweiten Versuchsteil wurden sie bereits nach 4 Stunden geweckt. Ihnen wurde jeweils am dritten Tag ein standardisiertes Frühstück serviert. Schliefen die Teilnehmer nur 4 Stunden, konnte nach der Mahlzeit eine höhere Blutglukose sowie eine überschießende Insulinsekretion gemessen werden, verglichen mit dem Blutzucker und der Insulinsekretion nach 7-8 Stunden Schlaf. Somit wurde gezeigt, dass ein zu kurzer Schlaf mit negativen Effekten auf den Glukosestoffwechsel einhergeht.

Spielt die Platzierung des Schlafs ebenfalls eine Rolle für den Glukosestoffwechsel? Eine Kontrollgruppe schlief 8 Stunden, während zwei verschiedene Versuchsgruppen nur 4 Stunden schliefen – die eine Gruppe schlief früh, die andere spät. Die Insulinsensitivität war nach der 4-stündigen Nacht signifikant reduziert, verglichen zur Insulinsensitivität der Kontrollgruppe. Ob diese 4 Stunden jedoch früh oder spät geschlafen wurden, ergab keinen Unterschied. Die Schlafplatzierung allerdings wirkte sich auf die Ghrelinkonzentration aus: Der frühe Kurzschlaf erhöhte das morgendliche Hungergefühl signifikant im Vergleich zum späteren Kurzschlaf.

Wie sieht es mit der Qualität des Schlafs aus, fragten sich die Wissenschaftler und führten eine Studie zum Einfluss der Tiefschlafphase auf die Insulinsensitivität und die Glukosetoleranz durch. Tasali (2008) zeigte, dass Probanden, welchen der Tiefschlaf (SWS =slow wave sleep) für 3 Nächte entzogen wurde, ohne dass sie zwischendurch aufwachten, mit einer signifikant reduzierten Insulinsensitivität und Glukosetoleranz reagierten, als unter Schlafbedingungen mit Tiefschlafphase (Abb.1).

Abb. 1: Insulinsensitivität und Glukosetoleranz bei normalem Schlaf inklusive Tiefschlafphase (weißer Balken) und nach 3 Nächten Tiefschlafsuppression (Schwarzer Balken) (Tasali 2008).

Auch wenn die Bedeutung des Schlafs noch immer viele Fragen in der wissenschaftlichen Forschung aufwirft, zeigen die Studienergebnisse, dass Dauer, Qualität und Platzierung des Schlafs nicht zu unterschätzende Komponenten sind, an denen wir schrauben können, um unsere Gesundheit zu bewahren!

Noreen Neuwirth

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